Kunst half Salomé Herbst, sexuelle Übergriffe zu bewältigen – Ausstellung in der Polizeiinspektion Weilheim

"Er drohte, mich zu töten, wenn ich schreie"

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„Wir Betroffene brauchen Menschen, die uns glauben. Denn es gibt nichts, was es nicht gibt.“ Salomé Herbst mit Weilheims Polizeichef Harald Bauer (re.), der die Ausstellung nach Weilheim geholt hat, und Polizeipräsident Robert Kopp.

Weilheim – Sexuelle Gewalt an Kindern reißt tiefe Wunden und geschieht meist im engen sozialen Umfeld. Salomé Herbst wurde in der Familie jahrelang grausam missbraucht und hat sich mit Malen und Gedichte schreiben ihrer Vergangenheit gestellt. Die bewegenden Bilder und Texte der 42-Jährigen sind in den Gängen der Polizeiinspektion (PI) Weilheim ausgestellt.

Viel Prominenz aus Lokalpolitik, Ämtern, Beratungsstellen und Vereinen war am Dienstag zur Eröffnung der „außergewöhnlichen Ausstellung einer außergewöhnlichen Künstlerin in außergewöhnlichen Räumen“ erschienen, wandte sich Harald Bauer, Leiter der PI Weilheim, an die Gäste. In Bayern werden laut Bauer jährlich circa 3 000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern unter 14 Jahren angezeigt, die Dunkelziffer ist hoch. Damit es nicht zu einer Straftat kommt, müssten das Thema öffentlich gemacht und die Gesellschaft sensibilisiert werden. Auffälligkeiten im Verhalten könnten auch auf einen Missbrauch des Kindes hindeuten. Präventionsarbeit sei ebenso wichtig.

Polizeipräsident Robert Kopp zeigte sich vom persönlichen Schicksal der 42-Jährigen betroffen, die ihre schrecklichen Erlebnisse in der Kunst „couragiert, stark und mutig verarbeitet“ hat. Verlorenes Vertrauen missbrauchter Kinder müsse „zurückerkämpft“ werden. Das Erleben menschlicher Abgründe beim Überführen der Täter, so Kopp, sei auch für die Polizei emotional sehr belastend.

„Mein Vater drohte, mich zu töten, wenn ich schreie“, schilderte Salomé Herbst mit bewegter Stimme ihre von Angst, Verlassenheit und Schuldgefühlen geprägte Kindheit. Beim ersten Übergriff sei sie erst vier Jahre gewesen, auch Cousin und Großcousin haben sich an dem Mädchen vergangen. Salomé Herbst baute sich eine Scheinwelt auf und fand in der Liebe zur kreativen künstlerischen Arbeit eine Kraftquelle. Mit ihrer Kunst will sie das Thema in die Politik und Justiz tragen.

Am Montag, 20. Mai, ist die Ausstellung mit dem Titel „Im Funkenflug der Schattenlichter – Die Rückkehr der verborgenen Erinnerungen“ von 17 bis 19 Uhr in der PI Weilheim öffentlich zugänglich. Ab 25. November zeigt das Landratsamt Weilheim-Schongau dann die Ausstellung in der Weilheimer Sparkasse.

Von Maria Hofstetter

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