Zeichen gegen Stigmatisierung von psychisch Kranken

Ausstellung "Seelenleben" gibt Einblicke

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Kunst, ihre Macher und die Initiatoren der Ausstellung „Seelenleben“ (v.li.): Die Studentinnen Jenni Hanzlik und Julia Lengenfelder, Ingo Remesch, Benedikt Wiedemann und Dr. Stephan Günther (Gesundheitsamt), sowie Kunsterzieherin Charlotte Thanner und Fotograf Christoph Hellhake.

Weilheim – Mit der Ausstellung „Seelenleben“ zur Situation psychisch Kranker hat sich das Gesundheitsamt Weilheim – zwei Jahre nach der ersten Ausstellung unter dem Titel „Seelenblicke“ – einmal mehr einem sehr schwierigen, aber nicht minder wichtigen, Thema angenommen. Im Beisein von Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Bezirksrätin Alexandra Bertl und dem stellvertretenden Bezirkstagspräsidenten Michael Asam wurde in den Räumen der Sparkasse am Mittleren Graben Vernissage gefeiert.

Nach der Begrüßung durch Mitinitiator Ingo Remesch vom Gesundheitsamt hatte die Landrätin das Wort. Ein Buch ihres mittlerweile erwachsenen Sohnes habe sie für diese Veranstaltung noch einmal in die Hand genommen. Das Buch vom „Seelenvogel“, jenem Fabelwesen, das in jedem von uns lebt, das jede Laune und Stimmung bestimmt und in seinen vielen Schubladen vom kleinsten Lächeln bis zum größten Geheimnis alles parat hat. „Das Wichtigste ist, dem Seelenvogel zuzuhören“, so Jochner-Weiß.

Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamtes,führte dann in die Thematik ein. Schon bei der ersten Ausstellung 2017 sei die Idee entstanden, eine Fortsetzung zu planen. „Wir möchten zusammen mit den beteiligten Künstlern, Schülern und Studenten dazu beitragen, das Thema psychische Erkrankung zu entstigmatisieren und so die Akzeptanz der Betroffenen fördern“, so Günther. Schließlich sei eine psychische Erkrankung für Betroffene und deren Angehörige mit massiven Einschränkungen verbunden, oder wie es ein Betroffener einmal beschrieb: Depression ist, als ob du ohne Arme im Rollstuhl sitzt und es ist keiner da zum Schieben!

Auch der Fotograf Christoph Hellhake, dessen wirklich außerordentlich beeindruckende Portraitfotografien psychisch Kranker in der Ausstellung zu sehen sind, gab eine kurze Einführung zu seinen Arbeiten. „Das Gesicht ist Abbild der Seele und die Augen sind der Eingang zum Menschen“, so der Künstler, der sich besonders darüber freute, in vielen seiner Aufnahmen den gesunden und kraftvollen Teil der Betroffenen abgebildet zu haben.

Charlotte Thanner, Kunsterzieherin am Gymnasium Weilheim, hatte bereits vor einigen Jahren mit ihren Schülern Skulpturen zum Thema „Bitte stör mich“ erarbeitet, die nun auch in der Sparkasse zu sehen sind. Sie freute sich besonders über die anerkennende Äußerung einer von Depression betroffenen Besucherin der letzten Ausstellung, die gemeint hatte: „Woher wisst ihr eigentlich, wie wir uns fühlen?!“

Jenni Hanzlik und Julia Lengenfelder, Studentinnen der Sozialen Arbeit an der katholischen Stiftungshochschule Benediktbeuern, waren federführend an der Organisation und Umsetzung der Ausstellung beteiligt und dankten ihrerseits allen anderen Kooperationspartnern. „Wir konnten hier unser Praxis-3-Projekt umsetzen und so hoffentlich auch einen Beitrag gegen die Stigmatisierung psychisch Kranker leisten“, so Hanzlik.

Die Ausstellung im neueren Teil der Sparkasse Oberland am Mittleren Graben ist noch bis Freitag, 22. Februar, zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 8.30 bis 17 Uhr, donnerstags sogar bis 18 Uhr.

Von Bianca R. Heigl

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