Am 12. September soll der Pkw stehen bleiben

Autofreier Sonntag: Radtour als gemeinsame Veranstaltung

Die Organisatoren des autofreien Sonntags am 12. September: Adi Stumper (ADFC Fürstenfeldbruck), Gottfried Obermair (Ziel 21), Manfred Broichhaus (ADFC Weilheim-Schongau), Andreas Birzele, Max Keil (beide Ziel 21), Bruder Josef Götz, Pfarrer Karl Mehl, Eugen Schäfer (hinten, v. li.). Oliver Berger (Energiewende Starnberg), Berthold Lesch (LENA Landsberg) und Martin Baumeister (ADFC Landsberg) (vorne, v. li.).
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Die Organisatoren des autofreien Sonntags am 12. September: Adi Stumper (ADFC Fürstenfeldbruck), Gottfried Obermair (Ziel 21), Manfred Broichhaus (ADFC Weilheim-Schongau), Andreas Birzele, Max Keil (beide Ziel 21), Bruder Josef Götz, Pfarrer Karl Mehl, Eugen Schäfer (hinten, v. li.). Oliver Berger (Energiewende Starnberg), Berthold Lesch (LENA Landsberg) und Martin Baumeister (ADFC Landsberg) (vorne, v. li.).
  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Landkreis/Region – Bürger in vier Landkreisen verzichten einen Sonntag lang aufs Auto – das ist die Idee beziehungsweise der Wunsch der regionalen Energievereine sowie des ADFC.

Am 12. September sollen die Menschen in den Kreisen Landsberg, Fürstenfeldbruck, Weilheim-Schongau und Starnberg den Pkw stehen lassen und sich umweltfreundlich fortbewegen, zum Beispiel auf dem Fahrrad. Als gemeinsame Veranstaltung wird eine landkreisübergreifende Radtour angeboten, deren Ziel ein leuchtendes Beispiel in Sachen Energiewende ist: das Kloster St. Ottilien.

Klimaneutrale Mobilität ist ein wichtiges Anliegen der Energievereine LENA (Landsberg), Ziel 21 (Fürstenfeldbruck) und Energiewende Starnberg e.V. Die gemeinsame Veranstaltung mit dem ADFC solle dennoch „keine Demo gegen die IAA“ sein, wie LENA-Vorsitzender Berthold Lesch beim Pressetermin im Garten des Emminger Hofs in St. Ottilien betonte. Die Internationale Automobil Ausstellung findet heuer erstmals in München statt und endet an dem Tag, den die Organisatoren zum autofreien Sonntag erklären möchten.

Die Zweirad-Sternfahrt aus den vier Landkreisen soll an diesem Tag gegen Mittag in St. Ottilien eintreffen. Um zwölf Uhr werden die Teilnehmer von Erzabt Wolfgang Öxler und Landrat Thomas Eichinger (CSU) begrüßt. Danach gibt es die Möglichkeit, an Führungen durch das Klosterdorf teilzunehmen und insbesondere die Energiezentrale, den Kuhstall, das Missions- und das Nähmaschinenmuseum zu besichtigen. Für 14.30 Uhr steht ein ökumenischer Gottesdienst vor der Klosterkirche auf dem Programm.

Von evangelischer Seite wird diesen der Grafrather Pfarrer Karl Mehl zelebrieren. Der 58-Jährige hat zum Thema Fahrrad eine besondere Beziehung. Nicht nur, dass er die meisten seiner Wege auf zwei Rädern zurücklegt. Für den Sommer plant er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin eine Radfahrt von Hamburg nach Weilheim, um fair gehandelten, mit dem Segelschiff importierten Bio-Kaffee in die Region zu bringen. Zwei Wochen wollen die beiden auf E-Bikes unterwegs sein, der 12. September ist der letzte Tag der Tour. Wenn Mehl vor den Radlern in St. Ottilien predigt, wird er selbst fast 1 000 Kilometer in den Knochen haben.

Bruder Josef Götz, Cellerar von St. Ottilien, sieht seine Wirkungsstätte nur zu gern im Zentrum klima- und umweltfreundlicher Aktivitäten, denn das Kloster ist schon vor Jahren vorangegangen. „Wir sind energieneutral“, so Bruder Josef. Dank einer Holzhackschnitzelheizung und nachwachsenden Rohstoffen spart St. Ottilien jedes Jahr 700 000 Liter Heizöl und damit über 200 000 Tonnen CO2 ein. Gottfried Obermair, Vorsitzender von Ziel 21, will den autofreien Sonntag nicht als Verbot verstanden wissen, sondern als Motivation und Sensibilisierung. Einen Tag lang sollen die Leute sich anders fortbewegen – „zu Fuß, mit dem Rad, mit dem Segelboot, auf dem Pferd“. Wer das tut, soll möglichst auch belohnt werden, zum Beispiel mit einem Preisnachlass in Gaststätten. Obermair hofft, möglichst viele Gastronomen zum Mitmachen bewegen zu können. Im Brucker Landkreis plant das Bauernhofmuseum Jexhof in Schöngeising für den 12. September ebenfalls eine passende Veranstaltung – eine Ausstellung von Oldtimer-Rädern.

Was Oliver Berger vom Energieverein im Landkreis Starnberg in die Köpfe bringen möchte, ist die Erkenntnis, dass die Energiewende nicht – wie oft behauptet – viel kostet, sondern im Gegenteil gewaltige Summen einspart. Wenn Starnberg sein Ziel erreicht, bis 2035 energieautark zu sein, werden im gesamten Landkreis von allen Privathaushalten, Wirtschaftsbetrieben und der öffentlichen Hand statt sieben Milliarden Euro jährlich nur noch 3,5 Milliarden für Heizen, Tanken und Strom ausgegeben werden, rechnet Berger vor.

Hinzu kommt, dass dieses Geld „weder in den Nahen Osten noch zu Herrn Putin“ fließt, sondern in der Region bleibt, so LENA-Vorsitzender Lesch. „Die Energiewende ist auch regionale Wirtschaftsförderung.“ Gelingen kann sie allerdings nur, wenn alle mitziehen.

Deshalb wünscht sich Max Keil von Ziel 21 mehr Genossenschaften, über die sich Bürger zum Beispiel an Windkraftanlagen beteiligen können.

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