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B2 Ausbau: MdB Jamila Schäfer (Grüne) spricht von „vorsichtigem Pessimismus“

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Von: Bernhard Jepsen

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Ortsbegehung in Wielenbach.
Harald Mansi (weißes Hemd und schwarze Jeans) erklärte Jamila Schäfer (rechts daneben) beim Ortstermin die Ausbaupläne für die B2. © Jepsen

Wielenbach – Gegen den mit knapp 15 Millionen Euro bezifferten dreispurigen Ausbau der B2 im Bereich von Wielenbach hat sich inzwischen breiter Protest formiert. Doch die Erfolgsaussichten, das bereits planfestgestellte Projekt noch zu Fall zu bringen, dürften eher gering sein. Bei einem Ortstermin sprach die grüne Bundestagsabgeordnete Jamila Schäfer denn auch von „vorsichtigem Pessimismus“.

Schäfer war in ihrer Funktion als Betreuungsabgeordnete auf Einladung der Kreis-Grünen in den Stimmkreis „Weilheim“ gekommen. Nach einer Bürgersprechstunde beim Biomichl ging es auf einen Hügel nördlich von Wilzhofen. Von dort aus hatte die Delegation, unter die sich auch Vertreter der Weilheimer Umfahrungsgegner „Heimat 2030“ mischten, beste Aussicht auf die Einmündung der Staatsstraße 2066 (aus Richtung Tutzing) in die B2. Genau dort soll einer der Ausbauschwerpunkte liegen. Wielenbachs Bürgermeister Harald Mansi erläuterte die Planungen, die er allein schon aufgrund des Flächenverbrauchs für „absoluten Wahnsinn“ und für „nicht mehr zeitgemäß“ hält. Samt Parallelstraßen – Bulldogs dürfen zum Beispiel nach dem Ausbau nicht mehr auf der B2 fahren – würde sich ein bis zu 40 Meter breiter, siebenspuriger Straßenkorridor ergeben. „Und oben auf dem Berg fährt der Zug mit 25 Kilometern pro Stunde vor sich hin. Das ist amüsant“, kritisierte Mansi mit ironischem Unterton.

Die Stärkung des Schienenverkehrs wäre auch aus der Sicht von Schäfer dringend angebracht: „Der Bund muss priorisieren und Straßenbau nur dann unterstützen, wenn er wirklich gebraucht wird.“ Die Fokussierung auf andere Mobilitätsformen sei zwar angesichts von Lobbyinteressen und eingefahrenen Strukturen ein „superanstrengender Prozess“: „Aber wir wollen ihn einleiten“, so Schäfer. Für den B2-Ausbau wird der Umdenkprozess vermutlich zu spät kommen. In der Bundesregierung, so Schäfer, habe man sich darauf verständigt, die Projekte des Bundesverkehrswegeplans auf den Prüfstand zu stellen und nicht nachhaltige Vorhaben zu streichen. Der B2-Ausbau wird darunter aber sicher nicht fallen. Er läuft nämlich offiziell als „Ertüchtigung“ und taucht im Verkehrswegeplan gar nicht auf.

Zudem liegt bereits ein Planfeststellungsbeschluss vor. Gegen den hat die Gemeinde Wielenbach zwar Klage eingereicht, aber die Erfolgsaussichten sind eher mäßig. „Wir sind in unseren Klagemöglichkeiten stark eingeschränkt“, konstatierte Mansi. Die Kommune könne lediglich die stark trennende Wirkung ihrer Ortsteile durch eine ausgebaute B2 ins Felde führen, nicht aber zum Beispiel Umweltschutzbelange. „Ich bin eben keine Eidechse“, so Mansi.

Das Staatliche Bauamt hat ein Eigenleben mit geringer politischer Steuerung. Das Amt will Straßen bauen.

Harald Mansi, Bürgermeister

Schäfer vermied es beim Ortstermin ganz bewusst, falsche Hoffnungen zu wecken. „Wahrscheinlich können wir an der konkreten Stelle nicht mehr viel tun“, erklärte die Münchenerin. Dennoch sei der Ortstermin „total spannend“, weil er zeige, dass es Institutionen gibt, die bei der Mobilitätswende mit dabei sind.

Martin Adler, Kreissprecher der Grünen, sprach von einer „Salamitaktik“ des Staatlichen Bauamts, die letztlich zu einem in weiten Teilen dreispurigen Ausbau der B2 von Garmisch bis Starnberg führen solle. Damit werde in Wahrheit eine parallele Trasse zur Garmischer Autobahn gebaut, die unter dem Strich noch mehr Verkehr in die Region ziehen würde. Ziel müsse es deshalb sein, den Individualverkehr einzudämmen und alternative Angebote zu schaffen.

Der stillgelegte Wilzhofener Bahnhof ist laut der Wielenbacher Gemeinderätin Gabriele Scholten-Beck dafür eine gute Möglichkeit – „weil er zweigleisig ist“. Einen Bahnhalt in Wilzhofen in die bestehende Fahrplantaktung zu integrieren, sei auch kein Hexenwerk. „Bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft sitzen wirklich innovative Leute“, so Scholten-Beck. Nun brauche es aber auch den politischen Willen.

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