Bäche mit Abfluss überlastet Hochwasserschutz am Angerbach: Planung wird neu aufgerollt

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MARIA HOFSTETTER, Weilheim – Die jüngsten Untersuchungen des Ingenieurbüros „Steinbacher Consult“ zeigen: Stadt- und Simmetsbach können weit weniger Wasser ableiten als ursprünglich angenommen. Wohin mit dem restlichen Wasser? Zum Schutz des Angerbaches vor einem 100-jährigen Hochwasser müssen jetzt wohl mehr oder größer dimensionierte Rückhaltebecken gebaut und das Rohrnetz der Bäche grundsaniert werden. Als Frank Steinbacher vom beauftragten Ingenieurbüro die Stadträte über die jüngsten Vermessungen und hydraulischen Berechnungen informierte, ergab seine Zustandsbewertung, dass die Planung für das bislang rund acht Mio. Euro teure Vorsorgeprojekt neu überdacht werden muss. Dafür gibt es triftige Gründe: Die Abflussquerschnitte in Stadt- und Simmetsbach sind wesentlich kleiner als in den vorliegenden Unterlagen, hat die Kamerabefahrung der Rohre ergeben. Das heißt: Anstatt 9,4 Kubikmeter können die beiden Bächen pro Sekunde nur 7,6 Kubikmeter Wasser ableiten. Als weitere Probleme führte Steinbacher gravierende Schäden in den Kanälen, wie lange Risse und undichte Fugen, an. Erschwerend komme hinzu, dass über 180 Seitenzuflüsse in die beiden Bäche münden, die noch nicht untersucht worden sind und mit deren Herkunft man sich auseinandersetzen müsse. „Die innerstädtischen Abflüsse an Stadt- und Simmetsbach sind das Nadelöhr“, steht für Steinbacher fest. Die Schäden im Untergrund waren auch ausschlaggebend für eine Gewichtsbeschränkung an der Röntgenstraße, an der Alpenstraße muss die Fahrbahndecke teils erneuert werden. Die genannten K.O.-Kriterien und eine äußerst aufwändige Sanierung stellen nach den Erkenntnissen des Planungsbüros auch die Überlegungen in Frage, das Hochwasser von Stadt- und Simmetsbach unter Druck in die Ammer abzuführen. Um die Bürger von Marnbach, Deutenhausen und Weilheim vor Hochwasser zu schützen, sieht Steinbacher eine Möglichkeit darin, bei Marnbach und/oder vor Weilheim größere Regenrückhaltebecken mit höheren Dämmen zu errichten. Ein drittes Becken ist am Ramseer Bach vorgesehen. Auch ein Becken am Weidenbach auf Eberfinger Flur könnte Entlastung bringen. Allerdings liege dieser Standort im Trinkwasserschutzgebiet und sei deshalb dafür ungeeignet, wie Bürgermeister Markus Loth von seinem Eberfinger Amtskollegen Georg Leis erfahren hat. Trotz neuer Voraussetzungen („Wir haben uns vieles einfacher vorgestellt“) und höherer Kosten mahnte Rupert Pentenrieder (BfW), keine Zeit zu verlieren. Der Hochwasserschutz habe Priorität, weil er über 4 000 Weilheimern trockene Häuser sichere. „Enttäuschend und ernüchternd“ findet CSU-Stadtrat Klaus Gast die Situation, er verwies auf die hohen Kosten für das Gutachten. Neue Alternativen müssten gewährleisten, dass die Bürger im Weilheimer Osten und in Marnbach nicht zusätzlich belastet werden, forderte Gast. In der Vergangenheit waren die dort vorgesehenen Rückhaltebecken bei den Anliegern wegen der hohen Dämme in Ortsnähe auf große Vorbehalte gestoßen (wir berichteten). In der Bevölkerung müsse um Verständnis für die neue Situation geworben werden, betonten Dr. Norbert Vidal (BfW) und Alfred Honisch (Grüne). Auch wenn die Kosten für den Hochwasserschutz „auf neueinhalb bis elf Millionen Euro steigen können“, wie es Stefan Zirngibl (CSU) grob umriss. Der Stadtrat beauftragte „Steinbacher Consult“ einstimmig mit weiteren Untersuchungen des Grundwassers und dem Prüfen von Alternativen.

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