Anwohner monieren fehlende Parkplätze, Lärm und bezweifeln Zahlen

Kritik am geplanten Bahn-Halt

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Stark angezweifelt wurden von Anwohnern die geschätzten Ein- und Ausstiegszahlen am geplanten Halt „Weilheim-Au“. In der Diskussion meldeten sich viele Kritiker zu Wort.

Weilheim – „Einfache Bahnhalte“ mit mindestens 100 Ein- und Ausstiegen pro Werktag und stündlicher Bedienung, barrierefrei erschlossen und bei alldem soll der Nutzen die Kosten überwiegen: Nach diesen Kriterien werden im Zuge der „Stationsoffensive Bayern“ 20 neue Halte errichtet. Einen davon bieten Bahn AG und Regierung von Oberbayern der Stadt Weilheim an der Pfaffenwinkelbahn südlich des Bahnübergangs „Geistbühelstraße“ an. Bei einer Infoveranstaltung brachten benachbarte Anwohner reichlich Kritik vor.

Das Podium in der Stadthalle war mit Vertretern von Bayerischer Eisenbahngesellschaft, Tochtergesellschaften der Deutschen Bahn (DB), Baubehörde der Regierung von Oberbayern und der Stadt Weilheim besetzt. Um in die Planungen für den neuen Bahnhalt einsteigen zu können, hat der Stadtrat im November 2017 einen Grundsatzbeschluss gefasst. Der 140 Meter lange Bahnsteig zwischen den Gleisanlagen von Werdenfels- und Pfaffenwinkelbahn mit einem Fußgängertunnel unter der Bahnlinie München-Garmisch würde auch den Trifthof erschließen. Illegale Gleisüberquerungen führen hier immer wieder zu lebensgefährlichen Situationen. Aus angrenzenden Wohngebieten kommt jedoch massiver Widerstand.

Circa 120 Anlieger hatten sich bei der Stadtverwaltung für die Veranstaltung angemeldet. Sowohl Stefan Schell (Sachgebietsleiter Schieneninfrastruktur und Eisenbahnwesen bei der Obersten Baubehörde) als auch Herbert Kölbl (DB Netz-Vertriebsbeauftragter Bayern) machten deutlich, dass das Projekt nur im gemeinsamen Schulterschluss realisierbar sei: „Wenn die Kommune partout nicht will, werden wir sie nicht zwangsbeglücken“, so Schell. Eine grobe Schätzung ergab für die Haltestelle Kosten von ca. 1,1 Mio. Euro ohne Grundwasserwanne. Als Bauzeit wurden drei bis vier Monate genannt. Konkret geplant werde aber erst, „wenn klar ist, dass alle den Halt wollen“, führte Kölbl aus. Als Dr. Johann Niggl (Geschäftsführer Bayerische Eisenbahngesellschaft) erklärte, dass die Wirtschaftlichkeit mit prognostizierten 350 Ein- und Ausstiegen gegeben sei, erntete er Gelächter. Die analysierten Zahlen seien „stabil und belastbar“ und die Schülerzahlen darin noch nicht berücksichtigt, hielt er den Skeptikern entgegen. Von einem sogenannten Bedarfshalt hält Niggl nichts, denn wo ein Zug halte, müsse die entsprechende Infrastruktur gebaut werden. „Entweder ein gscheiter Halt oder gar keiner“, bezog er Stellung.

Die meisten Besucher konnte die Argumente pro Bahnhalt nicht überzeugen, wie ihre spontanen Reaktionen und Wortmeldungen zeigten. Die Schüler wollen diesen Bahnhalt nicht, verwies ein Bürger auf das Umfrageergebnis in Realschule und Gymnasium. Ob die Halbschranken an der Geistbühelstraße durch den zusätzlichen Bahnhalt noch länger geschlossen bleiben werden, wurde hinterfragt und das Verkehrschaos dort scharf kritisiert. Ein Rettungswagen habe vier Minuten vor verschlossener Schranke gestanden. „Das kann lebensbedrohlich sein“, ärgerte sich ein Au-Anlieger. Andere berichteten von achtminütigen Wartezeiten und dass bei Rot übers Gleis gefahren werde. „Die Situation ist für alle Beteiligten unbefriedigend“, wandte sich Bürgermeister Markus Loth an die Bahnvertreter. Laut Dietmar Schieder (DB Netz AG Steuerung und Planung) könnte sich die Schließzeit durch den Zug aus Richtung Peißenberg um 30 bis 40 Sekunden verlängern. Bei den Zügen von und nach GAP werde sich nichts ändern.

Neben Lärmbelästigungen treibt die Anwohner die Sorge um eine Wertminderung ihrer Grundstücke und zugeparkte Straßen um. Dieser Bahnhalt sei nicht für Pendler gedacht, die Stadt will hier weniger als zehn Kfz-Parkplätze schaffen, dafür aber Fahrradabstellplätze, erklärte Loth. Was eine Unterführung in den Trifthof ohne Bahnhalt kosten würde, interessierte eine Bürgerin. Die „Stationsoffensive Bahn“ solle prüfen, ob ein Halt nicht an anderer Stelle, wie in Unterhausen, sinnvoller wäre. Auf den Vorwurf, die Stadt wolle den Bahnhalt nur, um sich die Fördermittel für den Fußgängertunnel (circa 50 Prozent) zu sichern, entgegnete der Bürgermeister: Die bahntechnissche Erschließung des Trifthofs sei schon in den 1980er Jahren angedacht worden, ein Bahnhalt werde dort begrüßt.

Ein 300 Meter vom geplanten Bahnhalt wohnender Bürger hält diesen – auch im Hinblick auf die neuen Wohnungen am Dietmayr-Anger – für „eine gute Sache“ und regte Parkausweise für die Anwohner an.

Eine Befragung aller Weilheimer, wie zur Fußgängerzonen-Erweiterung, ist für den Bahnhalt „Weilheim-Au“ nicht vorgesehen, antwortete Loth einem Bürger, da dies mit einem „gewaltigen Aufwand“ verbunden wäre. Die Ergebnisse aus der Infoveranstaltung werden nun im Stadtrat ausgewertet und mit Fachleuten diskutiert. Loth weiter: „Wir sind im Entwurfsstadium. Ein Verkehrsgutachten ist bereits in Auftrag gegeben.“ Einwände und Bedenken, auch jene der Anwohner, könnten im Zuge des Planfeststellungsverfahren eingebracht werden.

Von Maria Hofstetter

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