Deutsche Bahn lehnt in Bernried Alternativvorschlag der Denkmalschutzbehörde ab

Barrierefreier Bahnhofsausbau in Gefahr ?

+
Streit um die gläserne Manufaktur: Die Bahn will den Bahnsteig um einen halben Meter erhöhen.

Bernried – Der Konflikt um den barrierefreien Ausbau des Bernrieder Bahnhofs geht weiter: Die Bahn hat den Alternativvorschlag der Denkmalschutzbehörde, der das historische Bahnhofsgebäude vor zu großen Eingriffen bewahren soll, abgelehnt. Der Umbau soll jetzt per Planfeststellungsverfahren erwirkt werden.

Für ihren Bahnhof müssen sich die Gemeindeväter nicht schämen, ganz im Gegenteil. Jürgen Kindervater, dessen Sohn Manuel das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude gehört, hat viel Geld in dessen Umbau investiert: Seit Juli 2010 entstehen in der verglasten Produktionsstätte des historischen Gebäudes köstliche Chocolateriewaren. Auch einen Wartepavillon samt Fahrkartenautomat hat der Bahnhof zu bieten. Aber etwas wichtiges fehlt: ein barrierefreier Bahnsteig. Den möchte die Bahn im Herbst errichten. Doch anscheinend hat der ehemalige Staatsbetrieb die Umbaupläne ohne die Denkmalschützer geschmiedet – wohl zum Nachteil für das Gebäude und dessen Eigentümer.

Bahn-Pläne stoßen auf Widerstand

Die Bahn will den gesamten Bahnsteig um einen halben Meter erhöhen. Dadurch entstehe ein Graben vor der gläsernen Manufaktur, „in den die Leute wahrscheinlich ihre Abfälle werfen werden,“ kritisiert Jürgen Kindervater die Pläne der Bahn. Der Denkmalschutz habe viel Wert auf eine fachgerechte Sanierung gelegt. Auch Mieter Franz Xaver Clement, dürfte von den Plänen der Bahn nicht begeistert sein. Vermutlich könnte die transparente Architektur der Produktionsstätte an Attraktivität verlieren. „Wir arbeiten dann mehr oder weniger im Keller“, heißt es aus der Schokoladenmanufaktur. Große Sorge bereite dem Geschäftsmann die Situation im Winter: „Der Schnee wird dann einfach gegen die Glasfront gedrückt.“

Steigenberger vermittelt

Diese Kritik stößt auch beim Bernrieder Bürgermeister Josef Steigenberger auf offene Ohren, denn die Gemeinde hat das Bahnhofsgebäude 2009 an Kindervater verkauft. „Wir waren froh, einen Investor gefunden zu haben, der aus dem denkmalgeschützten Gebäude ein Schmuckstück gemacht hat.“ Steigenberger sieht sich in der Rolle des Vermittlers mit dem Ziel, für eine einvernehmliche Lösung „Bahn und Kindervater an einen Tisch zu bekommen“. Steigenberger hat eine Expertin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege eingeschaltet, die einen Alternativvorschlag ausgearbeitet hat. Dieser sieht vor, den Bahnsteig 30 Meter nach Süden zu verlegen, so dass der barrierefreie Zustieg direkt hinter dem Gebäude beginnt. Das Bahnhofsgebäude bliebe somit von der „Grabensituation“ verschont. 

Ein Vorschlag, der bei Steigenberger Hoffnungen weckt, zumal die vorgegebene Zuglänge von 155 Metern eingehalten werden könne und die Kosten im Budgetrahmen blieben. Die 50 Meter Reservelänge für ein eventuell höheres Fahrgastaufkommen in den nächsten Jahren seien in dem Konzept nicht berücksichtigt, für Steigenberger „ein kalkulierbares Risiko“. 

Rückenwind bekommt er vom Fahrgastverband Pro Bahn. Kompromiss: Die Fahrgäste müssten 30 Meter mehr an Wegstrecke zurücklegen als bisher. Verglichen mit anderen Bahnhöfen hält Steigenberger dies für „durchaus zumutbar“.Doch der „Runde Tisch“ scheint in weiter Ferne. Auf den Alternativvorschlag der Denkmalschutzbehörde habe die Bayerische Eisenbahngesellschaft lediglich mit einem Dreizeiler geantwortet. Dort hieße es, dass man „diese Pläne nicht akzeptiert und stattdessen verstärkt auf gestalterische Maßnahmen setzt“. Steigenberger ärgert sich maßlos: „Ich verstehe nicht, warum sich die Bahn so ignorant verhält. Es muss doch möglich sein, sich an einen Tisch zu setzen und miteinander zu reden!“ Ende Februar habe er die Bayerische Eisenbahngesellschaft schriftlich zu einer Stellungnahme aufgefordert. Seitdem herrsche Funkstille.

Investor will "kämpfen"

Verärgert über das Verhalten der Bahn ist auch Jürgen Kindervater, der „sämtlichen Lösungsvorschlägen aufgeschlos- sen gegenüber steht“. Auch mit ihm habe bis heute niemand von der Bahn gesprochen. „Ich habe viel Geld in den Umbau des Gebäudes investiert. Das lasse ich mir nicht einfach kaputt machen. Ich werde kämpfen“, empört sich Kindervater.

Planfeststellungsverfahren 

In einer Stellungnahme der Deutschen Bahn AG vom 8. April heißt es: „Sowohl die Deutsche Bahn AG als auch die Bayerische Eisenbahngesellschaft lehnen alle Alternativvorschläge ab, da täglich 650 Rei- sende einen längeren Weg zurücklegen müssten.“ Man wolle mit dem Umbau eine Verbesserung und keine Verschlechterung für die Fahrgäste erzielen. Da der Eigentümer des Bahnhofsgebäudes den Umbauplänen nicht zustimme, sehe man sich gezwungen, den barrierefreien Umbau per Planfeststellungsverfahren zu erwirken. Man weise darauf hin, dass sich der Eigentümer beim Kauf des Gebäudes vertraglich verpflichtet habe, bauliche Änderungen zulassen zu müssen. In der Konsequenz sei mit einem langwierigen Verfahren zu rechnen.

Bahn sieht barrierefreien Ausbau gefährdet 

In einer weiteren Pressemitteilung vom 11. April verweist die Deutsche Bahn darauf, dass „der barrierefreie Ausbau aller acht Bahnhöfe auf der Strecke von Tutzing nach Kochel“ zu scheitern drohe, weil der Denkmalschutz und der Gebäudeeigentümer in Bernried ihre Zu- stimmung zu den Umbaumaßnahmen des Bahnsteiges verweigern würden. „Wir haben nur in diesem Jahr die Mittel des Infrastrukturbeschleunigungsgesetzes des Bundes zur Verfügung. In den Folgejahren sind keine Finanzmittel des Bundes oder des Freistaates für einen barrierefreien Ausbau in Bernried in Sicht“, so Helmut Zöpfel, DB-Bahnhofsmanager Oberbayern. Ein Planfeststellungsverfahren führe zu großer zeitlicher Verzögerung und mache den Baubeginn in 2013 unmöglich. Im Dezember werde die neue Werdenfelsbahn teilweise im Halbstundentakt auf der Kochelseestrecke fahren. Die DB möchte dafür alle Bahnsteige auf 76 Zentimeter Höhe ausbauen. Laut Bahnsprecher Franz Lindemair „können die Fahrgäste künftig ebenerdig in die neuen Züge einsteigen“. Die DB ersucht die Gemeinde um Unterstützung, damit Bernried Ende 2013 „einen neuen Bahnsteig mit barrierefreiem Zugang“ erhält.  


Von Anette Weyer

Auch interessant

Meistgelesen

31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
Oberstadtlerfest in Bildern
Oberstadtlerfest in Bildern
"Der Tiger" ist wieder zu Hause
"Der Tiger" ist wieder zu Hause
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben

Kommentare