Barrierefreiheit ein Riesenthema

SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher besucht Huglfinger Bahnhof

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V. li. Bernhard Kamhuber, Michael Asam, Christiane Kern (SPD-Landtagskandidatin) und Dominik Streit. (knieend) Sissi Fuchsenberger (SPD-Bezirkstagskandidatin) und Markus Rinderspacher.

Huglfing – Die Migrationsdebatte dominiert derzeit den politischen Diskurs – auch im bayerischen Landtagswahlkampf. Themen wie Inklusion, Breitbandausbau, Lehrermangel, Wohnungsnot oder Mobilität spielen zumindest medial kaum eine Rolle.

Auch die Bayern-SPD tut sich schwer, die Themen öffentlichkeitswirksam aufs Tapet zu bringen. Das wurde bei einem Besuch von Markus Rinderspacher in Huglfing deutlich. Der Vorsitzende der bayerischen Landtagsfraktion tingelte mit SPD-Landtagskandidat Dominik Streit durch den Landkreis. Stationen waren unter anderem die Firma Roche in Penzberg, Peiting – und der Huglfinger Bahnhof. Als Schnittstelle der Bahnstrecke München-Garmisch und der B472 wurde die Lokalität ganz bewusst ausgewählt. Bei Rinders-

pachers Besuch ging es nämlich schwerpunktmäßig um das Thema „Mobilität im ländlichen Raum“. Der Bahnhalt in Huglfing ist stark frequentiert. Bis zu 1 000 Fahrgäste nutzen die Station, darunter auch viele München-Pendler aus den benachbarten Gemeinden wie Peißenberg. „Anders als in Weilheim kostet bei uns der Parkplatz nichts – und einen Sitzplatz im Zug bekommt man auch noch“, erklärte Huglfings Bürgermeister Bernhard Kamhuber, der sich über den Besuch Rinderspachers freute: „Es ist toll, dass ein Spitzenpolitiker unaufgefordert kommt. Es schadet nicht, wenn man einmal ansprechen kann, dass wir den Siedlungsdruck aus München abbekommen.“ Durch den Halbstundentakt auf der Bahnstrecke wird das Pendeln attraktiver. Vor allem junge Familien ziehen aufgrund der hohen Immobilienpreise in der Landeshauptstadt zunehmend aufs Land. Durch die steigende Nachfrage nach Wohnraum steigen allerdings auch dort die Preise an: „Keine Frage, wir alle wollen eine gute Anbindung. Aber das ist die Kehrseite der Medaille“, konstatierte Streit. Wie wichtig jedoch eine gute Verkehrserschließung ist, verdeutlichte Peitings Bürgermeister und SPD-Bezirkstagskandidat Micheal Asam. Die Pfaffenwinkelbahn verkehrt nur stündlich zwischen Weilheim und dem westlichen Landkreis. „Das wirkt sich auf die Berufszweige aus“, erklärte Asam. Inzwischen sei es ein „Riesenproblem“ im Schongauer Krankenhaus Pflegekräfte und Ärzte zu rekrutieren.

Doch auch auf der nur eingleisigen Bahnstrecke von Tutzing nach Garmisch ist nicht alles Gold was glänzt. „Die Bahn verkauft entlang der Strecke schon Grundstücke. Die hat überhaupt nicht die Absicht, die Linie zweigleisig auszubauen“, kritisierte Streit. Und dann mangelt es noch am barrierefreien Ausbau der Bahnsteige – auch in Huglfing: In seiner Zeit als Ministerpräsident habe Horst Seehofer zwar stolz angekündigt, alle Bahnhöfe in Bayern behindertengerecht auszubauen, doch laut Rinderspacher sei „nüchtern betrachtet fast gar nix geschehen“. „Die Barrierefreiheit muss massiv angegangen werden. Das ist ein Riesenthema“, so Rinders-

pacher, der im Zusammenhang mit der Landtagswahl im Oktober von einer „Richtungswahl“ sprach: „Es geht um unsere politische, demokratische Kultur.“ Das Problem der SPD: Momentan sind die Umfragewerte im Keller. Doch wie die „Monothematisierung“ des Wahlkampfes durchbrechen? „Als Kandidat bleibt mir nur die Möglichkeit, mir die Hacken abzurennen und unsere Themen immer wieder anzusprechen“, erklärte Streit: „In den Bereichen Wohnen, Arbeit und Familie, da brauchen wir Antworten – dann erledigt sich auch die Flüchtlingsdebatte, die ist nämlich nur eine Angstdebatte.“ Rinderspacher betonte, dass Asylbewerber selbstverständlich das Land verlassen müssten, die nach einem rechtsstaatlichen Prüfverfahren kein Bleiberecht hätten. Dass man nicht jeden aufnehmen könne, sei nichts anderes als eine „Binsenweisheit“. Allerdings sei es ebenso geboten, politisch Verfolgten Obhut zu gewähren. „Da haben wir allein schon einen historischen Auftrag“, so Rinderspacher: „Die SPD ist da relativ klar. Wir waren es ja auch, die im Unionsstreit letztlich die Lösungsarbeit gemacht haben.“ 

Von Bernhard Jepsen

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