Umbau für Barrierefreiheit beginnt 2016 – Über 11 Millionen Euro vorgesehen

Bahnhof steht zum Verkauf

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Alle Gleise am Weilheimer Bahnhof werden umgebaut. Die Bahnsteige werden dabei in der Höhe so angepasst, dass ein ebenerdiger Ausstieg möglich ist.

Weilheim – Mehr als 14 Monate soll der Umbau des Weilheimer Bahnhofs dauern. Das Ziel ist die vollständige Barrierefreiheit. Die Oberleitungen werden gleich mit erneuert. Was allerdings mit dem Bahnhofsgebäude passiert, ist derzeit noch ungewiss, denn die Bahn möchte es loswerden.

In der jüngsten Stadtratssitzung stellte Herbert Kölbl von „DB Station & Service“ die geplanten Baumaßnahmen vor und gab dabei auch schon einen Ausblick. Alle Bahnsteige werden erneuert, um den einfahrenden Zugtypen gerecht zu werden, und vor allem das Ein- und Aussteigen zu erleichtern.

Außerdem, so erklärte Kölbl, wird die Leit- und Sicherungstechnik ebenfalls ersetzt. Zwar habe deren Planung das Projekt ein „Stück hintergeworfen“ – derzeit liegt die Verzögerung bei einem Jahr –, dennoch spare die Einbindung in den Bahnsteigumbau Zeit. Würden Leitungen und Bahnsteige separat in Angriff genommen, müssten die einzelnen Gleise wesentlich länger geschlossen bleiben.

Doch bis die Bauarbeiten tatsächlich starten, dauert es nun noch eine Weile. Anfang 2016 wird dann zunächst ein Behelfsbahnsteig an Gleis 7 geschaffen, damit der Verkehr von den geschlossenen Gleisen aufgefangen werden kann. Dann geht es weiter mit Gleis 2 und 3, für deren Umbau rund 19 Wochen eingeplant sind, bevor Gleis 4 und 5 im letzten Quartal des Jahres 2016 dran sind, für die die gleiche Zeit eingeplant ist. Jeweils zehn Wochen sind die Gleispaare in dieser Spanne komplett gesperrt.

„Hoffentlich nahtlos in den Bau des Vorplatzes und des Busbahnhofs übergehen“ soll der Umbau am Gleis 1, für den 17 Wochen vorgesehen sind. Für alle Gleise gemeinsam ist momentan also eine Bauzeit von geschätzten 63 Wochen angepeilt.

Neben den Arbeiten an den Leitungen und der höhenmäßigen Anpassung der Bahnsteige an die jeweils einfahrenden Züge wird sich vor allem in der Unterführung einiges ändern. Dort, wo derzeit die bestehenden Treppen zu den Gleisen 3 bis 5 führen, werden nach dem Umbau zwei Aufzüge fahren. Die Treppen werden in einer Kurve daran vorbei führen. Um aber auch große Fahrgastströme bewältigen zu können, werden an den gegenüberliegenden Seiten der Unterführung zusätzliche Treppen entstehen.

„Die Finanzierung ist gesichert“, zeigte sich Kölbl zufrieden, dass das Projekt innerhalb eines Bayernpakets für den barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen vom Freistaat gesponsert wird. Auf 11 260 000 Euro beläuft sich die Kostenschätzung, dabei sind 9 890 000 Euro für den Bau und 1 370 000 Euro für die Planung eingerechnet.

„Kommt man auch trocken zum Busbahnhof?“, interessierte sich Alfred Honisch (Grüne) für das Dach an Gleis 1. Dieses sei bis etwa zur Mitte des Stellwerks vorgesehen, erklärte Kölbl. Eine „Kombilösung“ mit dem Busbahnhof sei durchaus denkbar, aber müsse wegen der Unterhaltskosten deutlich getrennt werden. Außerdem erkundigte sich Honisch nach der ICE-Tauglichkeit. Diese sei laut Kölbl für einteilige ICEs gewährleistet; die Bahnsteige 1 bis 3 werden 280 Meter lang und 76 cm hoch. Gleis 4 und 5 werden hingegen kürzer (150 Meter) und niedriger (55 cm) und somit für die Züge der BRB optimiert.

Eine gestalterische Idee hatte Uta Orawetz (CSU): Sie möchte mit großen Stadtansichten in der Unterführung Werbung für den Ort machen. „Den Wunsch können wir aufnehmen, aber über das Preisschild müssen wir uns erst unterhalten“, schloss Kölbl die Umsetzung nicht aus. Allerdings nicht im Bahnhofsgebäude selbst. „Wir trennen die Immobilien klar von den Verkehrswegen. Die Gebäude obliegen anderen wirtschaftlichen Zielsetzungen.“ Aus genau diesem Grund werde auch die Toiletten-Anlage, nach der sich Susann Enders (Freie Wähler) erkundigte, beim Gleisumbau nicht erneuert.

Fast beiläufig verriet Kölbl, dass es ohnehin ungewiss sei, wie es mit dem Bahnhofsgebäude weitergehe. „Der Abriss ist nicht wirtschaftlich“, sei diese Variante schon geprüft worden. „Derzeit überlegen wir, das Gebäude nicht mehr selber zu betreiben“, kündigte er den Verkauf an. Zwar sei das Haus „noch nicht offiziell auf dem Markt“ und daher noch nicht ausgeschrieben. Interessenten gegenüber sei die Bahn aber aufgeschlossen und verhandlungsbereit. „Es könnte auch die Stadt sein.“

Von Ursula Gnadl

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