Bald allein auf weiter Flur?

Das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum wird nach der Schließung des Fliegerhorsts in Penzing vermutlich auf das Gelände der Welfenkaserne im Frauenwald umziehen. Foto:Ruile

Etwa 500 Beschäftigte im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum (BwDZL) Penzing, mit seinen Standortservicestellen Welfenkaserne, Altenstadt, Murnau und Mittenwald, betreuen derzeit rund 4400 Soldaten. Bei dem selbstgewählten Motto: „Wir sind da, wo die Truppen sind“, liegt die Vermutung nahe, dass es nach der Schließung des Fliegerhorst in Penzing einen Umzug des Leistungszentrums geben wird.

Als sich mit der Veröffentlichung des Papiers zur Neuausrichtung der Bundeswehr, Ende Oktober, die Reformvorhaben von Verteidi­gungsmi­nister Thomas de Maizière konkretisierten und zum ersten Mal Reduzierungen oder Schließung betroffene Standorte benannt wurden, mag nicht nur so manchem Kommandeur der Atem gestockt haben; bange Minuten gab es vielmehr auch für die Leiter der Bundeswehr-Dienstleistungszentren der Region; Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren, Penzing – alle drei angesiedelt an Standorten, deren Schließung gerade verkündet worden war. Beim Wegfall so vieler Dienstposten im militärischen Bereich war klar, dass die begleitenden zivilen Einrichtungen nicht ungeschoren davonkommen würden. Für einen Moment sah BwDLZ-Leiter Alois Zanker das Damoklesschwert der Schließung auch über seinem Haupt und den Häuptern seiner rund 500 Mitarbeiter schweben. Getroffen hat es dann die „Nachbarn“. Vier Arbeitsbereiche, die jeweils in Teilbereiche untergliedert sind, gibt es in jedem, also auch dem Penzinger, Dienstleistungszentrum. Das ist erstens: Personal/Interne Dienste, mit den Unterbereichen Personalmanagement, Interne Dienste sowie Personal- und Tarifangelegenheiten; zweitens gibt es Aufgaben im Gesamtbereich Finanzen, mit Einzelunterteilungen in Haushalts-Kassen- und Rechnungswesen, Zentrale Rechnungsbearbeitung, KLV-Buchhaltung und Kostenabrechnung. Den dritten großen Arbeitsbereich bildet das sogenannte „Facility Management“, im Genaueren: Liegenschaftsmanagement, Kaufmännisches Management Arbeitssicherheit, Umweltschutz und Technisches Management. Bei der „Logistik und Betreuung“ schließlich geht es um die Gebiete Beschaffung, Bekleidung, Liegenschaftsmaterialverwaltung und Verpflegung. Bundeswehr-Dienstleistungszentren mit dieser Organisationsstruktur gibt es erst seit Anfang 2007. Damals wurden die Aufgaben der früheren Standort- und der Truppenverwaltungen in einer Dienststelle zusammengeführt. Nun also Schritt zwei der Umstrukturierung; wie und selbst wo man sich nach Abwicklung der Reformmaßnahmen wieder finden wird, weiß keiner. Zanker geht davon aus, dass wohl 70 bis 80 Prozent der augenblicklichen Aufgaben im BwDLZ verbleiben werden. Relativ sicher wird das Travelmanagement dem Zentralisierungsbestreben des Verteidigungsministeriums zum Opfer fallen. Aufgelöst wird im Schwange solcher Überlegungen übrigens auch die direkte vorgesetzte Dienststelle des Leistungszentrums, die Wehrbereichsverwaltung Süd, deren Hauptzentrale in Stuttgart ist, mit München, als ihrer Außenstelle. Wichtig für Zanker ist es, so bald wie möglich zu wissen, auf welcher Zeitschiene er die Planungen, insbesondere im Personalwesen aufzubauen hat. „Es wird hier keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, versichert er. „Wir liegen, bezogen auf die Situation, altersmäßig gut; etwa bei durchschnittlich 50 Jahren.“ Da man aber noch nicht wisse, was personell von den Leistungszentren in Kaufbeuren und Fürstenfeldbruck, deren Verwaltungsgebiete man übernehme, komme, spiele es eine außeror­- dentlich wichtige Rolle, ob man von einem Zeitraum bis 2015/16 auszugehen habe, oder ob sich die Planung auf eine Zeit bis 2020/21 beziehe. Noch warten alle Beteiligten gespannt auf die vom Verteidigungsminister für Ende des ersten Quartals 2012 angekündigte Feinausplanung der Reform. Erst nämlich, wenn „alle wissen, wo sie hingehören“, wie von de Maizière angekündigt und klar sei „welche Dienstposten wo vorhanden sind“, könne man zu planen anfangen, sagt Alois Zanker. Für nicht unwahrscheinlich hält Zanker den Umzug des BwDLZ zur Welfenkaserne in ein paar Jahren- ganz Mutter Courage: Immer der Truppe hinterher.

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