Wohnbau Weilheim stellt Nachverdichtungspläne für Peißenbergs Barbarahof vor

Menschen vor Infotafeln
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Stellten die Pläne für die Nachverdichtung des Barbarahofs vor: V. li. Markus Kleinen, Landschaftsarchitektin Mechthild von Puttkamer (Büro „Terrabiota“) und Hannes Rössler. Die rot schraffierten Flächen kennzeichnen die neuen Wohnkomplexe im Barbarahof.

Peißenberg – Vor knapp zehn Jahren hat die „Wohnbau Weilheim“ den Barbarahof in Peißenberg gekauft – mit der Intention, in der ehemaligen Bergarbeitersiedlung weiteren bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Das sorgte zunächst für Gegenwind. Unter der Regie von Altbürgermeister Hermann Schnitzer hatte sich zwischenzeitlich die Initiative „Pro Barbarahof“ gegründet, die sich für den historischen Erhalt des 1951 mit Mitteln des Marshall-Plans erbauten Wohnquartiers einsetzte. 

Trotz erheblicher Hürden durch die Denkmalschutzbehörden blieb die „Wohnbau“ aber hartnäckig – mit Erfolg: Mittlerweile ist das Genehmigungsverfahren angelaufen. Der Baustart ist für Sommer 2021 terminiert.

Bis Herbst 2022 sollen dann zusätzlich zu den 67 Bestandswohnungen für rund neun Millionen Euro drei weitere Wohnkomplexe mit 30 barrierefreien Wohnungen hochgezogen werden – und zwar in nachhaltiger Holzständerbauweise. Im Vergleich zu einem Massivbau soll dadurch der Bauablauf schonender und weniger lärmintensiv über die Bühne gehen.

Die drei neuen Wohnkomplexe werden sich, wie Architekt Hannes Rössler bei einem Infoabend mit Mietern und Anliegern erklärte, in das Gesamtensemble „zurückhaltend einfügen“. Das verwendete Baumaterial soll sich laut Rössler „auf die Holzlegen beziehen“.

Herzstück des Barbarahofs soll weiterhin eine „gemeinschaftliche grüne Mitte“ mit naturnahem Spielplatz sein. Die Parzellen im bestehenden Holzlegenhof werden den Mietern gekündigt. Dort sollen laut „Wohnbau“-Geschäftsführer Markus Kleinen unter anderem eine „gemeinschaftliche Nutzung als Kommunikationszone“ und eine „Mobilitätsstation“ für normale Fahrräder, aber auch Lastenfahrräder, E-Bikes und Scooter, entstehen.

Die Verkehrssituation rund um den Barbarahof ist ein Knackpunkt bei den Planungen. Bei den Anliegern in den Seitenstraßen wie der Gümbel- oder Loristraße ist die Sorge groß, dass die Nachverdichtung den Parkverkehr in den engen Straßen noch weiter erhöht. Doch davon geht man von Seiten der „Wohnbau“ nicht aus. Insgesamt sind 60 oberirdische Parkplätze geplant, die in mehreren Einheiten auf dem Barbarahofgelände verteilt werden.

Die Regelung der gemeindlichen Stellplatzsatzung ist damit erfüllt. Auch verwies Kleinen darauf, dass nicht jeder Mieter ein Auto besitzen würde und nach den Erfahrungen der „Wohnbau“ bereits 45 Stellplätze ausreichen müssten. „Da gibt es aber auch andere Meinungen“, räumte der „Wohnbau“-Chef ein.

Generell soll der Fokus im Barbarahof auf Fußgänger und Radfahrer gelegt werden. Der Autoverkehr soll sich unterordnen und über ein Einbahnstraßensystem geleitet werden.

Auch Car-Sharing soll angeboten werden. Die Verhandlungen mit einem möglichen Betreiber laufen bereits: „Es soll kein Parkhof werden, sondern ein grüner Hof bleiben“, erklärte Rössler beim Infoabend.

Letzterer lief in sachlicher und entspannter Atmosphäre ab. Die Frage, ob das Projekt wirklich notwendig ist, beantwortete Bürgermeister Frank Zellner (CSU) mit „einem ganz klaren Ja“. Im Peißenberger Rathaus liegen aktuell 240 Anfragen für sozial geförderte Wohnungen vor. „Wir unterstützen das Projekt sehr“, betonte Zellner – und: „Es handelt sich um ein innovatives Konzept, das auf die Tradition Rücksicht nimmt.“

Auch Andrea Jochner-Weiß (CSU) ließ an der Notwenigkeit der Nachverdichtung keinen Zweifel: „Bezahlbarer Wohnraum ist gesuchter und wichtiger denn je. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, so einen Grund nicht zu nutzen, auch wenn er wunderbar ist“, so die Landrätin.

Von Bernhard Jepsen

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