Bauern in der Krise

Auch auf den Agrar- und Holzmärkten sind die Auswirkungen der Wirtschaftskrise unübersehbar. Irmgard und Hubert Pentenrieder, die eine Landwirtschaft in Fischen betreiben, bekommen diese Folgen selbst zu spüren. Bei einem Pressegespräch des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) stellten sie ihren Hof vor. Anwesende Vertreter des Verbandes erläuterten dabei ihre derzeitige Lage.

„Die Lebensmitteleinzelhändler missbrauchen ihre marktbeherrschende Stellung und drücken die Preise immer weiter nach unten“, klagt Wolfgang Scholz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Kreisverband Weilheim-Schongau. Alle Betriebe seien von dieser Preisschlacht betroffen, die Rinder-, Schweine- und Ackerbauern im Landkreis, vor allem aber die Milchviehbetriebe. Der Preisverfall bei den landwirtschaftlichen Produkten lässt das Einkommen der Bauernfamilien gewaltig sinken. Dazu kommt noch, dass im vergangenen Jahr die Kosten für Energie und Düngemittel steil angestiegen sind. Als „modernes Raubrittertum“ bezeichnet Scholz die Preisdruckspirale der Ernährungsindustrie und der Discounter. Man raube den Bauern die mit harter Arbeit erzeugten Lebensmittel und verkaufe sie zu Spottpreisen. „Der Einsatz von billigem Palmfett anstelle von Milchfett führt zu einem Rückgang der Nachfrage. Der so genannte Analogkäse, wie andere Ersatzprodukte auch, verdrängt die Milch langfristig vom Markt“, sagt Kreisbäuerin Silvia Schlögl. Die Verbraucher würden jedoch nicht ausreichend informiert, was sie eigentlich kaufen, denn die Produkte seien kaum oder gar nicht gekennzeichnet. Hier fordert Schlögl klare Vorschriften zur Kennzeichnung. „Der Verbraucher soll auf den ersten Blick erkennen können, ob ein Produkt echte Milch oder eine Simulation enthält. Nur so kann er bewusst entscheiden.“ Es könne nicht sein, dass Lebensmittel heute weniger wert sind, als noch vor 50 Jahren. Durch die ruinöse Preissituation der Land- und Forstwirtschaft sei auch im Landkreis Weilheim-Schongau jeder siebte Arbeitsplatz bedroht. „Ich möchte an die Politik appellieren, endlich etwas zu tun und nicht immer nur zu reden. Es müssen Nägel mit Köpfen gemacht werden“, fordert Scholz. „Zur Liquiditätssicherung müssten alle Betriebe im Juli einen Vorschuss von mindestens der Hälfte ihrer europäischen Ausgleichszahlungen erhalten“, sagt Scholz. Dieser Kostenausgleich für die hohen europäischen Produktionsstandards werde normalerweise erst im Dezember vollständig ausbezahlt. „Das macht zwar die Erlöseinbußen nicht wett, doch es wäre ein mutmachendes Signal an unsere Betriebe und würde ihnen direkte finanzielle Unterstützung ermöglichen“, erklärt Scholz. Eine Erleichterung beim Agrardiesel vereinbarten die Regierungskoalitionspartner in Berlin vor kurzem. Die seit 2005 bestehenden Beschränkungen bei der hohen Besteuerung des Kraftstoffes, der so genannte Selbstbehalt, werden für die nächsten zwei Jahre aufgehoben. „Hier zahlt sich der Einsatz des Bauernverbandes für eine Kostenentlastung bei allen Betrieben aus“, zeigt sich Scholz optimistisch. „Damit gibt es im Landkreis Weilheim-Schongau bei etwa 1800 Betrieben eine erste spürbare Entlastung.“ In der Region erhalten 800 kleinere und Nebenerwerbsbetriebe eine Steuerrückerstattung beim Agrardiesel. „Das ist immerhin ein wichtiger Teilerfolg“, sagt Scholz.

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