Politik beim Frühstück

Bauernverband im Gespräch mit Bundestagswahl Direktkandidaten

Politikerfrühstück Marnbach
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Zum politischen Frühstück trafen sich in Marnbach (v.li.:) Monika Blum, Martina Höck, Maria Lidl, Anna Hindelang, Christine Singer (Kreisbäuerin Garmisch-Partenkirchen), Elisabeth Schretter, Angelika Welz, Alexander Dobrindt (CSU), Anita Weber, Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Angelika Karg, Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski (Grüne), Lisa Krötz, Christine Sulzenbacher (Kreisbäuerin Weilheim-Schongau).
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Marnbach – Der Wahlkampf ist in vollem Gange und auch der Bayerische Bauernverband nutzte kürzlich die Chance, Fragen an die Direktkandidat*innen für die Bundestagswahl zu stellen.

In malerischer Umgebung fühlte es sich für die drei Kandidaten, die sich die Zeit nahmen, um den Bäuerinnen Rede und Antwort zu stehen, wohl kaum nach Wahlkampf an. Denn auf dem Wieshof verwöhnte Hausherrin Elisabeth Doll ihre Gäste mit einem reich gedeckten Buffet mit regionalen Schmankerln. Nach der ersten Frühstücksrunde war dann aber doch die Politik dran.

„Landwirtschaft ist in aller Munde und wir wollen, dass es uns weiter gut geht“, leiteten die beiden Kreisbäuerinnen Christine Sulzenbacher (Weilheim-Schongau) und Christine Singer (Garmisch-Partenkirchen) ein. Der Austausch mit der Politik sei daher besonders wichtig. Singer betonte, dass auf den Höfen in der Region heute nicht mehr das frühere Credo „Kinder, Küche, Kirche“ gelte, sondern die Bäuerinnen die Betriebe inzwischen gleichberechtigt mit den Männern entwickeln würden. Daher waren zu dem Treffen auch ausschließlich die Landwirtinnen gekommen. „Uns drücken die Themen. Wir wollen wissen, ob es unsere Betriebe bald noch gibt“, erklärte Singer.

Die elf angereisten Frauen trugen ihre Sorgen und Wünsche vor und die Politiker antworteten, so gut sie konnten. Ein Heimspiel war es für Alexander Dobrindt (CSU), der sich selbst als „leidenschaftlichen Frühstücker“ einführte und der mit vielen der Landwirtinnen bereits per Du war. Bei Fragen um aktuelle Regelungen und Förderungen konnte er ganz klar seinen Joker als langjähriger Mandatsträger ausspielen und Hilfe bei Problemen versprechen.

Die ehemalige Garmischer Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) konnte ebenfalls aus ihrem Erfahrungsschatz schöpfen. Als Kreisrätin hatte sie auch zu aktuellen Entscheidungen Fachwissen parat.

Etwas schwieriger war es für Grünen-Kandidatin Elisabeth Löwenbourg-Brzezinski, die als Politikneuling gleich gestand: „Ich bin beim Thema Landwirtschaft wohl die Fachfremdeste hier.“ Dennoch stellte sie sich souverän den Problemen der Anwesenden und bemühte sich, praktikable Lösungen zu finden.

Dies war angesichts der sehr spezifischen Themen aus dem landwirtschaftlichen Bereich für alle Politiker nicht immer einfach. Zunächst ging es zum Beispiel um Verkaufsrecht, Erbschaftssteuer, Flächenverbrauch und den Ausbau von Häusern im Außenbereich. Dobrindt versprach, sich einen speziellen Fall, in dem es um einen Umbau geht, anzusehen, denn solche Maßnahmen „nehmen den Druck von den Städten“. Meierhofer war der Meinung, „Landwirtschaft muss ohne Abstriche weitervererbt werden können“.

„Wir versorgen die Bevölkerung mit Lebensmitteln, aber was auf uns zukommt, ist nicht mehr leistbar“, prophezeite Singer eine düstere Zukunft. „Es steht die regionale Versorgung mit Lebensmitteln auf dem Spiel“, warnte sie ob der immer strengeren Auflagen, die vor allem der jüngeren Generation die Lust nehmen würden, die Höfe weiterzuführen. „Wir stehen dem Lebensmittelhandel machtlos gegenüber“, sagte sie und rannte mit diesem Statement bei Löwenbourg-Brzezinski offene Türen ein. „Wir müssen die Macht der vier großen Lebensmittelhändler brechen“, sah die Grünen-Kandidatin dies als wichtigsten Schritt in diesem Bereich.

Weiter ging es mit den erneuerbaren Energien, zu denen die Vertreter der Parteien heftig diskutierten – unter anderem zu den Themen Biogas, Photovoltaik und Verkehr. Löwenbourg-Brzezinski und Maierhofer waren sich im letzten Punkt einig, Alternativen zum Auto schaffen zu wollen. Dobrindt war hingegen der Ansicht, in die Schiene werde genug investiert und pochte auf die Wichtigkeit der Straße, auf der er sich jedoch neue Arten von Antrieben in den Fahrzeugen vorstellen könne.

Konsens herrschte bei allen drei Bundestagswahlkandidaten im Hinblick darauf, den Fortbestand der regionalen kleinbäuerlichen Strukturen zu unterstützen. Dobrindt meinte: „Wir müssen das Wirtschaften ermöglichen und die Zukunft für die nächste Generation in der Landwirtschaft sichern.“ Maierhofers Fazit: „Wir müssen die Wertschätzung der Lebensmittel verbessern. Da hängen viele der Probleme dran.“ Löwenbourg-Brzezinski hatte einen ähnlichen Ansatz: „Wir müssen die großen Rahmenbedingungen fair gestalten. Es soll dem Boden, den Tieren und den Bauern gut gehen.“

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