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Bauernverband kritisiert Flächenversiegelung

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Von: Bernhard Jepsen

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Schaubild Flächenversiegelung
Parkplätze statt Grünland: So darf es nach Meinung des Bauernverbands nicht weitergehen. Er fordert einen Stopp des ungezügelten Flächenentzugs. © Schaubild: BBV

Landkreis – Der Bayerische Bauernverband (BBV) schlägt Alarm. Unter dem Motto „Stoppt den Flächenentzug – Unseren bayerischen Boden schützen“ prangert die Lobbyvertretung den „ungebremsten Flächenfraß“ an.

In Bayern wurden 2020 der Land- und Forstwirtschaft im Durchschnitt 11,6 Hektar an Nutzflächen entzogen – pro Tag. Ziel der bayerischen Staatsregierung ist es eigentlich, den Flächenverbrauch bis 2030 auf fünf Hektar pro Tag zu senken. Von dieser Richtmarke ist man also noch weit entfernt – sehr zum Unmut des Bauernverbands. „Bislang kommen von der Politik nur Lippenbekenntnisse“, bedauerte Kreisbäuerin Christine Sulzenbacher im Rahmen eines Pressegesprächs. BBV-Kreisobmann Wolfgang Scholz appellierte bei dem Online-Meeting, mit „Fläche als knappes Gut“ wesentlich bedachter und sparsamer umzugehen. Landwirtschaftliche Böden seien Kohlendioxidspeicher und Garant für sauberes Grundwasser. Zudem müsse man bedenken, dass Deutschland ein Lebensmittel-Importland sei: „Es ist daher unsinnig, der Landwirtschaft weitere Flächen zu entziehen.“

Ähnlich äußerte sich Thomas Müller, der Leiter der BBV-Geschäftsstelle in Weilheim: „Es brennt uns unter den Nägeln. Die Situation ist dramatisch.“ Auch im Landkreis Weilheim-Schongau schreitet die Flächenversiegelung voran. Laut Statistiken des BBV gingen in der Region von 1988 bis 2020 der Landwirtschaft etwa 2 920 Hektar an Wäldern, Äckern und Wiesen verloren. 2020 betrug die Gesamtnutzfläche damit nurmehr knapp 50 000 Hektar. Tendenz weiter fallend.

Was der BBV als konkreten Maßnahmenkatalog gegen die Flächenversiegelung fordert? Unter anderem ein Umdenken von Kommunen und Planern bei Wohnbau- und Infrastrukturprojekten. Trotz des massiven Flächenentzugs, so die Ansicht des BBV, sei in der Vergangenheit die Knappheit von Wohnraum nicht beseitigt worden. Es müssten daher innovativere und nachhaltigere Lösungen entwickelt werden.

Der BBV pocht auf „flächenschonendes Bauen“ – und zwar fokussiert auf die Innenverdichtung von Städten und Gemeinden. Statt in die Breite sollte mehr in die Höhe beziehungsweise Tiefe (zum Beispiel Tiefgaragen statt Flächenparkplätze) gebaut werden. Scholz spricht allgemein von „komprimierterem Wohnen“. Auch müsse die Umwandlung von landwirtschaftlichen in ökologische Flächen als Kompensationsmaßnahmen bei Bauprojekten gestoppt werden.

Aber sind die Landwirte nicht zum Teil auch selbst schuld an der zunehmenden Flächenversiegelung? „Als Bauernvertreter muss ich sagen, dass wir mit dem Thema sensibler umgehen müssen“, gab Scholz beim Pressegespräch zu. „Es gibt sicher Bauern, die verkaufen ihren Grund auch gerne.“ Das sei aber nicht die Regel. Immer mehr Landwirte seien nur Pächter der Flächen. Die Grundstücke würden oft von nachfolgenden Besitzergenerationen gehalten, die keine Landwirtschaft mehr betreiben. Und die Verpachtung, so Scholz, sei eben nicht so attraktiv wie der Verkauf: „Da geht es um Wahnsinnsvermögenswerte.“ Die Pachtverträge seien zudem meist nur mit kurzen Laufzeiten abgeschlossen. Auch der Verlust der Ackerrechte sei ein Problem. Scholz verwies als konkretes Beispiel auf den Neubau der Berufsschule in Weilheim am Narbonner Ring. Dort befand sich früher Ackerland, das von einem Bauern gepachtet wurde. Mit der Vertragskündigung waren allerdings auch die Ackerrechte weg. Der Grund: Ein Flächentausch wäre nur möglich gewesen, wenn die Ursprungsfläche fünf Jahre lang als Grünland genutzt worden wäre. Das Kriterium wurde im konkreten Fall aber nicht erfüllt.

Und wie schaut es mit der Versiegelung durch die Errichtung von Aussiedlerhöfen und Stallbauten aus? Scholz räumt bei dieser Frage einen „Zielkonflikt“ ein. Allerdings: Durch das drohende Verbot der Anbindehaltung zwinge die Politik die Landwirte zum Handeln.

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