Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz informiert sich über Leistungen der„Schutzgemeinschaft Ammersee“. 

Hoher Besuch im Raistinger Rathaus

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Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz informierte sich persönlich, wie hier Partnerschaften im Naturschutz funktionieren. V.li. Projekt-Koordinator Dr. Wolfgang Hug vom WWF, Bürgermeister Martin Höck, Prof. Beate Jessel vom BfN und Reinhard Grießmeyer von der Schutzgemeinschaft Ammersee.

Raisting – So bedrückend die täglichen Hiobsbotschaften vom Amazonas sind, so wichtig seien auch Erhalt und Verbesserung der biologischen Vielfalt in der Region vor unserer Haustüre. Damit begründete Prof. Beate Jessel, seit 2007 Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, ihren Besuch in Raisting.

Im Rahmen der Kampagne „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ wollte sie sich persönlich vom Sachstand und von den Leistungen der „Schutzgemeinschaft Ammersee“ überzeugen. Unter der Leitung von Reinhard Grießmeyer gehört sie zu den Partnern dieses einmaligen Verbundprojektes.

Neben der Präsidentin konnte Raistings Bürgermeister Martin Höck auch Projektleiter Dr. Wolfgang Hug begrüßen, der von Weilheim aus die einzige bayerische Außenstelle des WWF (World Wide Found For Nature) leitet und die Verbundpartner koordiniert. Seinen einführenden Worten im Sitzungssaal des Rathauses lauschten auch Mitarbeiter seines operativen Teams wie Harald Jungbold, Birgitt Kopp, Fabian Unger, Stefan Ossyssek und Sigrun Lange sowie von der Schutzgemeinschaft Ammersee Reinhard Grießmeyer, Markus Layritz und Helene Falk.

Zuvor hatte Höck seine Gemeinde vorgestellt: 2 300 Einwohner, 2 200 Hektar Fläche, 50 Störche, vier Dutzend Antennen, umgeben von FFH-Schutzgebieten (Fauna-Flora-Habitat). Mit viel Fingerspitzengefühl sei es gelungen, Natur, Landwirtschaft und Technik unter einen Hut zu bringen. Er freue sich, dass die aktuelle Verbundaktion das bislang umfangreichste aller im BfN-Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ geförderten Projekte sei.

„Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist eine der größten Herausforderungen im Naturschutz“, betonte Präsidentin Beate Jessel. Es gelte, die Sünden von gestern wieder gut zumachen: Viele Flüsse wurden begradigt und eingedeicht für Energiegewinnung, Hochwasserschutz und Schaffung von Landwirtschafts- und Siedlungsflächen. „Dafür braucht es Projekte wie die Alpenflusslandschaften, die sich nicht nur Gleichgesinnte im Naturschutz suchen, sondern übergreifend denken und handeln, die unterschiedlichste Interessengruppen zusammenbringen und vertrauensvolle Partnerschaften eingehen.“ Das werde in den „Alpenflusslandschaften“ mit einer Reihe konkreter Maßnahmen umgesetzt. Mit vereinten Kräften setze man sich dafür ein, Flussabschnitte zu renaturieren sowie typische Tier- und Pflanzenarten mit Pflege- und Besatzmaßnahmen zu fördern. Im Einzugsgebiet der Ammer werden Seeforelleneier und -brütlinge ausgebracht, um den Bestand dieser stark gefährdeten Art wieder aufzubauen. Andere Maßnahmen haben die Renaturierung von Lebensräumen zum Ziel. So werden am Südende des Ammersees von der Schutzgemeinschaft Kleingewässer unterschiedlicher Größe angelegt. Damit schafft man ein Paradies für Laubfrösche, Bekassinen oder die Sibirische Schwertlilie.

Unter fachkundiger Führung von Grießmeyer gab es Einblick in die praktische Arbeit der Schutzgemeinschaft Ammersee, die derzeit an der Unteren Ammer geleistet wird. Durch die Neuanlage und Vernetzung von Kleingewässern werden Lebensräume bedrohter Arten der FFH-Gebiete, des Ramsar-Schutzgebietes Ammersee sowie der Vogelfreistätte Ammersee-Südufer aufgewertet und die biologische Vielfalt nachhaltig gesichert. Die Region zwischen Ammersee und Zugspitze gilt als einer von 30 Hot-

spots der biologischen Vielfalt in Deutschland.

Das Finanzvolumen der Gesamtaktion „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ beläuft sich auf 5,89 Mio. Euro, das Bundesumweltministerium fördert die Aktion mit 4,33 Mio. Euro. Gefördert wird das Projekt im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ durch das Bundesamt für Naturschutz. Der Freistaat Bayern unterstützt es mit 890 000 Euro aus dem Bayerischen Naturschutzfonds. Den Rest stemmen die Projektpartner aus Naturschutz, Verwaltung, Wirtschaft, Sozialbereich. Schutzgemeinschaft-Vorsitzender Grießmeyer dankte der BfN-Präsidentin, dass sein Verein aus diesem Topf einen Anteil bekommt, ohne den die umfangreichen Tätigkeiten nicht möglich wären.

Von Dieter Roettig

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