Begleiten auf dem letzten Stück Weg - 20 Jahre Hospizverein, zehn Jahre stationäres Hospiz Polling – Festabend am Freitag

Sterben als einen Teil des Lebens akzeptieren. Schwester Angela Kirchensteiner (re.), treibende Kraft der Hospizarbeit im Landkreis, beim Austausch mit dem Leiter des stationären Hospiz, Karlheinz Gaisbauer, und Vereinsvorsitzender Renate Dodell. Foto: Hofstetter

Das Zimmer ist lichtdurchflutet. Vom Gang her klingt leise Musik. Aus dem Klostergarten schallt fröhliches Kinderlachen herauf in den zweiten Stock. Neben dem Pflegebett reckt sich eine Sonnenblume. Ein Ort zum Rasten, Kraft schöpfen, Abschied nehmen. In das stationäre Hospiz nach Polling kommen Menschen, die am Ende ihres Lebensweges angekommen sind.

Leben bis zuletzt und in Würde sterben ist ein zentrales Anliegen, dem im Hospiz des Klosters Rechnung getragen wird. Bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus, wie ein Buch zeigt, dessen Seiten Pflegende und Angehörige der hier Verstorbenen liebevoll gestaltet haben. Die Nachfrage nach hospizlicher Begleitung wächst und wird im Zuge des demografischen Wandels zur großen Herausforderung des Gesundheitswesens. 136 Gäste, als solche werden die todkranken Patienten aufgenommen, wurden im vergangenen Jahr im Hospiz betreut. Mit knapp 2 900 Belegungstagen ergibt dies bei acht Betten und zwei Zusatzbetten eine Auslastung von 98 Prozent. Die Verweildauer im Hospiz beträgt zirka 21 Tage, „differenziert jedoch stark“, wie dessen Leiter Karlheinz Gaisbauer berichtete. Zwei Jubiläen 20 Jahre Hospizverein im Pfaffenwinkel e.V. und zehn Jahre Stationäres Hospiz in Polling: Bei einem Festabend am Freitag, 15. Juni, mit 300 geladenen Gästen im Historischen Bibliothekssaal, wird Bayerns Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber die Festrede halten. Der Vorsitzenden des Hospizvereins im Pfaffenwinkel, Renate Dodell, ist es wichtig, die Arbeit des Vereins und ihrer unermüdlichen Initiatoren bekannter zu machen, neue Mitglieder und Förderer zu gewinnen. Denn der Kostendruck ist enorm, wie Dodell bei einer Führung durch die Station hervorhob. Jede Spende ist willkommen Der Aufenthalt im Hospiz Polling, einem von zwölf Hospizstationen in Bayern, wird finanziell größtenteils von den Kranken- und Pflegekassen getragen. Zehn Prozent des Tagessatzes muss der Verein, der aktuell 720 Mitglieder zählt, aufbringen. Dodell äußerte sich zum „zähen Ringen mit den Kranken- und Pflegekassen“ und zeigte sich erleichtert, dass der „seit Mitte 2010 unveränderte Pflegesatz nun um elf Prozent angehoben“ wird. Um den hohen Standard im Hospiz halten zu können, stemmt der gemeinnützige Verein derzeit über 20 Prozent der Kosten, erklärte Dodell. Diese können nur mit Hilfe von Spenden und Erbschaften gedeckt werden. „Pro Jahr sind dies über 200 000 Euro. Wir sind auf das Geld angewiesen“, äußerte sich Dodell besorgt und sprach notwendige Renovierungen und Erweiterungen in der Station an. So müssen Küche, Bad und EDV erneuert und zusätzlich angemietete Räume eingerichtet werden. Nachdem der Mietvertrag für das Hospiz mit dem Kloster verlängert wurde, ist der Standort Polling nach Aussage Dodells „langfristig gesichert“. Mit den Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten kann noch im Herbst begonnen werden. Ganzheitliche Pflege Das Pflegekonzept im Pollinger Hospiz umfasst eine 24 Stunden-Betreuung für Menschen, die nicht mehr in ihrem vertrauten Umfeld versorgt werden können. Der Gast, für den es keine Heilung mehr gibt, geht hier den letzten Schritt seines Weges, begleitet von examiniertem Personal und ehrenamtlichen Hospizhelfern. In den hohen Räumen des Klosters findet er besondere Zuwendung und Geborgenheit. „Der Sterbende“, formuliert es Hospizleiter Gaisbauer in der Festschrift des Vereins, „soll in der Endphase seines Lebens nicht alleingelassen werden.“ Im Hospiz wird auf seine Bedürfnisse und Wünsche ebenso einfühlsam eingegangen wie auf die Ängste und Trauer der Angehörigen. In einer Atmosphäre, die den Tod als einen Teil des Lebens akzeptiert.  Der friedliche und frohe Geist in der Pollinger Herberge auf Zeit überraschte eine angehende Hospizhelfern. „Sie war ganz erstaunt, dass bei uns so viel gelacht wird“, erinnert sich Gaisbauer. Halt geben Mehr als 17 000 Stunden ambulante Hospizarbeit haben die 130 ehrenamtlichen Helfer vergangenes Jahr im Pfaffenwinkel geleistet und 362 schwerstkranke Menschen begleitet. Dies geht aus dem Bericht hervor, den Schwester Angela Kirchensteiner bei der Jahresversammlung des Hospizvereins im Pfaffenwinkel vorgelegt hat. Den Großteil dieser Zeit, über 12000 Stunden, verbrachten die in acht Gruppen organisierten Hospizhelfer am Krankenbett bei den Patienten zu Hause oder bei den Gästen im stationären, überkonfessionellen Hospiz in Polling, auch in Form von Nachtdiensten. 5000 Stunden wurden für Fortbildung, Organisation und Öffentlichkeitsarbeit erbracht. „Die ehrenamtlichen Helfer sind neben den 28 hauptamtlichen Mitarbeitern in der Hospizstation und im ambulanten Bereich das Rückgrat unseres Vereins und unserer Arbeit“, zollt ihnen die Vorsitzende Renate Dodell Respekt.

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