Behindertenbeirat: "Mit Maßnahmen für Radfahrer ist uns nicht geholfen"

+
Der Vorstand vorne v. li.: Gabi Zwiekopf und Christine Kuisel sowie hinten v.li. Hans Biehler, Michaela Reigl, Irmgard Hof, Peter Pabst und Barbara Niese.

Eberfing/Landkreis – Zehn Jahre ist es her, dass die UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet wurde. Dies nahm der Beirat für Menschen mit Behinderung im Landkreis zum Anlass, am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung über Erreichtes, Verfehltes und Zukunftsperspektiven zu informieren.

Eberfing/Landkreis – Zehn Jahre ist es her, dass die UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet wurde. Dies nahm der Beirat für Menschen mit Behinderung im Landkreis zum Anlass, am internationalen Tag der Menschen mit Behinderung über Erreichtes, Verfehltes und Zukunftsperspektiven zu informieren.

„Ein kritischer Blick auf die Geschehnisse ist aus Sicht der Selbstvertretung dringend nötig“, so die erste Vorsitzende Christine Kuisel, die mit Vorstandskollegen nach Eberfing zum Pressegespräch geladen hatte.

Geschäftsführer Peter Pabst gab einen kurzen historischen Überblick. So entstand der Beirat aus einem Arbeitskreis professioneller Anbieter für Behindertenarbeit wie Wohlfahrtsverbände, Werkstätten und ähnliche. Ziel war es, eine Vernetzung der Dienstleister mit Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Betroffenen zu schaffen.

„Viele Belange der Behinderten sind für Außenstehende nicht sofort nachvollziehbar. So benötigt der Rollstuhlfahrer abgesenkte Bordsteinkanten, während der Sehbehinderte die Kante dringend zur Orientierung braucht“, verdeutlichte Pabst. „Wir verstehen uns als Motor von Entwicklungen, die bestmöglichen Lösungen zu erarbeiten.“

Mit Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention und den daraus resultierenden Behindertengleichstellungsgesetzen im Bund und in Bayern wurde eine Planung für den Landkreis nötig. Auf Betreiben des Behindertenbeirats wurde ein „Teilhabeplan“ erarbeitet, der Modellcharakter für ganz Bayern hat. Die Finanzierung übernahm der Bezirk Oberbayern, wissenschaftlich begleitet wurde das Projekt von der Universität Siegen. „Wir haben uns bewusst entschieden, die Anfänge der Umsetzung als Beobachter zu begleiten“, so Pabst. Nun jedoch wolle sich der Beirat neu ausrichten und aktiv in die Projekte in den Bereichen Kultur, Arbeit, Freizeit und Wohnen eingreifen, da die Bilanz der letzten zehn Jahre zeige: „Es warten riesige Aufgaben!“

Als positiv wertet Christine Kui-sel, dass ein Teilhabebeirat als Kreisgremium eingerichtet wurde und viel Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung stattgefunden hat. Auch die Aufstockung der Stundenzahl für die Behindertenbeauftragte des Landkreises, Katharina Droms, die auch Geschäftsführerin des Teilhabebeirats ist, wertet Kuisel als Gewinn. Zudem sei das Netzwerk der gemeindlichen Behindertenbeauftragten, die es mittlerweile in allen Kreisgemeinden gibt, sehr gut. „Für die Glaubwürdigkeit wäre es aber schön, wenn dies auch ein Mensch mit Behinderung wäre“, sagt die Vorsitzende.

Manche Entwicklungen liefen aber in die falsche Richtung. „Früher hatten wir Arbeitskreise, die von Betroffenen geleitet wurden. Doch durch das politische Interesse, dies selbst zu machen, ist in einigen Bereichen Stillstand eingekehrt“, erläutert Peter Pabst. So liegt der AK Barrierefreiheit brach. Hier gäbe es durch Einbindung des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes viele Impulse, etwa was die Ausgestaltung von Straßen anbelangt. „Da macht jede Gemeinde etwas anderes, obwohl der korrekte Straßenausbau mit entsprechenden Elementen für Sehbehinderte und Blinde von lebenswichtiger Bedeutung ist“, so der Geschäftsführer. Auch im Planungshandbuch des Landkreises ist der Behindertenbeirat nur bei einem von zehn Bereichen als Ansprechpartner benannt. Zudem sieht er die Problematik, dass manche Dienstleister kein wirkliches Interesse zeigen, behinderte Menschen in den ersten Arbeitsmarkt zu bringen: „Da fehlen dann die Leistungsträger in den eigenen Werkstätten“, so Pabst.

Für die Zukunft will der Behindertenbeirat neu durchstarten und sich wieder stärker einbringen. So etwa bei der schulischen Inklusion, deren Ziel echte Chancengleichheit sein soll. „Das gelingt aber nur, wenn die erforderlichen Mittel etwa für Zweitlehrer bereitgestellt werden“, betont Kuisel. Zu diesem Zweck sollen eine neue Satzung für den Beirat erstellt und Arbeitskreise reaktiviert werden. Auch Informationsveranstaltungen zu alternativen Angeboten und neuen Möglichkeiten sowie eine wissenschaftliche Auswertung der Teilhabeplanung stehen auf der Wunschliste.

Zur Kommunalwahl soll es eine Podiumsdiskussion mit den Landratskandidaten geben. Mit den Gemeinden hat man unterschiedliche Erfahrungen gemacht. „Penzberg ist immer auf uns zugekommen in den letzten 20 Jahren“, sagt Pabst. „Hier wurde immer die intelligenteste Lösung umgesetzt, auch wenn dies oft sehr kostenintensiv war, wie beim Ausbau der Innenstadt.“ Auch in Schongau sei man gut eingebunden worden, ärgerlich war für Christine Kuisel, selbst Peitingerin, der aus Sicht des Beirats misslungene Kreisverkehrbau in Peiting.

In Weilheim findet man oft kein Ohr für die Belange der Menschen mit Behinderung, wie in dem Pressegespräch berichtet wurde: „Da hören wir dann von der Stadt ‚wir tun ja ohnehin so viel‘, aber mit Maßnahmen für Radfahrer ist uns nicht geholfen“, fand Pabst kritische Worte.

Von Bianca R. Heigl

Auch interessant

Meistgelesen

Markt Murnau ehrt Jubilare
Markt Murnau ehrt Jubilare
Vasja Legiša gibt nach zehn Jahren musikalische Leitung des Kammerorchesters ab
Vasja Legiša gibt nach zehn Jahren musikalische Leitung des Kammerorchesters ab
Bürgermeister-Kandidat Zellner bei CSU-Neujahrsempfang im Mittelpunkt
Bürgermeister-Kandidat Zellner bei CSU-Neujahrsempfang im Mittelpunkt
300 Euro für den Kinderschutzbund Weilheim
300 Euro für den Kinderschutzbund Weilheim

Kommentare