Auflehnung am Hochbehälter

Behördenfunkanlage in Murnau: Protestschreiben flattern ins Rathaus

Straßenschild mit der Aufschrift Maria-Antonien-Weg
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Am Maria-Antonien-Weg soll eine provisorische Anlage für den digitalen Behördenfunk Platz finden. Ob dort auch der dauerhafte Funkmast errichtet wird, ist noch offen. Ein Standortgutachten für Behördenfunkmasten wurde von der Marktgemeinde in Auftrag gegeben.

Murnau – Sicherlich, Schönheit liegt im Auge des Betrachters – und dieses ist bekanntermaßen subjektiv. Doch vermutlich nur wenige Augen werden in einem Funkmast etwas Ästhetisches entdecken. Eine solche Anlage für den digitalen Behördenfunk soll nun in Murnau einen Platz finden, zunächst provisorisch als mobile Anlage am Maria-Antonien-Weg. Anwohnern scheint aber ein solcher Funkmast auch keine Schönheit fürs Auge, sondern vielmehr ein großer Dorn im Auge zu sein. Davon zeugen Protestbriefe und der Besuch besorgter Murnauer in der Marktgemeinderatssitzung.

Dass ein provisorischer Funkmast für den digitalen Behördenfunk am Hochbehälter-Areal am Maria-Antonien-Weg Platz finden soll, ist eigentlich schon beschlossene Sache. Zumindest der Murnauer Gemeinderat hat sich mehrheitlich dafür ausgesprochen. F Dann müssen die Anwohner mit einem voraussichtlich rund 20 Meter hohen Mast leben.  Auch als dauerhafter Standort steht das Areal zur Debatte. Und das sorgt scheinbar für reichlich Sorgen unter einigen Anrainern. „Die Anwohner am Maria-Antonien-Weg wurden überhaupt nicht informiert, geschweige denn berücksichtigt“, beklagt Werner und verweist darauf, dass im Umkreis von rund 250 Meter etwa 300 bis 400 Menschen betroffen seien. Und der Anwohner lässt seinen Blick weiter schweifen und entdeckt dabei noch eine Kindergrippe sowie ein Seniorenwohnheim im betroffenen Umfeld.

Aus dem Rathaus heißt es derweil, dass die Bürgerinformation „bei Standortfragen zum Mobilfunk immer nach dem gleichen System abläuft“. Als erstes werde ein Standortgutachten in Auftrag gegeben. Liegt das Gutachten, bei dem die Beurteilung der Emissionen von zentraler Bedeutung sein soll, vor, so erfahren die Murnauer, „welche Standorte untersucht wurden und weshalb die Wahl auf einen bestimmten Standort gefallen ist“, erklärt Rathauspressesprecherin Annika Röttinger.

Protestschreiben an den Bürgermeister

So lange will man am Maria-Antonien-Weg nicht warten. Als die Anwohnerschaft aus der Presse erfahren habe, welche Pläne die Marktgemeinde verfolge, sei diese „aktiv“ geworden „und es wurden viele einzelne Protestbriefe an Bürgermeister Beuting und Gemeinderat verschickt“, berichtet Werner. In einem Schreiben an den Rathauschef und den Gemeinderat, das Werner an die Anwohner verteilte, treten vielerlei Sorgen zutage, unter anderem werden eine „zusätzliche, in der Höhe nicht abschätzbare Belastung der Anwohner mit elektromagnetischer Strahlung“, eine massive landschaftliche Beeinträchtigung der Umgebung sowie eine Wertminderung der umliegenden Immobilien befürchtet. Und es wird die Frage aufgeworfen, warum die Errichtung der Anlage nicht auf existenten Industrieflächen, darunter ein Areal am Bahnhof, eine Fläche an der Polizeiinspektion oder ein Grundstück am Unfallklinikum, realisierbar sei. Das Schreiben endet mit der Bitte, „vom Provisorium als auch vom Standort Maria-Antonien-Weg Abstand zu nehmen“.

In einem zweiten Protestbrief an Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) finden sich aufgelistet die Erwartungen der Anwohner. Erwartungen, die auf sachliche Information, etwa in Hinblick auf die Bedarfsanalyse, alternative Lösungen, die Emissionsbelastung, die potenzielle spätere Aufrüstung der Anlage sowie die Abstände zu den bebauten Bestandsflächen, ausgerichtet sind. Letztere, also die Abstände, seien nämlich nicht gerade groß, zwischen dem Funkmast und dem nächsten Wohnhaus würde im Falle einer Realisierung ein Abstand von lediglich 40 Metern bestehen, „dann folgen circa 30 Häuser mit 100 bis 200 Meter Abstand“, so Werner. Das Schreiben schließt mit dem Wunsch nach einem „transparenten und nachvollziehbaren Auswahlprozess“. Werner betont, dass „der Protest von vielen Anwohnern getragen wird“, und zählt als Beleg dafür ein paar Namen auf.

Briefe werden gesammelt

Viele Leser scheinen die Briefe im Rathaus erst einmal nicht gefunden zu haben, geht es jedenfalls nach Werner, der sagt, dass „nach unseren Informationen die Protestschreiben den Mitgliedern des Gemeinderates nicht zugänglich gemacht wurden.“ Dafür gibt es jedoch eine simple Erklärung. „Die einzelnen Rückmeldungen aus der Bürgerschaft werden von uns gesammelt und im Rahmen einer Verwaltungsvorlage bei der erneuten Beratung des jeweiligen Themas in den Gremien des Gemeinderats dem selbigen vorgelegt“, so die Begründung aus dem Rathaus. Ehe diese Vorlage erfolgt, muss aber aller Voraussicht nach erst einmal das Standortgutachten abgewartet werden. Im Rathaus verweist man außerdem noch darauf hin, dass jeder die Möglichkeit habe, „sich jederzeit direkt an die Mitglieder des Marktgemeinderates zu wenden“, so Röttinger, die auf die entsprechenden Kontaktdaten auf der Webseite der Marktgemeinde verweist.

Eine persönliche Antwort von Bürgermeister Beuting hat Werner übrigens schon erhalten. Und Werners Briefe hat der Rathauschef bereits an das Landeskriminalamt, das sich mit der Suche nach Behördenfunkstandorten auseinandersetzt, weitergeleitet, mit der Bitte, zu den darin enthaltenen Bedenken der Anwohner Stellung zu nehmen und die Fragen zu beantworten. „Wir nehmen die Besorgnisse selbstverständlich sehr ernst“, heißt es aus dem Rathaus, ehe darauf verwiesen wird, dass die Marktgemeinde gemäß ihrer „selbstgesteckten Standards“ aus eigenem Antrieb und auf eigene Kosten das Gutachten in Auftrag gegeben habe, um einen Behördenfunkstandort zu finden, „der möglichst geringe Belastungen verursacht“.

Deutliche Worte

Doch beim schriftlichen Prostest beließen es die Anwohner nicht, sie wollten auch Präsenz zeigen, ihre Anliegen von Angesicht zu Angesicht vortragen. Und so tummelten sich vor der Gemeinderatssitzung am 18. Februar einige Frauen und Männer im Eingangsbereich des Kultur- und Tagungszentrums, darauf wartend, dass sich die Türen zur öffentlichen Marktgemeinderatssitzung öffnen. Warum sie hier sind, wurde schnell klar, als aus den Gesprächen das Wort Protest herausklang, das eine Dame ganz bestimmt und lauter als alle anderen Worte aussprach. In der Sitzung nutzten dann vier Anwohner die Bürgerfragestunde, um Ihre Bedenken zu äußern, darunter die Sorge um die gesundheitliche Belastung durch den Funkmast oder die beiden Fragen, warum der provisorische Funkmast, und vielleicht auch die dauerhafte Anlage, unbedingt in ein Wohngebiet sollen und wann nun die Interimslösung am Maria-Antonien-Weg realisiert werde. Auch Bernd Werner nutzte die Gelegenheit, ans Mikro zu treten.

Bürgermeister Beuting versuchte, Antworten zu geben, musste hie und da aber für genaue Auskünfte auf das Landeskriminalamt verweisen. Eines stellte Beuting jedoch mit aller Deutlichkeit klar: „Der Gemeinderat hat sich das nicht leicht gemacht, wie generell bei Mobilfunkfragen.“ Nicht ohne Grund habe man ein Standortgutachten in Auftrag gegeben, „ich hoffe, dass wir es im Sommer, spätestens Herbst vorliegen haben“, sagte der Bürgermeister. Und weil besagtes Gutachten eben noch Zeit braucht, machte Beuting den Anwohnern klar, dass nun nicht die richtige Gelegenheit für eine umfassende Anliegerdiskussion sei. „Wir sind schon bereit, mit Ihnen in Kommunikation zu treten“, sagte der Rathauschef, doch brauche es erst einmal die Entscheidung für einen festen Standort, damit man wisse, mit welchen Anwohnern man überhaupt sprechen müsse. „Dann haben wir eine Diskussionsgrundlage, vorher kann ich auch nur aus dem Spekulativen greifen“, so Beuting.

Um das Provisorium am Maria-Antonien-Weg wird man wohl aber nicht herumkommen. „Es ist erforderlich, dass man kurzfristig tätig wird“, so der Rathauschef.  Immerhin sollen und müssen die Versorgungsdefizite im Behördenfunk im Bereich von Seehausen und Murnauer Moos bis nach Ohlstadt möglichst schnell beseitigt werden, damit die Einsatzkräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei rasch und verlässlich helfen können. Wann die Interimslösung komme, fragte da noch Werner, der gehört habe, dass die mobile Anlage in zwei, drei Wochen kommen könnte, und nun wissen wollte, ob da etwas dran ist oder ob nur die Gerüchteküche brodelt. Doch über das Zeitliche konnte Beuting keine Auskunft geben. Dass das Provisorium dann aber für ganze zwei Jahre am Maria-Antonien-Weg stehen werde, sei noch keineswegs sicher. Auskünfte, die den Anwohner die Sorgen vermutlich nicht nehmen konnten.

Von Antonia Reindl

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