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Beim KultURKNALL in Murnau ging die Post ab

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Von: Antonia Reindl

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Feuershow Kulturknall Murnau
Ein Spiel aus Feuer und Formen bot die Weilheimer Showgruppe Vaganti. © Reindl

Murnau – Die Post ist längst ausgezogen, die Briefe, die Pakete, die gelben Autos, alle weg. Doch an zwei Tagen war da wieder geschäftiges Treiben, Gewusel, welches das altehrwürdige Baudenkmal an der Bahnhofstraße einst belebte. „Jetzt geht die Post ab!“, lautete das Motto des diesjährigen KultURKNALLs – und an vielen Ecken, Seiten und Ständen blies man ins Posthorn, im übertragenen Sinne. Denn Töne erklangen andere, und davon reichlich. Reichlich Andrang gab’s ebenso, die Konsequenz: über 60 000 Euro Reinerlös für wohltätige Zwecke.

Riesige Briefmarken zierten die blasse Wand des Post-Nebengebäudes. Gelb leuchtete ein Postradl, daneben ein Schild mit der Aufschrift „Küssen verboten“, das erst recht dazu animiert haben dürfte. An mehreren Ständen wurde Flaschenpost versprochen, wobei es nicht darum ging, an Gläser zu gelangen, die sich ins Wasser werfen lassen, sondern darum, an Flüssiges aus Gläsern zu gelangen. Wohin mit den Blicken, durfte man sich fragen, als man am vergangenen Wochenende das Festivalgelände des diesjährigen KultURKNALLs betrat. Augen auf – und auf den Boden, wenn opulente Spielsteine eines üppigen „Vier gewinnt“-Spiels abhandenkamen und über den Asphalt rollten, der stellenweise von Lauge benetzt war – Überbleibsel zerplatzter Seifenblasen, die Kinder zum Schweben gebracht hatten. Manche Kinder suchten selbst den Weg gen Himmel, an einer Kletterwand.

An vielen Stellen ließ man den Geist der alten Post aufleben, punktuell, genau richtig gesetzt, sodass ein harmonisches Bild entstand – wie in einer gut sortierten Briefmarkensammlung. Die Helfer und Helferinnen trugen keine Pakete, dafür aber postgelbe T-Shirts, Kinder gestalteten und stempelten Postkarten und Briefmarken. Überall entdeckte man das eine Symbol: ein schwarzes Posthorn auf gelbem Grund.

Auf der Bahnhofstraße: der Duft geschmolzenen Käses und dampfenden Sauerkrauts, dazwischen exotische Gewürze, karamellisierte Süße. Orange leuchtende Bierbänke auf dem Asphalt der Straße, die flaniert wurde von Handgemachtem, Schmückendem, Kleidendem, Wohltätigem – ein Saum aus Ständen. Auch an den Rändern des Tanzbereichs vor der Bühne: Biertischgarnituren. Ebenso im Innenhof des Postareals, daneben Liegestühle und Sessel aus Paletten. Sitzen, schauen, ratschen, relaxen. Unter Dach: Werke aus dem Kunstprojekt „neu gedacht“. Auf der Bühne bebte zwei Tage lang Vielfalt, ein paar Acts herausgepickt: Da Simmal, Express Brass Band, Jamaram meets Jahcoustix, Herr Rauch, Maxi Pongratz. Im Mantel der Dunkelheit füllte sich der Platz vor der Bühne, tanzen, schwingen, singen, dazwischen spielende Kinder.

Bereits Samstagnacht hatte man einen Reinerlös von rund 22 000 Euro zusammen, die Hoffnung, mit dem Sonntag auf 50 000 Euro zu kommen, stand im Raum. Eine Hoffnung, die übertroffen werden sollte. Am Montag, als vom KultURKNALL an der Bahnhofstraße nichts mehr zu sehen war, die Helfer und Helferinnen hatten in der Nacht noch alles aufgeräumt, meinte KultURKNALL-Pressemann Robert Zormeier: „Wir sind sehr zufrieden mit dem diesjährigen kultURKNALL – ein wunderschönes, sonniges Rekord-Wochenende liegt hinter uns. Mehrere tausend Besucher feierten mit uns, über 60 000 Euro Reinerlös kamen für unsere Hilfsprojekte zusammen.“ Von Herzen wolle man sich bei „allen Besuchern, Helfern, Künstlern, Unterstützern und Anwohnern bedanken“.

Anfang Oktober soll wieder die Post abgehen, bei einer Kopfhörerparty. Und die, wie sollte es anders sein, steht dann ebenfalls unter einem wortspielerischen Titel: Stille Post.

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