Stadtbus soll attraktiver werden

Beim Weilheimer Stadtbus ist einiges an Verbesserungen geplant

Elektrobus
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Ein batterieelektrischer Midibus war zu Testzwecken schon in Weilheim unterwegs.

Weilheim – Momentan wird der ÖPNV aufgrund der Corona-Situation von einigen eher gemieden – grundsätzlich bietet er aber vielen eine Alternative zum Individualverkehr.

Damit der Weilheimer Stadtbus vermehrt als solche wahrgenommen wird, sind allerdings noch einige Verbesserungen geplant. Luft nach oben gibt es unter anderem was die Häufigkeit und Dichte der Taktfolge, eine gute Linienführung und schnelle Verbindung angeht, wie Stadtwerke-Chef Peter Müller kürzlich im Stadtrat erörterte. Was die Verdichtung des Fahrplans anbelangt, sollen etwa werktags Busse im Halbstundentakt und sonn- und feiertags im Stundentakt fahren. Des Weiteren ist eine Optimierung der Haltestellen geplant.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Umstieg auf batterieelektrische Midibusse. Zur Auswahl standen unter anderem auch Antriebe mit Biogas oder Wasserstoff. Jedoch seien die vier benötigten Midibusse mit Wasserstoffantrieb am Markt nicht erhältlich und somit ein Projektbeginn am 1. Januar 2022 nicht möglich, wie Müller in seiner dazugehörigen Präsentation angab. Zudem wären eine Wasserstofftankstelle sowie eine zusätzlich Anlage zur Wasserstoffherstellung notwendig. Die Kosten für diese Anschaffungen sind ungewiss.

Equipment für Elektrobusse vorhanden

Beim Biogasantrieb, der zwischenzeitlich favorisiert wurde, könnten die vier Midibusse sofort ausgeschrieben werden. Die Investitionskosten lägen inklusive Biogasaufbereitungsanlage mit -tankstelle bei mindestens 1 641 000 Euro. Jedoch sei eine ausreichende Menge Biogas, zu auskömmlichem Preis und aus gesicherter Pflanzenherkunft, derzeit nicht vorhanden – frühestens 2029. Für vier bis fünf Midibusse mit Elektroantrieb ist das Equipment dagegen sofort erhältlich beziehungsweise bei den Stadtwerken schon vorhanden (Stellplätze, Ladeinfrastruktur, Strom). Die Investitionskosten liegen mit dem Bundeszuschuss bei circa 1 160 880 Euro. Dadurch sollen zukünftig statt jetzt 140 000 geschätzt 190 000 bis 280 000 Fahrgäste den Stadtbus nutzen. Allerdings schlägt sich das auch bei den Kosten nieder. Diese wären dann um 330 000 Euro höher.

Romana Asam (Freie Wähler) bat darum, die Möglichkeit des Wasserstoffantriebs doch noch einmal anzuschauen. Laut Müller gebe es auf dem Markt keinen Bus in der richtigen Größenordnung – für die Zukunft wollte er aber nichts ausschließen. Klaus Gast (CSU) und Petra Arneth-Mangano (SPD) sprachen sich für eine Ausweitung des Stadtbusses in die Ortsteile aus. Diese könnte, so Müller, beispielsweise mit einem App-System wie in Murnau, welches zuvor von Stadtrat Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) gelobt wurde, erfolgen. Zuvor müsste allerdings ein Grundnetz aufgebaut werden.

Rüdiger Imgart (AfD) hätte das Projekt gerne um ein Jahr verschoben, da sich der ÖPNV durch die Corona-Krise momentan im Umbruch befinde und niemand wisse, wo die Reise hingehe. Des Weiteren hatte er einige Fragen an Müller. Unter anderem wollte der AfD-Vertreter wissen, wie hoch die Mehrbelastung für die Stadt pro Jahr bis zum Ende der Wahlperiode sei. Auch interessierte ihn, welche Hauptzielgruppe der Weilheimer den Stadtbus nutzt. Laut Müller würden den Bus aktuell eher ältere Fahrgäste benutzen. Es sei aber das Ziel, alle Weilheimer zu erreichen. Marion Lunz-Schmieder (CSU) bezeichnete die Mehrkosten als „große Summe“. Allerdings könne der Stadtrat in Anbetracht der Bedeutung von ÖPNV und Klimaschutz nicht anders, als zu zustimmen. Sie gab auch zu bedenken, dass die Zahl der älteren Menschen zunehme. Verkehrsreferent Manuel Neulinger (Grüne) nannte das Stadtbuskonzept 2022 einen „Quantensprung“. Die Nachfrage würde beim ÖPNV mit dem Angebot stehen und fallen, daher sei der Halbstundentakt ein großer Vorteil. Letztendlich stimmte der Stadtrat mehrheitlich für das Konzept. Dagegen waren Asam und Imgart.

Von Sofia Wiethaler

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