Ehemaliger Meisterfälscher Beltracchi stellt in Murnau sein neues Projekt vor

Fünf Quadratmeter "Blauer Reiter"

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Wolfgang Beltracchi (re.) ist nach Murnau gekommen, um ein Bild mit den Protagonisten der Künstlergruppe ‚Der Blaue Reiter‘ zu malen. Der ehemalige Kunstfälscher bedient sich dabei der Handschrift Heinrich Campendonks. Der Münchner Unternehmer Christian Zott (li.) fördert das Projekt.

Murnau – Vor 40 Jahren sah Wolfgang Beltracchi in Murnau eine Ausstellung mit Bildern der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“. Das Gezeigte waren keine Originale, aber die Exponate strahlten eine unglaubliche Kraft auf ihn aus: „Besonders Heinrich Campendonk faszinierte mich.“

Das war lange vor seiner Fälscherkarriere, wie Beltracchi schmunzelnd einräumt. Am Dienstag war der Breisgauer wieder in Murnau, um sein Projekt „Kairos, der richtige Moment“ vorzustellen – dafür entsteht ein Bild in der Handschrift Campendonks. Wolfgang Beltracchi gilt als genialster Kunstfälscher des 20. Jahrhunderts. Er malte rund 400 Gemälde im Stil großer Meister aus allen Epochen der Kunstgeschichte. Mit den Fälschungen narrte er Kunsthistoriker, Sachverständige und Museumsleute rund um den Erdball. Der Betrug flog auf, und Beltracchi saß eine mehrjährige Gefängnisstrafe ab. 

Christian Zott, ein Münchner Unternehmer und Kunstliebhaber mit Wurzeln in Unterammergau, kam vor einigen Jahren auf den Gedanken einer Ausstellung mit Werken der wichtigsten Maler ihrer Zeit. Mit Epoche prägenden Motiven, die diese Künstler hätten malen können, dies aber nicht getan hatten. Das Problem war, einen zeitgenössische Maler zu finden, der die Stile der früheren Meister beherrscht: Gibt es für diese CoverUPs einen genialen Kopisten? Christian Zott fiel nur ein Name ein: Beltracchi!

Die beiden entwickelten ein Konzept – eine Entdeckungsreise durch 2000 Jahre europäische Kunstgeschichte. Ein „Beckmann“ ist bereits fertig, ein „Lucas Cranach d. Ä.“ ebenfalls. Van Gogh, Jan Vermeer, de Goya, Wilhelm Turner und einige andere folgen. Gerade arbeitet Beltracchi an einem „Blauen Reiter“. Dazu ist er nach Murnau gefahren, um im Garten des Münterhauses zu malen. Die Türe blieb für den ehemaligen Meisterfälscher fest verschlossen. Er wich auf eine Wiese beim Bahngleis aus. Es wird ein riesiges Gemälde, fast fünf Quadratmeter. Porträts der wichtigsten Vertreter des „Blauen Reiters“, wie sie Heinrich Campendonk gesehen hätte. Kandinsky, Münter, Marc, Jawlenski, Werefkin, Macke sitzen vor ihren Staffeleien und malen das Münterhaus. Jeder in seinem persönlichen Strich. Beltracchi: „Mit einem solchen Gruppenbild wäre Campendonk wohl damals schon weltberühmt geworden, und heute steinreich!“

Christian Zott berichtete: „Ab Herbst 2018 gehen wir mit den Bildern auf Tournee durch Europa. Wir fangen in Venedig an, es folgt Hamburg. Am Ende wird die Sammlung eine Heimat in einem geplanten Museum in Unterammergau finden.“ Mehr Infos unter www.kairos-exebition.art.

von Günter Bitala

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