Beratungsstelle im Gesundheitsamt präsentiert Tätigkeitsbericht 2016 – Neuerungen und Herausforderungen

Im Dienste der Schwangeren

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In den Räumen des Gesundheitsamtes v. li. Sozialpädagoge Ronald Weber; Petra Regauer, Sachgebietsleiterin Gesundheitsförderung; Susanne Nabholz, Sozialpädagogin und Dr. Stefan Günther, Sachgebietsleiter Humanmedizin.

Weilheim – Von Fragen zum Elterngeld über rechtliche Belange bis hin zur Wohnungssuche – die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen im Gesundheitsamt des Landratsamtes Weilheim-Schongau hat ein breites Aufgabengebiet.

Das wurde auch beim Pressegespräch zur Vorstellung des Tätigkeitsberichts 2016 deutlich. Zu den Neuerungen äußerte sich Sachgebietsleiterin Petra Regauer. Das letzte Jahr habe hauptsächlich im Zeichen des Umzugs in die neuen Räume in der Eisenkramergasse 11 gestanden. Diese seien gut zugänglich, außerdem konnte jeder Mitarbeiter seine persönliche Note mit ins Büro einbringen. Seit August 2016 steht dem Sachgebiet erstmalig eine Verwaltungskraft ganztägig zur Verfügung, die viele Arbeitsabläufe erleichtert. Ein „Runder Tisch Vertrauliche Geburt“ wurde gegründet, der alle zwei Jahre einberufen werden soll. In den letzten zwei Jahren hätte es zwar keine Anfrage für eine vertrauliche Geburt gegeben, „man muss aber vorbereitet sein“, sagte Regauer.

Ebenfalls seit 2016 nimmt eine Sozialpädagogin an den Treffen des AK Soziales der freien Träger teil. Dabei stand im vergangenen Jahr die prekäre Wohnraumsituation im Landkreis ganz oben auf der Agenda. Dieses Thema zeigte sich auch bei den Beratungen als sehr wichtig.

Was die Anzahl der Beratungen angeht, war 2016 ein deutlicher Anstieg zu vermerken. Es wurden 51 allgemeine Schwangerenberatungen mehr durchgeführt, was praktisch eine mehr pro Woche sei, sagte Regauer. Auch die Schwangerenkonfliktberatung war gefragter, hier fanden 34 Beratungen mehr als 2015 statt. Als Erklärung dafür sieht die Schwangerenberatungsstelle den personellen Engpass bei der Beratungsstelle von Donum Vitae. Der Verein mit Hauptsitz in Garmisch-Patenkirchen bietet eigentlich Außensprechtage in Weilheim, Schongau und Penzberg an. Diese fanden 2016 jedoch kaum statt. Zusätzlich war der Sozialdienst Katholischer Frauen Landsberg, der ebenfalls Außensprechtage in Weilheim im Programm hat, unterbesetzt.

Da ratsuchende Frauen meist schnellstmöglich einen Termin brauchen, wandten sie sich an die Schwangerenberatungsstelle im Gesundheitsamt. Des Weiteren stiegen die Anfragen für eine Beratung bezüglich des Elterngeldes beziehungsweise des Elterngeldes plus. Allerdings geben die Sozialpädagogen keine Rechtsauskünfte und rechnen keine Beträge aus, da sie dazu nicht befugt sind. Zu diesem Thema gebe es auch von Eltern, die bereits Kinder haben, Fragen, sagte Sozialpädagogin Susanne Nabholz. Damit die Eltern zu Themen wie Elternzeit, Kindergeld und Mutterschutz die wichtigsten Fakten und Anlaufstellen kennen, gibt die Beratungsstelle den Paaren auch eine Art Zusammenfassung mit. Diese aktuell zu halten sei „gar nicht so einfach“, sagte Nabholz.

Neben diesen Fakten spiele die psychosoziale Beratung aber eine große Rolle. Sorge bereite der Stelle, dass die Zahl der Hebammen nachlasse, so Dr. Stefan Günther, Sachgebietsleiter Humanmedizin. Viele Hebammen könnten sich auf Grund der hohen Versicherungsbeiträge ihren Beruf nicht mehr leisten. Der Mangel an Hebammen zeigt sich auch in einer anderen Problematik. Wenn Asylbewerberinnen eine Hebamme benötigen, kämen die Angehörige der Helferkreise oft kurz nach oder kurz vor der Geburt mit diesem Anliegen. Das sprenge die Möglichkeiten der Stelle, so Günther.

Um dem entgegenzuwirken wird gerade ein entsprechender Flyer ausgearbeitet, der an die Helferkreise ausgegeben werden soll. Generell benötigen Beratungstermine mit Flüchtlingen mehr Zeit. Die Fahrten zu den Unterkünften und ein Dolmetscher müssten organisiert werden, sagte Regauer. Aufgrund der Sprachbarriere dauere das Gespräch meist doppelt so lang. Zudem seien die Frauen auch oft nicht mit dem System der Schwangerenberatung vertraut. Hinzu kommt, dass nicht anerkannte Asylbewerberinnen zwar die Leistungen der Krankenkassen in Anspruch nehmen können, nicht aber die der Landesstiftung „Hilfe für Mutter und Kind“, mit der die Beratungsstelle zusammenarbeitet.

Ein weiteres wichtiges Aufgabengebiet der Sozialpädagogen stellt die Sexualpädagogik und Prävention dar. Dazu geht Christina Huber mit einer Kollegin an Schulen im Landkreis. Mit den Schülern, hauptsächlich aus den achten Klassen, wird dann über Themen wie Partnerschaft, Verhütung und Schwangerschaft gesprochen. Neben den festen Bestandteilen gibt es auch „flexible Bausteine“ über die geredet wird. Dazu können die Jugendlichen zuvor bei ihrem Lehrer anonym Fragen abgeben. Auch wird im Vorfeld geklärt, ob in der Klasse Flüchtlingskinder untergebracht sind. Ein Thema, das besonders häufig von Lehrern angefragt wird, sind die neuen Medien. Die Sozialpädagogen besprechen in diesem Zusammenhang mitunter das oft verschobene Rollenbild von Frauen in pornografischen Darstellungen und was diese Bilder mit den Jugendlichen machen. Auch das sogenannte Sexting, das Verschicken von eigenen erotischen Bildern, wird bei Bedarf thematisiert.

Da durch das Personal der Beratungsstelle nicht alle Anfragen abgedeckt werden können, werden jährlich Workshops für Multiplikatoren (Lehrer, Sozialpädagogen, Erzieher) angeboten. Dort können die jeweils circa 15 Teilnehmer das Konzept und die Methoden kennen lernen und ausprobieren. Zusätzlich können sie danach kostenlos die beiden Verhütungsmittelkoffer des Gesundheitsamts ausleihen, in denen sich Anschauungsmaterialien und die vorgestellten Methoden befinden.

Beratungsfälle in Zahlen (ohne Außensprechtage in Schongau)

Schwangerschaftskonfliktberatung (nach § 219 StGB)

134

Allgemeine Schwangerenberatung

211

Nachgehende Betreuung ab Geburt

 87

Nachgehende Betreuung nach Schwangerschaftsabbruch 

   6

Kinderwunschberatung/Präimplantationsdiagnostik

   2

Sonstige Beratung

   6

Summe

446

Von Sofia Wiethaler

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