Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen zieht Jahresbilanz für 2019

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Susanne Nabholz (2.v.re.), Leiterin der Beratungsstelle, präsentierte den Tätigkeitsbericht zusammen mit ihrem Team (v.li.) Anika Schmidt, Ronald Weber, Christina Huber und Petra Regauer.

Landkreis/Weilheim – Einen umfassenden Tätigkeitsbericht des Jahres 2019 präsentierte die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Gesundheitsamt Weilheim-Schongau.

Mit 456 Beratungen wurde die Stelle nur geringfügig mehr in Anspruch genommen als im Vorjahr. Rund 140 Beratungen drehten sich um Schwangerschaftskonfliktfragen, 230 waren allgemeiner Natur. Bei den nachgehenden Betreuungen nach der Geburt war ein deutlicher Rückgang um 41 auf 56 zu verzeichnen. Auch eine Kinderwunschberatung und zwei Kontakte bezüglich einer vertraulichen Geburt fanden statt. In 24 Fällen kamen Männer allein in die Beratungsstelle.

Nur knapp 12 Prozent der Erstberatungen finden in der ersten bis zwölften Schwangerschaftswoche statt, knapp 36 Prozent und damit der Löwenanteil, wendete sich zwischen Woche 21 und 30 an die geschulten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes um Susanne Nabholz. Bei der Altersstruktur liegt der Schwerpunkt zwischen 18 und 40 Jahren, vier junge Frauen (16 bis 17 Jahre) und elf über 40-Jährie waren vertreten, 17 machten keine Angabe zu ihrem Alter. Die meisten Ratsuchenden haben die deutsche Staatsangehörigkeit.

Allgemeine Beratung

In der allgemeinen Schwangerschaftsberatung geht es häufig um staatliche Familienleistungen, die bei der Lebensplanung mit einem Kind eine große Rolle spielen. Schwangere und deren Partner werden bei ihren Recherchen oft mit einer verunsichernden Flut an Informationen im Internet konfrontiert. Gerade bei der ersten Schwangerschaft geht es darum, die Möglichkeiten der Familienhilfen vor dem Hintergrund der individuellen Lebenssituation und -planung zu besprechen. Die häufigen Änderungen der Gesetze sind für erfahrene Schwangere oft ein Grund zur weiteren Beratung. Dies betrifft alle Gesellschaftsschichten. Auch die Berater kommen bei besonders differenzierten Fragestellungen gelegentlich an ihre Grenzen. In Einzelfällen muss nachrecherchiert werden.

Insgesamt war die überwiegende Anzahl der Beratungen wie auch im Vorjahr intensiv und aufwändig. Die Lebenssituationen der Frauen und Familien sind zunehmend konfliktreich. Familien mit Kindern kommen trotz Elterngeld häufig in eine unsichere finanzielle Situation. Für Hartz IV-Empfänger und verschuldete Familien gestaltet sich die Situation generell sehr schwierig. Manche Mütter und Väter würden ihre Kinder gerne bis zum dritten Lebensjahr betreuen, was jedoch oft finanziell nicht möglich ist.

Die Gründe, die Frauen einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen lassen, sind sehr vielfältig. Meist sind es mehrere Probleme und Konflikte gleichzeitig, die das Austragen einer Schwangerschaft unmöglich erscheinen lassen. Am meisten genannt wurde eine psychische und/oder physische Überforderung, gefolgt von beruflichen Problemen oder einer gefährdeten Ausbildung. An dritter Stelle gaben Frauen Schwierigkeiten in der Partnerbeziehung an.

Positiv zu bewerten ist mittlerweile das neu geschaffene Familiengeld bis zum dritten Geburtstag eines Kindes. Wurde dieses zunächst landkreisbezogen unterschiedlich auf Hartz IV angerechnet beziehungsweise nicht angerechnet, konnte der Sachverhalt mittlerweile bayernweit geklärt werden. Das Familiengeld als bayerische Sonderleistung wird nicht mehr angerechnet und steht den Familien ergänzend für den Lebensunterhalt zur Verfügung. Bei der Planung der Elternzeit oder beruflichen Tätigkeit im Rahmen der Elternzeit spielt es inzwischen häufig eine Rolle.

Austauschtreffen Geburtshilfe

Nach intensiver Vorarbeit fand im Juli 2019 ein „Austauschtreffen Geburtshilfe“ im Gesundheitsamt Weilheim statt. Vertreten waren Hebammen, Frauenärzte sowie Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Durch die Schließung der Geburtenstation im Weilheimer Krankenhaus hat sich die Versorgungslage für schwangere Frauen im Landkreis deutlich verschlechtert. Ziel der Veranstaltung war es, die aktuelle Lage und die Bedürfnisse der Hebammen zu erfassen, um in einem zweiten Schritt eine Stelle der Hebammenkoordination einzurichten. Es wurde ein Konzept erstellt. Aktuell ist eine halbe Stelle ausgeschrieben, die am Gesundheitsamt angesiedelt wird. Somit ist die direkte Nähe zur Schwangerschaftsberatung gegeben und ein Austausch regelmäßig und auch kurzfristig auf kurzen Wegen möglich.

Ziel der Hebammenkoordination ist unter anderem, die Versorgungslage für schwangere Frauen zu sichern, wie auch die Situation für die Hebammen vor Ort zu verbessern.

Landesstiftung Mutter und Kind

Im Jahr 2019 war die Anzahl der Gesuche zur Unterstützung an die Landesstiftung Mutter und Kind weiter rückläufig. 2017 wurden noch 35 Gesuche gestellt, 2018 nur noch 29 und 2019 waren es lediglich 25. Der ausbezahlte Betrag hat sich dabei jedoch deutlich von 17 100 (2018) auf 28 726 Euro (2019) erhöht. Erklärbar ist dieser Anstieg mit der veränderten Beantragung der „Pauschale nach Geburt“ und höherer Antragssummen im Einzelfall, weil weniger Frauen einmalige Leistungen für Schwangerschaft und Babyausstattung beim Jobcenter beantragen konnten. Dieser Betrag wird sonst immer bei der Antragssumme abgezogen. Warum die Anzahl der Anträge rückläufig ist kann jedoch nicht nachvollzogen werden.

Von Bianca R. Heigl

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