»Auf dem Weg zum Oldtimer«

Psychosoziale Beratungsstellen feiern 40-jähriges Bestehen

Menschen, Maske, Blumenstrauß
+
Die „Geburtstagskinder“ der Psychosozialen Beratungsstellen Simone Strommer (2.v.li.) und Martin Gerl (2.v.re.) mit den Gratulanten Angelika Flock (rechts) und Peter Walter (Mitte) sowie der Referentin Dr. Petra Berg (links).

Polling – Mit einer kleinen Feier im Prälatensaal des Klosters begingen die Psychosozialen Beratungsstellen in der vergangenen Woche ihr 40-jähriges Bestehen. Begrüßt wurden die Gäste – eine coronabedingt überschaubare Schar – von Martin Gerl, dem Leiter der Suchtberatung.

„Bei einem Mann mit 40 sagt man: Das ist ein Youngtimer auf dem Weg zum Oldtimer“, scherzte Peter Walter, Fachbereichsleiter „Hilfen für Menschen mit seelischer und mit Suchterkrankung“ in seinem Grußwort.Die Diakonie Herzogsägmühle ist Träger der Beratungsstellen. Ihm selbst sei bis heute der Name „psychosoziale Beratungsstellen“ ein Mysterium.

Als Chef dankte er allen Mitarbeitern für ihr großartiges Engagement in diesem niederschwelligen, kostenfreien Beratungsangebot, das durch seine Arbeit Krisen auch oft vermeiden helfe, bevor der Krisendienst notwendig wird.

Auch Weilheims zweite Bürgermeisterin Angelika Flock dankte im Namen der Stadt und persönlich. „Sie sind seit 40 Jahren eine wichtige Anlaufstelle in unserer Stadt für Betroffene und deren Angehörige“, so Flock. Als Symbol für Sonnenschein in den Beratungsstellen überreichte sie Sonnenblumen an Beratungsstellenleiter Gerl und Simone Strommer, die Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes. Strommer und Gerl skizzierten dann kurz gemeinsam die Geschichte der Beratungsstellen von den Anfängen 1980, als „Helmut Schmidt Bundeskanzler war, die Telefone Wählscheiben hatten und wir beide noch in der Grundschule waren“, so Gerl. Damals wurden beide Dienste noch in Trägerschaft der Inneren Mission gegründet, erst 1984 übernahm die Herzogsägmühle die Verantwortung. Seitdem ist der Zuständigkeitsbereich, aber auch das Beratungs- und Behandlungsangebot stetig gewachsen. Gerl und Strommer dankten allen Chefs und ihren Mitarbeitern, die stets „mit großem Engagement und einem offenen Herzen“ bei der Sache seien.

Den Hauptpart bei der kleinen Feierstunde übernahm die Psychologin Dr. Petra Berg, die am Institut für Therapieforschung in München tätig ist. Sie referierte zum Thema Medikamentenabhängigkeit. Hier erläuterte sie anschaulich den Teufelskreis zwischen Symptomen der Grunderkrankung und Entzugserscheinungen, die sich häufig – je nach abhängigmachender Substanz – sehr ähneln und deshalb die Befürchtung beim Betroffenen schüren, die bekämpfte Grunderkrankung käme zurück. Derzeit schätzt man, dass circa 1,5 bis 1,9 Millionen Deutsche unter einer manifesten Medikamentenabhängigkeit leiden. Davon sind etwa 1,1 Millionen Benzodiazepinabhängige. Weitere geschätzte 1,7 Millionen Menschen gelten als mittel- bis hochgradig gefährdet. Im Anschluss an den Fachvortrag bestand noch bei einem kleinen Empfang – auf Abstand – die Möglichkeit zum Gedankenaustausch bei alkoholfreien Cocktails und Häppchen.

Von Bianca Heigl

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Initiatoren des Radentscheids übergeben Listen an Stadt Weilheim
Initiatoren des Radentscheids übergeben Listen an Stadt Weilheim
Neue Leitung für die geplante Mutter-Kind-Einrichtung der Johanniter auf Gut Raucherberg
Neue Leitung für die geplante Mutter-Kind-Einrichtung der Johanniter auf Gut Raucherberg
„Süße Alpenküche – Lieblingsrezepte aus den Bergen“ und Hütten-Gutscheine zu gewinnen
„Süße Alpenküche – Lieblingsrezepte aus den Bergen“ und Hütten-Gutscheine zu gewinnen
»Stoa 169«: Besuchermagnet mit Verkehrsproblem
»Stoa 169«: Besuchermagnet mit Verkehrsproblem

Kommentare