Bauarbeiten für "Erlebnisbergwerk" abgeschlossen 

Mit der Grubenbahn in den Stollen

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„Der Umbau ist gut verlaufen!“ So lautete das Fazit von Franz Fischer (links) und Rudi Hochenauer bei einem Inspektionsrundgang durch das neue „Erlebnisbergwerk“ im Tiefstollen.

Peißenberg – Am Samstag, den 17. Mai, ist es so weit: Dann werden am Peißenberger Tiefstollengelände die feierliche Wiederöffnung des Besucherstollens und die Jungfernfahrt der neuen Grubenbahn über die Bühne gehen.

Gezogen von einer Akku-Elektrolok werden die Museumsbesucher künftig rund 100 Meter tief in die Bergbauwelt unter Tage einfahren können – genauer gesagt bis zum „Alten Mann“. Der Begriff bezeichnet in der Bergmannsprache die beim früheren Abbau entstandenen, inzwischen aber verfüllten oder zu Bruch gegangenen Hohlräume. 

Dort an der Ausstiegsstelle befindet sich der Stollen noch in seinem ursprünglichen, bergmännisch aufbereiteten Zustand. Zudem bietet sich von dort aus ein tiefer Einblick in die Grube „mit herrlich ausgeleuchteten Vitriolen bis in die schauderhaft anmutende Dunkel- und Unendlichkeit des Bergwerks“, wie es in der offiziellen Konzeptpräsentation heißt. 

Den Rückweg absolvieren die Besucher zu Fuß über einen ebenfalls ursprünglich belassenen Schrägstollen vorbei an der Sprengkammer und anderen Sehenswürdigkeiten. Die Rundfahrt respektive der Rundgang durch die Grube soll sich künftig in einem Zeitlimit zwischen 15 und 30 Minuten bewegen. 

Das Neue am Museumskonzept: Die Besucher erhalten die Fachinformationen im Stollen über Lautsprecher, zudem gibt es Sprengsimulationen, Grubengeräusche und Lichteffekte. Ziel ist es, den Besucherbetrieb unabhängiger vom Führungspersonal zu gestalten. 

Hintergrund ist der Umstand, dass die ehemaligen Bergleute, die sich noch als Museumsführer zur Verfügung stellen, langsam in die Jahre kommen und Nachwuchs nur schwer zu finden ist: „Man muss den Betrieb automatisieren. Es geht nicht anders“, sagt Franz Fischer, der bis vor Kurzem noch dem Knappenverein vorstand. 

Insgesamt haben die Bauarbeiten am „Erlebnisbergwerk“ rund sechs Monate gedauert. Unter anderem musste eine 20-Kubikmeter-Betonwand herausgesprengt werden, die in Kriegszeiten als Bollwerk zum eingerichteten Luftschutzbunker diente. Des Weiteren wurden die aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit schimmlig gewordenen Holverbauungen im Stollen durch Stahlträger ersetzt – und zur doppelten Sicherheit hat man noch 20 Felsanker in die Wände gebohrt. „Da wurde schon für die Zukunft gedacht. Der Stahlausbau garantiert, dass das Ganze möglichst unterhaltsfrei betrieben werden kann“, erklärt Fischer. 

Gekostet hat der Umbau zum „Erlebnisbergwerk“ rund 90 000 Euro, wobei ein Großteil über Zuschüsse abgedeckt werden konnte. Dass der Finanzaufwand im überschaubaren Rahmen blieb, lag vor allem an der Eigenleistung, die von den Mitgliedern des Knappenvereins und der Bergbaumuseumsfreunde aufgebracht wurde. 

Zusammen mit dem Ausbau des Hauptstollens in Hohenpeißenberg wurden rund 3 000 Arbeitsstunden geleistet – wohlgemerkt rein ehrenamtlich, ohne materiellen Ausgleich: „Wenn ihre Liebe zum Bergbau nicht so groß wäre, dann hätten sie das nicht geschafft. Sie tun es für die Nachwelt, für die Heimatpflege und zur Förderung des Tourismus“, ist Fischers Nachfolger im Amt des Knappenvereinsvorsitzenden, Rudi Hochenauer, stolz auf das Engagement der Mitglieder.

Von Bernhard Jepsen

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