Neuer Platz für die Grundschule

Gemeinde Bernried will Kloster kaufen

Kloster Bernried
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Gemeinsames Treffen vor dem Bernrieder Kloster (v.li.): Oberin Hedwig Willenbrink, Josef Steigenberger, Ruth Schönenberger, Georg Malterer, Sylvia Vesper (Bildungshausleiterin) und Mechthild Hommel.

Bernried – Die Gemeinde Bernried hat große Pläne: Sie möchte das Kloster kaufen und in den Ostflügel des Ordenshauses den Standort der Grundschule verlagern. Die Missions-Benediktinerinnen wären damit ihre Sorgen los: Zuletzt stand sogar die Schließung des Bildungshauses St. Martin zur Disposition.

Bernried ist seit 900 Jahren ein Klosterdorf. Die Immobilie ist für die Gemeinde nicht nur baulich prägend, sondern auch identitätsstiftend. Die Zukunft des Klosters hing zuletzt allerdings am seidenen Faden. „Wir sind eigentlich schon zu dem Schluss gekommen, das Bildungshaus zu schließen. Es war kurz vor knapp“, erklärt Schwester Mechthild Hommel.

Schon seit rund sechs Jahren sind die Missions-Benediktinerinnen auf der Suche nach einem tragfähigen Zukunftskonzept für das Kloster und Bildungshaus. Die Kongregation hat mit Nachwuchssorgen zu kämpfen, der Altersdurchschnitt ist entsprechend hoch. Die Klosterimmobilie mit ihrem rund drei Hektar großen Grundstück instand zu halten, wurde für die Ordensschwestern immer schwieriger, zumal der Brandschutz erhebliche Sorgen bereitete. Um alle behördlichen Auflagen zu erfüllen, wären millionenschwere Investitionen in die Bausubstanz nötig gewesen. Auch die Suche nach alternativen Betreibermodellen und Investoren war nicht erfolgreich. Zuletzt wurde ein Bewerber für ein hochpreisiges Fastenhotel vorstellig.

Nun aber zeichnet sich eine Lösung mit der Gemeinde ab. Die Verhandlungen sind bereits weit gediehen. Über finanzielle Details wurde zwar Stillschweigen vereinbart – „aber wir sind auf einem guten Weg“, bestätigt Priorin Ruth Schönenberger. Bei der Gemeinde war die Sorge groß, dass das Kloster im Zuge von Investorenmodellen trotz aller bauleitplanerischen Einflussmöglichkeiten ideell für den Ort verloren gehen würde. Mit dem Projekt „Klosterkauf“, das Neu-Bürgermeister Georg Malterer (ÜFW) als „Bernrieder Projekt“ bezeichnet, verfolgt die Kommune natürlich auch eigene Interessen: „Das ist keine Kloster-Rettung um jeden Preis. Wir brauchen das Kloster selber“, erklärt der Rathauschef.

Schon seit Längerem beschäftigte sich der Gemeinderat mit der Entwicklung der dörflichen Infrastruktur. Ein zentraler Punkt war dabei immer wieder die Erweiterung oder der Neubau der Grundschule. Das Raumangebot am bestehenden Standort am Binselberg ist beschränkt – zumal auch das benachbarte Kinderhaus und die Feuerwehr mehr Platz brauchen. Mit dem Erwerb des Klosters würde die Gemeinde, wie es Malterer formuliert, „Investitionen umleiten“, die ohnehin fällig geworden wären. Statt eines Schulhausneubaus oder einer Erweiterung wird nun eben der Ostflügel des Klosters umgebaut – und dabei gleich zu einem großen Teil die Brandschutzproblematik gelöst. Der große Vorteil der Variante: Für den Umbau in ein Schulhaus kann die Gemeinde staatliche Fördergelder abgreifen. Die alte Grundschule am Binselberg soll dann für die Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt werden.

Bislang wurden die Pläne streng vertraulich behandelt. Bereits Ende Juli hatte der Gemeinderat nichtöffentlich einen einstimmigen Grundsatzbeschluss gefasst, das Klosteranwesen zu kaufen. An der Konzeption arbeitete auch Josef Steigenberger mit: „Für Bernried ist das eine Wahnsinnschance“, urteilt der Altbürgermeister. Sollte die Gemeinde Bernried das Kloster von der „Kongregation der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing“ tatsächlich erwerben, wird sich die Gemeinde zeitnah an die Planungen für den Umbau des Ostflügels zum Grundschulstandort machen. Malterer spricht von einer „mittelfristigen Realisierung“. Parallel dazu wird die Gemeinde auch die Trägerschaft für das Bildungshaus übernehmen – und zwar unter dem Dach eines noch zu gründenden Kommunalunternehmens (KU).

Der Tagungsbetrieb mit derzeit 35 Mitarbeitern soll auf kleinerer Basis im West- und Südflügel weitergeführt werden. Auch werden weiterhin Ordensschwestern im Kloster wohnen. Zudem ist im Erdgeschoss des Westflügels die Einrichtung eines Klostergasthofs geplant.

Von Bernhard Jepsen

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