Bunter Blick in eine fremde Welt

Bernrieder Buchheim Museum zeigt Chinesische Bauernmalerei

Buchheimmuseum Ausstellung Chinesische Bauerngemälde
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Die Sammlerin Ingrid Jansen vor dem chinesischen Bauerngemälde „Schutzimpfung“. Hinter ihr Buchheim-Direktor Daniel J. Schreiber vor dem Bild „Barfußärztin beim Hausbesuch“.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Bernried – „Ich mal mir die Welt wie sie mir gefällt“ – frei nach Pippi Langstrumpf brachten Bäuerinnen und Bauern aus dem chinesischen Dorf Wangxia mit bunten Deckfarben zu Papier, wie sie ihr karges Leben gerne gesehen hätten. Astrid Lindgrens Kultfigur ist als „Changwazi Pipi“ zwar auch in China sehr beliebt, aber die mehr als 30 Volkskünstler des 250 Kilometer von Peking entfernten Dorfes beschäftigten sich während des politischen Tauwetters (1987 bis circa 1997) mehr mit naiver Malerei als mit Kinderliteratur.

Ihnen ist die Ausstellung „Chinesische Bauernmalerei“ im Bernrieder Buchheim Museum gewidmet, die tiefe Einblicke bietet in eine für die meisten Menschen sonst nicht zugängliche Welt der Wunschträume und Wahrnehmungen einer chinesischen Landbevölkerung fernab moderner Technologien. Museumsdirektor Daniel J. Schreiber nannte das Ganze bei der Ausstellungseröffnung sehr treffend „Illusionsmalerei“.

Chinesische Volkskunst in Originalwerken sieht man hierzulande sehr selten, warum man die bis zum 6. März 2022 dauernde Ausstellung nicht versäumen sollte. Die Bilder mit hohem erzählerischen Gehalt haben einen ganz besonderen Reiz, dem man sich nur schwer verschließen kann. So ging es auch der Münchenerin Ingrid Jansen (80), die mit ihrem Mann drei Jahre in Peking lebte und im Februar 1987 eine Galerie in Peking besuchte. Hier entdeckte sie erstmals die farbenfrohen Bilder chinesischer Bauernmalerei aus dem Dorf Wangxia.

Eine Leidenschaft nimmt ihren Anfang

Jansen machte sich auf den Weg dorthin, um die malende Bauernschaft vor Ort kennenzulernen. Nach den harten Jahren der Kulturrevolution voller politischer Indoktrinierung wirkten Wangxia und die umliegenden Dörfer noch düster und bedrückend, weshalb die Bilder umso farbenfroher und fröhlicher entstanden. Jansen knüpfte Kontakte und so begann ihre Leidenschaft, diese Bilder zu sammeln.

Die im Buchheim Museum ausgestellten Exponate zeigen Arbeiten auf den Feldern, das Dorfleben mit den Tieren und handwerkliche Tätigkeiten des Töpferns, Webens oder des Laternenmachens. Festgehalten wurden auch das große Neujahrsfest mit dem Feuerwerk, Veranstaltungen und Jahrmärkte mit Essensbuden, Akrobaten, Trommlern und Tänzern. Man lernt durch die Bilder den gesamten bäuerlichen Lebenszyklus kennen: von der Hausgeburt über die Hochzeit bis zum Begräbnis mit seinen Ritualen. Und die Besonderheit der „barfußärztlichen Krankenversorgung“ in entlegenen Regionen. Die Barfußärzte waren und blieben Bauern, bekamen aber eine dreimonatige Kurzausbildung zum „medizinischen Hilfspersonal“ in einem Krankenhaus oder einer Fachschule. Sie kümmerten sich dann vor allem um die Krankheitsvorbeugung, die Notfallbehandlung und die Versorgung mit Heilkräutern. Zu erkennen waren sie an ihrer Utensilientasche mit dem Roten Kreuz. Ein Bild von Zhao Ling aus dem Jahr 1987 heißt „Schutzimpfung“ und zeigt Kinder beim Warten auf den Piks gegen Pocken. Ein anderes Gemälde von Wu Jing stellt die „Barfußärztin beim Hausbesuch“ dar.

Eine Szene ist oft im selben Bild zugleich als Frontalansicht, Seitenblick und Draufsicht zu sehen. „Das wirkt frisch, ungewohnt und im besten Sinne dilettantisch. Eine Kunst, die aus Begeisterung erwachsen ist, nicht aus einer schulmäßigen Ausbildung. Die Freude am derartigen Wahrnehmen der eigenen Lebenswelt wirkt geradezu ansteckend.“ So beurteilt die Sineologin Dr. Irene Wegner die Ausstellung, die sie als Kuratorin mitgestaltet hat.

Laut Buchheim-Direktor Schreiber hätte eine solche Art von Kunst ganz sicher auch Lothar-Günther Buchheim gefallen mit seinem Sinn für Reinfarbigkeit, Erfindungsreichtum und Originalität. Er und seine Frau Ditti waren mehrmals im Reich der Mitte und brachten viele Erinnerungsstücke mit. In seiner Feldafinger Villa fanden sich Unmengen an Pinselhaltern, Deckeldosen, Papierdrachen, Teekannen und Krimskrams aus Elfenbein, Horn, Glas und Halbedelsteinen. Jedoch hat das Ehepaar Buchheim bei seinen China-Reisen nicht die Bauernmalerei kennengelernt. Sonst hätte es ganz sicher selbst zum Sammeln angefangen.

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