Der Beruf Hauswirtschaft im Porträt: Azubis und eine Ausbilderin aus dem Landkreis klären auf

Mehr als so mancher denkt

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Domenik Schwarzer bei der Arbeit in seinem Ausbildungsbetrieb. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Zubereitung des Mittagessens.

Landkreis – Der Beruf der HauswirtschafterIn – jeder scheint ihn zu kennen, doch die Wenigsten wissen was dieses Berufsbild alles beinhaltet. Deswegen hat Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler bei den Auszubildenden Veronika Bergmeister, 16 Jahre aus Eglfing im Berufsgrundschuljahr, Domenik Schwarzer, 22 aus Weilheim im dritten Ausbildungsjahr und Ausbilderin Theresia Schweyer, 28 aus Antdorf, nachgefragt.

Warum haben Sie sich für den Ausbildungsberuf der HauswirtschafterIn entschieden?

Bergmeister: „Ich habe mich dafür entschieden, weil der Beruf ziemlich vielseitig ist und ich durch ihn danach viele Möglichkeiten habe. Außerdem gefällt mir, dass ich praktisch arbeiten kann.“

Schweyer: „Meine Eltern haben einen landwirtschaftlichen Betrieb und die Arbeit dort hat mir immer schon Spaß gemacht. Nach der neunten Klasse habe ich mich dann dafür entschieden, weil das Berufsbild so breit aufgestellt ist. Außerdem sind die Weiterbildungsmöglichkeiten enorm.“

Schwarzer: „Ich finde, der Beruf ist eine Grundbasis für jeden. Durch ihn komme ich mit Dingen in Berührung, deren Wert ich ansonsten nicht kennen würde.“

Wie sieht Ihr Ausbildungsalltag aus?

Bergmeister: „Im Berufsgrundschuljahr habe ich jeden Tag Unterricht. Dort lerne ich viel Praktisches wie Speisenzubereitung oder Raum- und Textilpflege. Es gehören aber ebenfalls theoretische Fächer wie BWL, Haustechnik und Ernährungslehre dazu.“

Schwarzer: „Ich bin dafür zuständig jeden Tag das Mittagessen in meinem Ausbildungsbetrieb zuzubereiten. Außerdem helfe ich meiner Ausbilderin bei der Planung von Veranstaltungen wie Kochvorführungen. Im Frühling verbringe ich zusätzlich viel Zeit im Garten. “

Schweyer: „Auch bei mir bereitet meine Auszubildende jeden Tag das Essen zu. Dabei kann sie ihre eigenen Ideen mit einbringen. Außerdem üben wir vieles was meine Auszubildende für ihre Schulaufgaben oder Prüfungen braucht. Heute Vormittag waren wir zum Beispiel mit dem Einpacken von Geschenken beschäftigt. Ein wichtiger Punkt ist ebenfalls die Kinderbetreuung, da ich einen viereinhalbjährigen Sohn habe. Dafür überlegt sich meine Auszubildende ein pädagogisches Programm wie das Schneiden mit einer Schere.“

Erfolgt die Ausbildung immer in einem landwirtschaftlichen Betrieb?

Schweyer: „Nein. Die Auszubildenden können auch in Hotels und Senioren- oder Kinderheimen ihre Lehre machen. In einem privaten Betrieb wohnen die Auszubildenden oft bei ihren Arbeitgebern, wodurch sie in die Familie integriert werden können. Wir erledigen auch andere Arbeiten wie das Waschen der Wäsche und das Erstellen eines Wochenplanes zusammen.“

(An Schweyer) War die Entscheidung, einen Auszubildenden bei Ihnen Zuhause aufzunehmen, schwer?

Schweyer: „Schwer nicht direkt, aber man braucht dafür schon Vertrauen. Ich hatte allerdings schon während meiner eigenen Ausbildung im Kopf, dass ich mein Wissen weitergeben möchte. Ich selbst bilde seit zwei Jahren aus und bin bereits bis 2020 ausgebucht. Mir sind dabei der Kontakt und ein gutes Verhältnis zu meinem Lehrling wichtig, weil es doch eine andere Art von Arbeitsbeziehung ist. Ich hoffe, dass wir auch nach ihrer Ausbildung noch Kontakt haben werden, wie ich mit meiner Lehrfrau.“

Kann jeder Betrieb ausbilden?

Schweyer: „Nein, er muss vom Amt für Ernährung, Landwirtschaften und Forsten anerkannt werden. Außerdem ist eine Weiterbildung notwendig. Ich kann aber nur jedem, der über eine Ausbildungseignung verfügt, empfehlen, es zu machen. Es bringt zwar einiges an Arbeit, aber man profitiert viel davon und es ist eine große Unterstützung.“

Welcher Schulabschluss wird für die Ausbildung benötigt?

Schweyer: „Grundvoraussetzung ist ein Hauptschulabschluss. Gymnasiasten haben die Möglichkeit die Ausbildung zu verkürzen.“

Was sagen Ihre Freunde zu Ihrem Beruf?

Bergmeister: „Viele Freunde wissen zuerst nicht, was ich mache, wenn ich es ihnen erkläre sind sie aber positiv überrascht.“

Schwarzer: „Was unseren Beruf angeht herrscht viel Unwissen. Dabei ist er so vollgestopft mit Dingen, die jeder privat nutzen kann.“

Wie wichtig ist der Beruf HauswirtschafterIn in der heutigen Zeit?

Bergmeister: „Ich sehe ihn als sehr wichtig an. In der Schule lernen wir zum Beispiel auf die Umwelt und die Menschen in unserer Gesellschaft und Umgebung zu achten. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Außerdem hat die Hauswirtschaft Zukunft.“

Schwarzer: „Auch ich sehe ihn als wichtig an. Durch ihn wird die Achtung vor der Natur und der Schöpfung vermittelt. Außerdem wird sehr auf den ökologischen Aspekt geachtet.“

Hat sich das Image der Hauswirtschaft mit den Jahren verändert?

Schweyer: „Es ist besser geworden. Berufswerbung ist das A und O. Dabei hilft unsere Öffentlichkeitsarbeit zum Beispiel bei Berufsmessen. Die Leute schätzen zudem wieder das Natürliche und Gesunde, was wir zu vermitteln versuchen. Bei uns spielt die Ernährung nämlich eine große Rolle. Dafür sind die Menschen zwar offen, es ist aber noch viel zu tun.“

Was haben Sie nach Ihrer Ausbildung vor?

Bergmeister: „Ich möchte gerne meinen Meister machen. Vielleicht werde ich später selber ausbilden. Ich will aber auf jeden Fall in diesem Beruf bleiben.“

Schwarzer: „Ich möchte meinen Kundenstamm erweitern und dann selbst Kochvorführungen anbieten. Außerdem habe ich vor Sportscheine zu machen, die brauche ich, um später auch Kurse für Senioren, wie Gymnastik, anbieten zu können.“

Schweyer: „Die Lehrlinge haben wirklich viele Möglichkeiten. Sie können sich zum Beispiel als MeisterIn in der Hauswirtschaft, Staatlich geprüfte DorfhelferIn, TechnikerIn für Ernährungs- und Versorgungsmanagement oder als BetriebswirtIn für Ernährungs- und Versorgungsmanagement weiter ausbilden lassen.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Mehr Informationen gibt es bei Barbara Schmid, Bildungsberaterin Hauswirtschaft beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Weilheim unter Tel. 0881/994145 oder unter E-Mail: barbara.schmid@aelf-wm.bayern.de.

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