Berufskollegen in die Milch gespuckt

„Ich bin extrem traurig“, meinte Arla-Geschäftsführer, Torben Olsen, nach der Abstimmung. Foto: Josef Gutsmiedl

Der geplante Verkauf der Anteile der Allgäuer Bergbauern-Milch eG an der Allgäuland Käsereien GmbH ist gescheitert. Bei der jüngsten Mitgliederversammlung in Fischen sprachen sich nur knapp 70 Prozent für den Verkauf aus. Die notwendige Mehrheit von 75 Prozent wurde somit nicht erreicht. Der Verkauf der Anteile ist Basis für die geplante Übernahme der hoch verschuldeten Allgäuland-Käsereien durch Arla Foods. Vorstand, Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Allgäuland-Käsereien wollen das Votum so nicht hinnehmen, um die drohende Zahlungsunfähgkeit des Unternehmens abzuwenden. Eine außerordentliche Generalversammlung ( am 12. September in Waltenhofen) soll erneut über den Verkauf und damit das Arla-Angebot abstimmen.

Vor dem sprichwörtlichen Scherbenhaufen standen die Mitglieder der Bergbauern-Milch eG, Vorstandschaft, Aufsichtsrat und Geschäftsführung, als das Abstimmungsergebnis nach Mitternacht fest stand. Fassungslosigkeit und Kopfschütteln, Niedergeschlagenheit und Tränen. „Das Ergebnis tut mir in der Seele weh“, sagte Vorstandsvorsitzender Martin Kirchmann nachdem er das Auszählungsergebnis bekannt gegeben hatte. Nur 69,6 Prozent der anwesenden Mitglieder hatten für einen Verkauf der Genossenschaftsanteile der Bergbauern-Milch an der Allgäuland-Käsereien gestimmt. Erforderlich wäre eine Mehrheit von mindestens 75 Prozent gewesen. Kirchmann: „30 Prozent bestimmen über das Schicksal aller sechs Beteiligungsgenossenschaften.“ Nun müsse man sehen, wie es weiter gehe mit Allgäuland. Und auch Geschäftsführer Paul E. Ritter zeigte sich fassungslos gegenüber dem Verhalten der Verkaufsgegner: „Wie kann man so über Existenzen bestimmen, wenn man gar nicht mehr dabei ist!“ Ritter und Kirchmann kritisierten vor allem, dass offenbar viele Mitglieder, die der Bergbauern-Milch bereits per Kündigung den Rücken gekehrt haben, gegen den geplanten Verkauf gestimmt hatten. Ein Rückschlag, mit dem in dieser Deutlichkeit kaum jemand gerechnet hatte. Umso weniger, als die vorausgegegenenen Versammlungen zweier weiterer Genossenschaften sich klar für einen Verkauf ausgesprochen hatten. Wie vor den Kopf geschlagen zeigten sich auch die Mitglieder, die in dem in den vergangenen Monaten ausgehandelten Übernahme-Angebot von Arla Foods einen vernünftigen Weg sehen. „Wie können die gekündigten Mitglieder 1800 Bauern und 400 Unternehmensmitarbeiter in den Ruin schicken?“ fragte ein Milchlieferant mit tränenerstickter Stimme die Versammlung. Die Enttäuschung über die Abfuhr stand auch Torben Olsen, dem Geschäftsführer der Arla Foods GmbH, ins Gesicht geschrieben. „Das hätten wir nicht erwartet. Heute Abend gibt es nur Verlierer.“ Das Ergebnis stimme ihn „extrem traurig“, bekundete der Geschäftsführer und deutete an, dass Arla den Mitgliedern eine zweite Chance geben werde. „Sie haben 14 Tage Zeit - überlegen Sie gut!“ Vor der Abstimmung hatten sowohl Vorstand Kirchmann als auch Geschäftsführer Ritter und Olsen die Vorgeschichte der geplanten Übernahme skizziert und die Eckdaten des Arla-Angebotes erläutert. Mehrere Verträge sollen die Partnerschaft von Unternehmen und Milchlieferanten regeln - wett-bewerbsfähiger Milchpreis, Erhalt der genossenschaftlichen Strukturen, Milchmengengarantie, Abholung selbst kleinster Milchmengen. 250 Millionen Kilogramm Milch benötigt Arla, davon 75 Millionen Kilogramm „Spezialmilch“, also Heu- oder Bergbauernmilch. Arla machte nie ein Hehl daraus, dass es gerade die Bergmilch aus der Region für einen „besonderen Rohstoff“ hält, mit dem „einzigartige Produkte“ hergestellt werden können, die die Marktposition des Unternehmens stärken. Olsen: „Arla hat Interesse an Allgäuland, weil es die richtigen Produkte hat.“ Ein Angebot, das zudem die Banken akzeptieren. Nur die baldige Übernahme durch Arla zeige eine „positive Fortführungsprognose“ auf - und nur dann könne die Insolvenz der Allgäuland-Käsereien verhindert werden, unterstrich Martin Kirchmann. Das Unternehmen sei überschuldet, die Ertragslage nicht zufriedenstellend, stellt der Prüfungsbericht des Genossenschaftverbandes fest. Die Liquiditätslage sei äußerst angespannt. Im Vorjahr machte das Unternehmen ein Minus von 5,8 Millionen Euro. Die Bergbauern-Milch eG hält 24,03 Prozent des Stammkapitals der Allgäuland Käsereien. Sollte es tatsächlich zum Insolvenzverfahren kommen, so warnte ein Jurist, sei das „keine Spaßveranstaltung“. Der Milchpreis könne durchaus ins Bodenlose absacken - und das bei Lieferpflicht. „Dann verbingen Sie ebensoviel Zeit vor Gericht wie im Stall“ deutete er weiter an. Inzwischen haben die Mitglieder aller fünf weiteren Genossenschaften unter dem Dach der Allgäuland-Käsereien GmbH in den Generalversammlungen mit jeweils klarer Mehrheit für einen Verkauf ihrer Anteile an Arla Foods gestimmt. Einige Milchlieferanten haben nach der Ablehnung des Verkaufs die Milchlieferung an die Allgäuer Bergbauern-Milch eingestellt. Die Milch werde „von Konkurrenzunternehmen“ abgeholt, berichtet die Vorstandschaft. Schon aus Haftungsgründen könne man diesen Schritt nicht hinnehmen und müsse mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Verstöße gegen die Satzung und gültige Gesetze vorgehen, heißt es in einem Rundbrief an die Mitglieder.

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