Sprache ist das A und O

Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund war Thema beim Unternehmerfrühstück

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Ralf Greif, Bauer Unternehmensgruppe, berichtete von positiven Erfahrungen: Mitarbeiter mit Migrations- und Fluchthintergrund haben weniger Fehltage, sind sehr engagiert und identifizieren sich stark mit dem Betrieb.

Weilheim – Was muss sich aus Sicht der Arbeitgeber ändern, damit die Vermittlung und Beschäftigung von Menschen mit Migrationshintergrund besser gelingt? Dieser Frage wurde beim jüngsten Unternehmerfrühstück im Weilheimer Landratsamt mit Vertretern von Jobcenter, Agentur für Arbeit, Landrats-amt und Ehrenamtskoordination auf den Grund gegangen.

Seit 2010 ist der Ausländeranteil im Landkreis um über 60 Prozent auf 12 989 gestiegen. 2018 betrug hier die Ausländerquote 9,6 Prozent. Mit „kontinuierlich zunehmendem Trend“, wie Andreas Ginger, Bildungskoordinator Sachgebiet 34 Asyl und Integration am Landratsamt, in seiner mit reichlich Zahlen gespickten Präsentation erläuterte. In Weilheim leben ausländische Mitbürger aus 105 Nationen, aktuell sind im Ordnungsamt 223 ausländische UnternehmerInnen gemeldet. Landrätin Andrea Jochner- Weiß erinnerte an den Höhepunkt der Asylkrise Ende 2015, als der Landkreis wöchentlich 55 Menschen mit Migrationshintergrund „vor die Türe gesetzt“ bekam: „Eine Herkulesaufgabe“ sei deren Unterbringung räumlich wie personell gewesen. Derzeit werde ein Asylbewerber pro Woche zugeteilt.

Mangelnde Deutschkenntnisse und Unsicherheiten im Bleiberecht bezeichneten die Unternehmer als größte Handicaps. „Bis ein Sprachkurs bezahlt wird, dauert es oft ein halbes Jahr. Die gesetzlichen Mühlen mahlen zu langsam“, monierte Hans Medele, Seniorchef MedeleSchäfer GmbH. Das Mercedes-Benz-Unternehmen beschäftigt einen Äthiopier und einen Syrer. Sieben Mitarbeiter mit Flucht- und Migrationshintergrund arbeiten in der Bauer Unternehmensgruppe. Für sie besteht laut Personalchef Ralf Greif ein „besonderer Qualifikationsbedarf“. Nach Praktikum und befristetem Arbeitsverhältnis erhalten diese Mitarbeiter bei positivem Verlauf eine Festanstellung. Um Bewerber besser einschätzen zu können und spätere Enttäuschungen zu ersparen, sollte bei ihrer Vermittlung den Arbeitgebern ein „realistisches Bild“ geboten werden. Hinweise auf Einschränkungen seien hilfreich, so Greif. Die zu Vermittelnden, ergänzte Dietmar Ahl, Geschäftsführer Bechtold GmbH, müssten für eine Ausbildung – vor allem auch sprachlich – geeignet sein.

Dr. Fritz-Andreas Neidhart beschäftigt in seinen fünf hagebaumärkten in der Region „viele Menschen mit Asylhintergrund“ und sieht Bedarf für 15 bis 20 weitere Mitarbeiter. Für einfache Tätigkeiten im Einzelhandel könnten Menschen „ohne große Vorbildung schnell in Arbeit gebracht“ werden. „Wir haben Interesse an langfristigen Beschäftigungsverhältnissen“, betonte Neidhart. Menschen mit Asylhintergrund würden ihren Arbeitsplatz besonders wertschätzen. Die oftmals prekäre Wohnsituation kritisierte Michael Sendl, in dessen Biomarkt ebenfalls Mitarbeiter mit Migrationshintergrund arbeiten: In den Containern fehle die Ruhe zum Lernen und für einen erholsamen Schlaf. Martin Herzog, Ehrenamtskoordinator Asyl im Oberland, ging in der von Helmut Hartl (Sachgebietsleiter 34) moderierten Veranstaltung auf die komplexe Gesetzeslage ein und brachte eine Bewerbermesse für ausländische Mitarbeiter ins Gespräch. Frank Zellner vom Jobcenter berichtete von einer neu eingeführten Maßnahme für Frauen, in der ihre mitgebrachten Kinder betreut werden.

Von Maria Hofstetter

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