Stadtratsfraktion der Grünen stellt Anfrage

Betreuungssituation in Weilheim bleibt schwierig

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Wohin nach der Schule? Die Betreuungssituation in Weilheim ist vor allem bei den Grundschülern angespannt.

Weilheim – Das Thema Kinderbetreuung sorgt in der Kreisstadt immer wieder für Zündstoff.

Aktuell wurde im Stadtrat eine dringende Anfrage der Grünen-Fraktion an die Verwaltung behandelt, welche sich mit der Situation der Kinderbetreuung beschäftigt – insbesondere was Betreuungsplätze im Grundschulbereich betrifft. Grund dafür seien Hinweise von BürgerInnen, hinsichtlich drohender Knappheit von Kinderbetreuungsplätzen im kommenden Schul-/Kindergartenjahr. „So scheint zum Beispiel die Zahl der Anmeldungen für Hort- oder Mittagsbetreuung an der Ammerschule die zur Verfügung stehenden Kapazitäten so deutlich zu überschreiten, dass etliche Kinder im Herbst 2020 keinen Betreuungsplatz bekommen könnten“, so Manuel Neulinger in der Anfrage. „Das wäre wohl ein Novum“, stellte der Fraktionsvorsitzende klar. Denn bisher hätten immer noch alle Kinder, für die ein Platz beantragt wurde, auch aufgenommen werden können.

Daher lautete die erste Frage der Grünen, um wie viel die Zahl der Anmeldungen für die Betreuungseinrichtungen im Grundschulbereich (Mittagsbetreuung, Horte, offene Ganztagsschule) die zur Verfügung stehenden Kapazitäten übersteige. Laut Hauptamtsmitarbeiter Stefan Popp, der sich für die Verwaltung zu der Anfrage äußerte, befänden sich aktuell 41 Kinder auf der Warteliste. 464 Schulkinder werden nach jetzigem Stand zum September 2020 betreut.

Des Weiteren wollten die Grünen unter anderem wissen, woran sich in den vergangenen Jahren die Bedarfsplanung orientiert hätte und inwieweit hierbei eine Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung einkalkuliert wurde. Laut Popp wurden in der Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit SAGS Bedarfsumfragen zur Kinderbetreuung durchgeführt. Zuletzt fand dies 2019 auf Basis der Jahre 2015 bis 2017 (landkreisweit) statt. „Danach war nicht mit einem signifikanten Anstieg des Betreuungsbedarfes aufgrund Zuzuges zu rechnen“, führte Popp weiter aus. „Aus Sicht der Verwaltung lässt sich aus dieser Studie die Entwicklung des Bedarfes an Schulkindbetreuungsplätzen nicht sicher schlussfolgern“, sagte Popp. In den vergangenen Jahren habe die Quote der in Kitas betreuten Schulkinder danach stabil bei rund 15 Prozent (+/- 1 Prozent) gelegen. „2018 wandelte der Franziskus-Hort mangels Nachfrage sogar eine Hortgruppe in eine Kindergartengruppe um“, gab Popp zu bedenken.

Mit entscheidend für den „sprunghaften und kaum planbaren“ Anstieg der Schulkindbetreuungsplätze dürfte laut Popp rückblickend der seit 2013 bestehende Rechtsanspruch für Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Schulantritt sein. Eltern, deren Kinder bereits ab dem ersten Lebensjahr in der Kita betreut werden, würden in aller Regel auch eine Anschlussbetreuung im Schulkindalter erwarten beziehungsweise benötigen. Aktuell gibt es jedoch keinen Rechtsanspruch auf Betreuung im Grundschulalter. Die Finanzierung des Ausbaus werde gerade diskutiert. „Förderprogramme, unter anderem zwei Milliarden Euro des Bundes, stehen im Raum“, nannte Popp Zahlen. Kommunen, wie Weilheim, die „oft noch mit einem bedarfsgerechten Angebot für Krippen- und Kindergartenkinder ringen“, müssten daher bald möglichst in die Standortsuche, die Planung und den Bau von Ganztagsbetreuungsplätzen einsteigen. Dazu müssten aber zunächst „zwingend“ die finanziellen Rahmenbedingungen durch Bund und Land geschaffen werden. „Ein Vorgreifen der Stadt hätte den Verzicht auf dringend benötigte Fördermittel zur Folge“, stellte Popp klar.

Die Grünen wollten zudem wissen, welche Maßnahmen die Stadtverwaltung plane, um kurzfristig diesen Mangel an Betreuungsplätzen im Grundschulbereich zu lindern. Um das Problem zu schmälern, wird die Offene Ganztagsschule (OGTS) in der Hardtschule (Träger Mütterzentrum) ab September 2020 170 Grundschüler statt bislang 150 betreuen. Des Weiteren stellt die Stadt dazu Container samt Überdachung und zusätzliche Ausstattung bereit. Und auch die neue Großtagespflegeeinrichtung A:KitZ! prüft gerade, ob noch vereinzelte Betreuungsplätze für Schulkinder angeboten werden können. Darüber hinaus stehe das Kinder- und Jugendbüro ständig in Kontakt mit allen Trägern, um möglichst viele Plätze anbieten zu können. „Dennoch wird es nicht möglich sein, alle angemeldeten Kinder aufzunehmen“, räumte Popp ein.

Die Grünen gaben ebenfalls zu bedenken, dass wenn weitere, sich in der Planung befindliche, Bauvorhaben (Singerstraße, Geistbühelstraße) umgesetzt sind, der Bedarf an Betreuungsplätzen – insbesondere an der Ammerschule – nochmals deutlich steigen werde. Dazu verlas Popp die Antwort des Bauamts: „Das Stadtbauamt macht beziehungsweise hat immer Vorschläge gemacht, wo Kinderbetreuungsplätze errichtet werden können. Letztendlich kommuniziert das Hauptamt den Bedarf an den Stadtrat, dieser beschließt die Inangriffnahme einer Maßnahme und das Bauamt prüft die Machbarkeit oder führt aus (nachdem Kosten ermittelt und im Haushalt entsprechend bereitgestellt sind).“ Dazu wurde ergänzt, dass Bauamt, Kämmerei und Hauptamt regelmäßig in Kontakt stehen würden, um Standorte für weitere Kitas zu untersuchen und voranzutreiben. „Unter anderem gehört dazu auch das Baugebiet an der Geistbühelstraße.“ Für die Erweiterung der Hardtschule samt OGTS laufe gerade die Planungsphase 0 und nach Fertigstellung der Kita Sonnenäcker (erster Bauabschnitt Juli 2021) ständen die bisher von FortSchritt genutzten Mietcontainer zur Verfügung. „Darüber hinaus gibt es weitere Standorte, die näher beleuchtet werden.“

Als letztes wollte die Stadtratsfraktion in Erfahrung bringen, wie sich die Situation im Kita-Bereich (Krippe und Kindergarten) darstellt. Aktuell befänden sich 22 Krippen- und 23 Kindergartenkinder auf der Warteliste, berichtete Popp. „Dank intensiver Vermittlungsarbeit des Kinder- und Jugendbüros sowie durch Schaffung von zwei neuen Großtagespflegeeinrichtungen (A:KitZ!) kann Stand jetzt allen Krippenkindern ein Platz angeboten werden“, hatte Popp auch gute Nachrichten. Zudem zeichne sich auch für die Kindergartenkinder eine Lösung ab. „In Kooperation mit einem freien Träger soll voraussichtlich bis zum Herbst eine zusätzliche Kindergartengruppe mit 25 Kindern geschaffen werden“, sagte Popp abschließend.

Von Sofia Wiethaler

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