Raistinger Betteltanz zum Kirchweih-Abschluss

Dirndl-Parade bei Herbstsonne

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Schluss mit der Geheimniskrämerei – die Raistinger Ruatenbuam präsentierten beim „Warmtrinken“ ihre heimlich ausgewählten Ruatenmadln. Auf dem Bild (v. li.) Stephan Drexl, Carola Huttner, Kathrin Greinwald und Florian Heinritzi.

Raisting – Heimatverbundenheit, Traditionsbewusstsein und trotzdem das hippe Lebensgefühl von heute spiegeln sich jedes Jahr am Kirchweih-Montag beim „Betteltanz“ in Raisting wider.

Da treffen sich Hunderte von jungen Leuten zum Herbst-Highlight des Oberlands, wo die Madln und Buam spaßeshalber miteinander „verkuppelt“ werden. Die gesellige Kontaktbörse wird seit fünf Generationen vom Burschenverein Raisting organisiert.

Die Hauptarbeit haben hier die beiden sogenannten Ruatenbuam, die echte „Roaschtinger“ sein müssen. Ihre Aufgabe ist es, im Ort und weit über die Gemeinde- und Landkreisgrenzen hinaus für diese einmalige Kontaktbörse zu werben. Heiße Ohren vom vielen Telefonieren gab es heuer für Stephan Drexl (24) und Florian Heinritzi (28), die immerhin knapp einhundert „paarungswillige“ junge Damen nach Raisting locken konnten, wo der Kirchweih-Montag ein inoffizieller halber Feiertag ist. Die Geschäfte bleiben ab Mittag geschlossen, damit man die Dirndlparade vom Treffpunkt Gasthof Drexl zum Gasthof Zur Post miterleben und beklatschen kann.

Vorausgegangen war ein fröhliches „Warmtrinken“ zu den Klängen der Oberhauser Musikanten. Die beiden Ruatenbuam mit ihren Insignien „Ruate“ (Rute), Rosensträuße und Weinkrug pickten unter viel Beifall ihre vorab heimlich ausgewählten „Ruatenmadln“ heraus, die sich wie Zwillinge ähnelten, was nicht nur am gleichen Dirndl lag:

Carola Huttner (18), angehende Verwaltungsfachwirtin beim Landratsamt Starnberg und Kathrin Greinwald (22), Lehramtsstudentin für Mathe und Religion. Beide echte Raistingerinnen, wie es die Tradition eben vorschreibt.

Beim Marsch durch die Gemeinde zeigte sich die Magie der Dirndl-Mode, die aus jedem Madl eine schöne Alpenprinzessin macht. Ob groß, klein, zierlich oder kräftig gebaut – das Traditionsgewand bezauberte die Zuschauer. Die warme Herbstsonne ließ auf Jacken und Mäntel verzichten, so dass die Vielfalt der Dirndl sichtbar wurde. Beim Mini-Dirndl wurde viel Bein gezeigt, das Midi-Dirndl wählten viele als goldene Mitte und das edle lange Dirndl mit gut inszeniertem Dekolleté wirkte stilsicher und trotzdem sehr sexy. Dabei unterschieden sich die Kleider nicht nur in der Länge, sondern auch in Farbe, Design und Schnitt, was jeder jungen Dame eine individuelle Note verlieh.

Im Gasthof Zur Post warteten bereits die Lederhosen-Kavaliere gespannt darauf, welche der jungen Damen ihnen zugeteilt wurde. Es gab bei der „Kuppelei“ viel Gelächter, aber auch verlegene rote Gesichter. Sei‘s drum! Nach ein paar Schoppen Wein war das Eis gebrochen und die „Paare für ein paar gesellige Stunden“ tauten auf. Die Tanzfläche war im Nu voll, nachdem die zwei Ruatenpaare mit dem Betteltanz den geselligen Teil eröffnet hatten. Die Zeche der Burschen mussten am Nachmittag inklusive dem Abendessen traditionsgemäß die Damen bezahlen. Später revanchierten sich die Herren und übernahmen die Rechnung für die Getränke.

Am Abend wurde die geschlossene Veranstaltung frei gegeben für alle Raistinger, darunter auch viele Kuppelkandidatinnen und -kandidaten aus den vergangenen Jahren und natürlich auch stolze Eltern der aktuellen Madeln. Es wurde fröhliche geratscht und getanzt und beim Absacker in der Kellerbar der Post freute man sich schon auf das nächste Jahr. Einige der gaudihalber verkuppelten Paare sollen sich angeblich schon für die nächsten Tage verabredet haben. „Schaun mer mal, ob was draus wird“ würde Kaiser Franz dazu sagen.

Von Dieter Roettig

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