Peißenberger Marktrat spricht sich gegen weitere Wohnbebauung am ehemaligen BHS-Büroturm aus

Gewerbe hat Vorrang

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Immobilienmakler Wolfgang Sartory (links im Bild) und Rainer Schwinghammer präsentierten dem vorberatenden Bauausschuss ein Modell im Maßstab 1:20. Es half alles nichts. Der Marktrat lehnte die Pläne in seiner Plenumssitzung ab.

Peißenberg – Der ehemalige BHS-Büroturm in der Bergwerkstraße ist inzwischen kaum wieder zu erkennen. Das markante Hochhausgebäude wurde noch einmal aufgestockt, zum großen Teil entkernt und an der Fassade neu gestaltet. Bis zum Sommer sollen 24 Wohnungen und fünf Büroeinheiten entstehen.

Aber eigentlich hatte Investor Rainer Schwinghammer noch viel mehr vor: Der Oberhausener Bauunternehmer legte Pläne vor, die eine Situierung weiterer, teils gewerblich, teils zu Wohnzwecken genutzter Baukörper auf dem Grundstück vorsahen. Das Zusatzprojekt wurde nun aber vom Marktgemeinderat aus städtebaulichen Gründen ausgebremst: Er verweigerte die von Schwinghammer beantragte Bebauungsplanänderung.

Die Entscheidung des Gremiums überrascht auf den ersten Blick. Die Schaffung von neuem Wohnraum wird von Peißenbergs Kommunalpolitik eigentlich generell befürwortet. Doch im konkreten Fall gibt es planungsrechtliche Probleme: Durch weitere Wohnflächen müsste das im Flächennutzungsplan als „Mischgebiet“ ausgewiesene Quartier rund um den BHS-Turm eventuell als „Allgemeines Wohngebiet“ eingestuft werden. Das will die Gemeinde aber wegen der dann noch strengeren Emissionsschutzregeln unter allen Umständen verhindern. Laut Rathausverwaltung hätte die Änderung des Gebietscharakters jedenfalls „gravierende Folgen“ für die Standorte der umliegenden Gewerbebetriebe (unter anderem „Holzner Druckbehälter“). Die Firmen müssten dann noch schärfere Grenzwerte zum Beispiel bei Lärmemissionen einhalten. Das für ein Mischgebiet charakteristische Gleichgewicht von Wohn- und Gewerbenutzung ist laut Marktverwaltung schon jetzt nur knapp eingehalten oder sogar schon knapp nicht mehr gegeben: „Wir müssen aufpassen, dass uns das Gebiet planungsrechtlich nicht kippt“, betonte Bürgermeisterin Manuela Vanni im Marktrat. Ins gleiche Horn stieß Werner Hoyer, der Fraktionssprecher der „Peißenberger Liste“: „Wenn dort überhaupt noch etwas zulässig ist, dann weiteres Gewerbe. Eine zusätzliche Wohnbebauung würde die ansässigen Firmen gängeln.“ Ähnlich sah es SPD-Fraktionschef Robert Halbritter: „Das Gewerbe muss dort einen Vorrang vor Wohnflächen haben“. Zudem attestierte er Schwinghammers Plänen hinsichtlich der Wohnbebauung eine „zu starke Verdichtung“. „Eine Ghettoisierung möchte ich dort nicht haben“, erklärte Halbritter.

Für die Zulassung von weiteren Wohneinheiten stimmten lediglich die Räte der Bürgervereinigung und Patricia Punzet (CSU/Parteilose). Die deutliche Mehrheit des Marktrats (18:4-Stimmen) sprach sich hingegen dafür aus, zwar ein Änderungsverfahren bezüglich des Bebauungsplans „Teilgebiet an der Bergwerkstraße“ einzuleiten, allerdings nur hinsichtlich der Schaffung eines weiteren Baufensters für gewerblich genutzte Einheiten. Außerdem soll die Möglichkeit zur Anlegung eines Fuß- und Radwegs von der Bergwerkstraße in das Einkaufsparkgelände an der Hochreuther Straße geprüft werden.

Von Bernhard Jepsen

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