Ärger mit Nager

Biber wird in Obersöchering »entnommen«

Ein Biber im Wasser
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In Obersöchering darf der Biber „entnommen“ werden.

Obersöchering – Biber stehen unter Artenschutz. Doch es gibt Ausnahmen, unter denen eine „Entnahme“, wie es im Beamtendeutsch heißt, erlaubt ist. In Obersöchering wird diese Ausnahmeregel derzeit angewandt.

Die einen sehen ihn als Plage. Andere als Gewinn für die Natur und Artenvielfalt. In Obersöchering fällt der Biber nach Ansicht der Verantwortlichen wohl gerade eher in die erste Kategorie. Wie Erika Breu, Mitarbeiterin der Pressestelle des Landrats-

amtes, erklärt, gebe es wegen des Tieres Probleme beim Bach, der unter der Kreisstraße WM11 durchfließt. „Wegen der Biberaktivitäten ist der Durchlauf immer verschlossen.“ Dass die Tiere hohe Schäden verursachen können, steht außer Frage. Angefressene Feldfrüchte, untergrabene Nutzflächen oder Rückstaueffekte an Gewässern. In Weilheim-Schongau sind im vergangenen Jahr über 3 600 Euro an Schäden entstanden, die vom Bayerischen Umweltministerium anerkannt und großteils ausgeglichen wurden. Wie Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Landtag erklärt, werden die Mittel für den Schadensausgleich für ganz Oberbayern von 450 000 auf 550 000 Euro erhöht.

Biber können also zu einer großen Belastung werden. Rechtfertigt das aber die Tötung der Tiere? Zumal der Biber, nachdem er im 19. Jahrhundert fast ausgerottet wurde, in Deutschland streng geschützt ist. In Bayern gibt es seit 2007 die „Grundsätze des Bibermanagements“ des Bayerischen Landesamtes für Umwelt. Und diese besagen, dass der Biber unter bestimmten Bedingungen gefangen oder auch getötet werden darf. „In Bayern dürfen Berechtigte im Zeitraum vom 1. September bis 15. März in bestimmten schadens- und sicherheitsrelevanten Bereichen (...) generell Biber fangen oder töten.“ Bei „gravierenden Schäden“, sieht das Landesamt solche Maßnahmen als gerechtfertigt. Letztlich entscheiden müssen das aber die einzelnen Kreisverwaltungsbehörden. Genauer gesagt die Unteren Naturschutzbehörden, die sich durchaus für den Schutz der Tiere einsetzen, aber eben auch den Interessen, beispielsweise denen der Landwirtschaft, gerecht werden müssen. Breu versichert auf Nachfrage, dass die Maßnahme notwendig und mit entsprechenden Experten abgesprochen sei. Zudem habe man versucht, mit „präventiven Vergrämungsmethoden“ dem Problem Herr zu werden. „Die haben aber nicht gefruchtet.“

Das Bibermanagement empfiehlt zwar eine Abgabe der Biber an Wiederansiedlungsprojekte, Zoos, Gehege oder ähnliches. Doch diese Möglichkeiten bestehen kaum. Daher wird die Tötung meist von den Unteren Naturschutzbehörden genehmigt.

Von Stephanie Novy

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