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Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in Murnau

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Von: Antonia Reindl

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Anneliese Niekamp spricht vor Zuhörern.
Seit fünf Jahren engagiert sich Anneliese Niekamp in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in München. Über ihre Arbeit sprach sie nun vor rund einem Dutzend Zuhörern und Zuhörerinnen im Gemeindesaal der Evangelischen Kirche Murnau. © Reindl

Murnau – Es sei eine Fügung gewesen, dass sie sich begegnet seien, meint Pfarrerin Simone Feneberg und blickt zu Anneliese Niekamp, eine ehemalige Murnauerin, die sich seit fünf Jahren in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in München engagiert. Niekamp zog es dank dieser Begegnung wieder zurück nach Murnau, zumindest für ein paar Stunden: Beim „Gespräch am Nachmittag“ unter dem Titel „Ein Herz für die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge“ berichtete sie im Evangelischen Gemeindesaal über ihr Ehrenamt.

Eigentlich war Niekamp aus der Kirche ausgetreten. Für ihr Engagement in der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge trat sie aber wieder ein. Wenn, dann wolle sie schon richtig dazugehören, sagt sie schmunzelnd, als man ihren Worten im Saal der Evangelischen Kirchengemeinde Murnau lauscht. In ihrer Hand hält Niekamp einen Ratgeber, der dabei hilft, eine gewisse Sicherheit im Umgang mit blinden Menschen zu gewinnen.

So einen Ratgeber habe sie damals, als sie angefangen habe, nicht gehabt, bei ihr sei es „learning bei doing“ gewesen, sagt Niekamp lächelnd und beginnt, aus dem Papier vorzulesen. Das Vorgelesene erläutert sie immer wieder und veranschaulicht es mit persönlichen Erlebnissen. „Diese Menschen sind so fröhlich, so gläubig“, sagt sie über die Personen, die sie begleitet. Die Goldene Regel im Umgang mit blinden Menschen sei Respekt, so Niekamp, die in rund eineinhalb Stunden offenlegt, wie ein Miteinander gelingen kann, ein Miteinander, in dem sich beide Seiten wohlfühlen sollen.

Unter anderem lernen die Zuhörer und Zuhörerinnen, dass man blinden Personen immer mitteilen sollte, wenn man kurz verschwindet und auch, wenn man wieder zurück sei. Mit einem leeren Stuhl möchte schließlich niemand reden. Niekamp erläutert auch, wie Begleitete durch unterschiedliche Umgebungen geführt werden können, etwa, wie man ihnen ins Auto oder in die Tram hilft oder wie man sie Treppen hinauf- und hinabbegleitet. Aber auch, wie man beschreibt, wie man auf Neues, Besonderes an einem Ort aufmerksam macht und wie man Gegenstände mit Worten im Kopf des Gegenübers situiert. „Mit da und dort“, so Niekamp, können Menschen ohne Sehvermögen wenig anfangen.

Mit anderen Sinnen

Blinde Menschen, sagt Niekamp, „reagieren auf ganz, ganz kleine Bewegungen“. Feste Griffe, anpacken, schieben, um zu helfen, das braucht es nicht und ist auch unangenehm. Unangenehm sein müssen dagegen Aussagen wie „Schau!“ oder „Wann sehen wir uns wieder?“ gegenüber blinden Menschen keineswegs. Auch sie sehen, eben „auf ihre Weise“, sagt Niekamp. Sie ertasten, hören, riechen, spüren.

Niekamp begleitet Menschen nicht nur durch den Alltag, sondern auch auf Gruppenausflügen, unter anderem ging es schon auf eine Ammersee-Fahrt oder in ein Hopfenmuseum. „Das gibt einem auch selber was, weil man sich freut, wenn sie sich freuen“, sagt Niekamp. Ihre Arbeit mache sie zufrieden. Und sie lernt dazu, etwa die Kniffs und Drehs. Ein Beispiel: Eine ältere Dame, die sie begleite, falte ihre Geldscheine. So erkennt sie schnell, welchen Schein sie aus der Börse zieht. Ein Fünfziger braucht dabei demnach eine andere Faltform als ein Zwanziger.

Welches Feingefühl sehbehinderte und blinde Menschen generell in den Fingerspitzen haben müssen, wird dann noch am Ende des Gesprächs deutlich, als Simone Feneberg Flyer verteilt, auf welchen die Anwesenden das Braille-Alphabet, also die Blindenschrift, abtasten können.

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