Autofahrer sind vorgewarnt: In Deutenhausen kommt die Laserpistole nur selten zum Einsatz

Rasern aufgelauert

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Polizeihauptmeister Gerhard Lengger misst in Deutenhausen mit der Laserpistole die Geschwindigkeit. Wer zu schnell fährt, wird angehalten. Die Anhörung erfolgt vor Ort.

Weilheim – „74 km/h. Der weiße Rover. Anhalten!“ ruft Bernd Schewe seinen Kollegen zu. Polizeihauptmeister Matthias Kluge rennt mit der Kelle auf die Straße. Die Autofahrerin fährt rechts ran und lässt die Fensterscheibe runter. Jürgen Schnitter, der dritte Polizeibeamte, stellt ihre Personalien fest und bittet die Weilheimerin, zur Anhörung zum Streifenwagen mitzukommen.

Donnerstag, 16. April. Der dritte bayerische Blitzmarathon gegen Raser ist voll im Gange. Um 9 Uhr bezieht das Team der Weilheimer Polizeiinspektion mit dem Messbeamten Gerhard Lengger an der Marnbacher Straße in Deutenhausen Position. Eineinhalb Stunden lang gibt es nichts zu beanstanden. Jedes Fahrzeug, das die Kontrollstelle passiert, hält sich an die höchst zulässigen 50 km/h. Weit und breit kein Ausreißer in Sicht. Das Fernsehteam von SAT 1, das für eine Reportage vor Ort ist, wird langsam nervös.

Da rauscht ein weißer Rover heran. Der für den Einsatz der Laserpistole speziell geschulte Polizist Lengger setzt das Messgerät an. Ein Treffer! Die erste Raserin geht ins Netz.

„Natürlich wusste ich über den Blitzmarathon Bescheid, und die Strecke kenne ich aus dem Effeff“, ärgert sich die Weilheimerin, die von auswärts kommt und geschäftlich nach Weilheim unterwegs ist. Während der Fahrt hatte sie – mit Stöpseln in den Ohren – telefoniert und den Polizeiwagen, der hinter Büschen versteckt stand, „einfach übersehen“. Trotz ihrer Einsicht – „ich fahre sonst schon sehr angepasst“ – klären die Beamten die Mittfünzigerin über die Folgen ihrer rasanten Fahrweise auf: Der Bußgeldbescheid, 80 Euro plus Gebühren – macht in der Summe 103,50 Euro – wird ihr postalisch zugeschickt, dazu kommt ein Punkt auf dem Flensburger Konto. „Haben Sie wenigstens andere auch schon erwischt?“ erkundigt sich die Weilheimerin, bevor sie sich wieder an das Steuer ihres Rovers setzt.

An „sechs bis sieben Messstellen“ lauern Beamte der Polizeiinspektion (PI) Weilheim an diesem Donnerstag den Rasern auf, wie der stellvertretende Dienststellenleiter Bernd Schewe berichtet. Bei dieser bundesweiten Aktion, die in Bayern auf eine Woche bis zum 23. April ausgedehnt wird, gehe es nicht darum, möglichst viele Autofahrer zur Kasse zu bitten, sondern ihr Problembewusstsein für zu schnelles Fahren zu schärfen. Raserei und nicht situationsangepasstes Fahren zählen zu den Hauptunfallursachen. Die Kontrollstellen, an denen geblitzt wird, wurden vorab im Internet veröffentlicht: „Alle Verkehrsteilnehmer sind vorgewarnt“, so Schewe.

Deutenhausen war 2011 mit neun Verkehrsunfällen, darunter drei Unfälle mit sieben Verletzten und einem Toten, ein Unfallschwerpunkt im Landkreis. Daraufhin wurden drei Jahre lang verstärkt Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt. Mit Erfolg: Von 2012 bis Ende 2014 gab es an der Marnbacher Straße „nur“ noch zehn Unfälle, Personen kamen dabei nicht zu Schaden.

Viele Autofahrer, stellen die Beamten der Weilheimer PI immer wieder fest, unterschätzen schlichtweg ihre Geschwindigkeit. Taucht dann plötzlich ein Hindernis auf, wird ihnen der lange Bremsweg zum Verhängnis.

Aufgepasst! Ein roter Pkw nähert sich der Kontrollstelle. Lenggers Finger umklammern die Laserpistole. Die Kollegen sind gespannt: „A bisserl Jagdfieber haben wir schon“, gesteht Schewe.

von Maria Hofstetter

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