Blut spenden in Zeiten von Corona

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Mit nur einer Blutspende kann drei Menschen geholfen werden.

Weilheim – Corona hat in den letzten Monaten einiges durcheinandergewirbelt. Gerade am Anfang war bei manchen die Sorge groß, dass die Pastavorräte zuhause nicht ausreichen könnten. Oder was passiert, wenn das Toilettenpapier ausgeht? Das führte zu leeren Supermarktregalen und einer Debatte, ob der Mensch am Ende eben doch ein Egoist ist. Aber es gab auch viele, die sich darüber Gedanken gemacht haben, wie sie anderen helfen können. Zum Beispiel indem sie Blut spenden.

Geübten Blutspendern ist es mit Sicherheit sofort aufgefallen. Blutspenden in Zeiten von Corona hat sich verändert. Wer in Weilheim zu einem Termin geht wird schon am Eingang aufgehalten. Bevor man überhaupt in das Gebäude rein darf, muss zunächst die Temperatur gemessen werden. „Wer mehr als 37,5 Grad hat darf nicht spenden“, erklärt Florian Abt vom Blutspendedienst des BRK. Eine erhöhte Temperatur sei zwar nicht zwangsläufig ein Zeichen für eine Corona-Infektion, aber es könne eben durchaus ein Hinweis darauf sein.

Ist die Temperatur in Ordnung geht es – natürlich mit Mundschutz ausgerüstet – zur Anmeldung. Blutspendeausweis eingescannt und schon geht es weiter zur nächsten Station. Ein DIN A-Blatt voll mit Ja-Nein-Fragen muss ausgefüllt werden. Fühlen Sie sich krank? Hatten Sie eine Herpesinfektion in den letzten vier Wochen? Sind sie zuckerkrank? Und so weiter. Standardfragen bei jeder Blutspende. Angegeben werden muss auch, ob man vor Kurzem im Ausland war. Dann darf für eine gewisse Zeit nicht gespendet werden, weil die Gefahr von Virusinfektionen – Magen-Darm, West-Nil, Hepatitis – erhöht ist. Seit Corona hat sich die Zahl der Länder, die als kritisch eingestuft werden, deutlich erhöht. Wer aus Corona-Risikogebieten, diese werden vom Robert-Koch-Institut festgelegt, kommt, hat vier Wochen Sperrfrist. Das erklärt Peter Bölke. Er ist als Arzt für die Voruntersuchung bei der Spende zuständig.

Doch bevor es zum Arzt geht steht noch der Hämoglobin-Test an. Hinter Plexiglasscheiben sitzen die Damen und Herren und piksen jeden Spendenwilligen in den Finger. Getestet wird, ob genügend rote Blutkörperchen im Körper sind. Die transportieren den Sauerstoff mit Hilfe des Spurenelements Eisen. Letzteres muss vor der Spende ausreichend im Körper vorhanden sein, damit die Zellen auch danach noch mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden können.

Vor allem bei Frauen sei der Wert oftmals nicht hoch genug, erklärt Bölke. Und auch Veganer, die keinerlei tierische Produkte zu sich nehmen, hätten häufig zu wenig rote Blutkörperchen.

Ist der Wert aber in Ordnung, geht es weiter zu einem kurzen Check-Up beim Arzt. Vor Corona stand hier eigentlich erst die Temperaturmessung an, um einen möglichen Infekt auszuschließen. Es werden also noch kurz Blutdruck und Puls gemessen sowie die obligatorische Frage gestellt: Haben Sie heute genug getrunken und gegessen? Gerade in den heißen Sommermonaten würden viele zu wenig Flüssigkeit zu sich nehmen, weiß Bölke. Keine gute Idee. So kann es passieren, dass der Kreislauf nach der Spende streikt.

Überdurchschnittlich

Apropos Sommer. Kommen da nicht traditionell eher weniger Spender? Laut Abt vom Blutspendedienst ist das zumindest in Weilheim mittlerweile kein Problem mehr. „Das hat sich gewandelt.“

Es gebe zwar durchaus Hochs und Tiefs, aber durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit habe es sich mittlerweile in den Köpfen verankert. Im Schnitt kommen laut Abt bei jedem Termin in Weilheim rund 120 bis 130 Freiwillige. Damit liegen die Kreisstädter sogar über dem bayernweiten Durchschnitt. Der liegt laut den offiziellen Zahlen bei 103 Spendern.

Selbst von der Pandemie haben sich die Weilheimer nicht abschrecken lassen. Ganz im Gegenteil. „Die Spendenbereitschaft war riesig“, freut sich Abt. „Damit haben wir nicht gerechnet.“ Etwa 140 bis 150 Menschen seien die letzten Male gekommen. Darunter auch etliche Erstspender. Obwohl Abt das freut, hofft er natürlich, dass es für die Neulinge nicht nur eine einmalige Sache war. „Es ist schon wichtig, dass sie auch nach Corona noch kontinuierlich spenden.“

Gerade Erstspender bräuchten auch „keine Angst“ zu haben, sagt Abt. Tatsächlich ist es halb so schlimm. Hat man die Untersuchung beim Arzt hinter sich geht‘s ab auf die Liege. Auch in der Waagerechten muss auf den Mindestabstand geachtet werden, weshalb die Liegen weit genug auseinander stehen.

Dann beginnt die eigentliche Spende. Sitzt die Nadel werden zunächst ein paar Röhrchen mit Blut gefüllt. Diese werden später genutzt, um auf Krankheiten wie HIV, Hepatitis oder Syphilis hin zu untersuchen. Einen Corona-Test gibt es übrigens nicht, wie Abt erklärt. Das Blut werde hinterher unter anderem in einer Zentrifuge bearbeitet. Dadurch würde ein etwaiges Virus zerstört. „Zudem wird das Blut nicht sofort verwendet, sondern zunächst zwischengelagert.“ Diese Zeit würde das Virus nicht überleben. Zumal das neuartige Virus im Blut bisher noch gar nicht nachgewiesen werden konnte, wie der Mediziner Bölke ergänzt. Im Blut seien lediglich die Antikörper zu finden, und die sind freilich nicht ansteckend.

Leben retten

Nach rund zehn Minuten ist der Beutel, der einen halben Liter fasst, voll. Das Blut wird in einen speziellen Kühlwagen gebracht, mit dem es dann nach Wiesentheid in Franken geht. Hier wird das Blut in verschiedene Komponenten aufgeteilt. Dadurch können folgende lebensrettende Präparate gewonnen werden: Erythrozytenkonzentrat (wird eingesetzt bei plötzlichem Blutverlust – Unfall, OP), Thromozytenkonzentrat (häufig bei Chemotherapien wichtig) und Plasmapräparate (hilft Menschen mit geschwächter Immunabwehr, starken Verbrennungen oder einer Vergiftung).

Mit nur einer Blutspende kann also gleich drei Menschen geholfen werden. Deshalb den 17. und 18. September im Kalender anstreichen. Dann kommt der Blutspendedienst wieder nach Weilheim. Mehr Infos unter www.blutspendedienst.com.

Von Stephanie Novy

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