Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) feierte kürzlich 50-jähriges Bestehen der Bodenstation Weilheim

Lichtenau – das Ohr zum Weltraum

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Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt mit Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR, vor der 30 m-Antenne der Bodenstation Weilheim.

Weilheim/Lichtenau – Die Erdfunkstelle Raisting mit ihren zahlreichen Antennen und der dominanten Kugel des Radoms ist weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt.

Dass die fast in Sichtweite aufgestellten Antennen in der Lichtenau davon unabhängig sind und eine völlig andere Aufgabenstellung haben, wissen jedoch nur wenige. Dies zu ändern und die interessierte Öffentlichkeit über den DLR-Standort und seine für die internationale Raumfahrt wichtige Bedeutung zu informieren war mit ein Grund, das 50-jährige Bestehen der Einrichtung mit einem Tag der offenen Tür zu begehen.

DLR Bodenstation Weilheim

Als am 20. November 1967 im Beisein des damaligen Bundesfinanzministers Franz-Josef Strauß der Grundstein für die einstige Zentralstation des deutschen Bodenstationssystems (ZDBS) in der Lichtenau gelegt wurde, galt dies als der Wiedereinstieg Deutschlands in die Raumfahrt und Raketenforschung, die mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen gekommen waren. Zusammen mit dem Satellitenkontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bildete es das deutsche Bodenbetriebssystem und kam 1969 beim Start des ersten deutschen Forschungssatelliten AZUR erstmals zum Einsatz. Seither wurde kräftig in den Standort investiert und die Aufgaben wurden um ein Vielfaches erweitert. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt feierte daher kürzlich bei seinem Besuch die Einrichtung mit ihrer weltweit anerkannten Raumfahrtkompetenz als das „bayerische Houston“ und „Tor der Welt zum All“.

Kommunikationslink zwischen Erde und Satelliten

Im Gespräch mit dem Kreisboten gab Martin Häusler, Leiter der Bodenstation, einen eindrucksvollen Überblick über die vielfältigen Aufgaben. „Wir sind unter anderem eine Art TÜV für Satelliten“ erklärte der studierte Nachrichtentechniker, der seit 26 Jahren bei der DLR und seit 2002 in der Lichtenau tätig ist. Hierunter ist das Testen der Funktionsfähigkeit der Satelliten unmittelbar nach dem Aussetzen in ihre Umlaufbahn zu verstehen. So werden beispielsweise derzeit alle Satelliten des europäischen Galileo-Programms geprüft, das als Alternative zum amerikanischen NAVSTAR-GPS-System aufgebaut wird. 18 Galileo-Satelliten sind bereits installiert, in der Endausbaustufe werden es 30 sein. Doch nicht nur für die Inbetriebnahme neuer künstlicher Himmelskörper spielt die Lichtenau eine wichtige Rolle, die laufende Steuerung und der Empfang von Nutzdaten sind ebenfalls bedeutende Aufgaben.

Besonders von erdnahen Satelliten mit einer Umlaufbahn zwischen 300 und 1 000 km müssen immer wieder die Positionen korrigiert werden. In der Lichtenau werden hierzu die Lagedaten erfasst und Steuersignale für die Korrekturantriebe ausgesendet. Dabei muss die Kollision mit Weltraumschrott vermieden werden. Selbst kleinste Teile müssen erfasst und kartiert werden, so dass die Satelliten umgeleitet werden können. Alle Kommandos hierzu kommen vom Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen, mit dem die Lichtenau über eine Kommunikationsleitung verbunden ist.

Der Betrieb von Satelliten ist jedoch kein Selbstzweck, viele von ihnen erfassen Nutzdaten, die an die Erde gefunkt werden, um sie weiter zu verwenden. So werden beispielsweise Radarbilder gewonnen, mit denen durch Wolken hindurch Erdaufnahmen gemacht werden können. Die Abbildung von Überschwemmungsgebieten kann damit detailgenau wiedergegeben werden, wie Christopher Buschor, Software-Ingenieur, den Besuchern erläuterte.

Doch nicht nur der Kontakt mit erdnahen Satelliten läuft über die Antennen in der Lichtenau, auch Missionen, die weit in den Weltraum hinaus reichen, führen ihre Kommunikation über den Standort. So ist derzeit ein japanischer Satellit zum Asteroiden 162173 Ryugu unterwegs, den er nach einer dreijährigen Reise erreichen soll. Das Besondere an der Mission ist, dass dann mit einer Sonde Materialproben genommen und auf die Erde zurückgeschickt werden sollen. Nach einem weiteren Jahr für den Rückflug ist die Landung für 2020 geplant. Vier Jahre für Hin- und Rückflug veranlassten Dobrindt zu der süffisanten Bemerkung, dass „die Bodenproben deutlich schneller zur Erde kommen als der Berliner Flughafen eröffnet wird“.

Die DLR und der Standort Lichtenau im Überblick

Laut Information des DLR verfügt das German Space Operations Center (GSOC) am Standort Weilheim-Lichtenau über eine Vielzahl von unterschiedlichen Antennen von 4,5 bis 30 Meter Durchmesser. Seit der Gründung 1969 konnte die Datenübertragungsrate um ein Millionenfaches gesteigert werden. „Der Standort Weilheim ist für das DLR ein wesentlicher Kommunikationslink zwischen Erde und Satelliten und damit von herausragender Bedeutung für die Raumfahrt,“ betonte Prof. Dr. Pascale Ehrenfreund, Vorstandsvorsitzende des DLR. Insgesamt beschäftigt das DLR in 33 Einrichtungen circa 8 000 Mitarbeiter an 20 Standorten. Neben der Raumfahrt sind Energieforschung in der Solartechnik, Windkraft, autonomes Fahren, Optimierung in der Verkehrstechnik, die Geräuschminimierung an Turbinen und vieles mehr Arbeitsschwerpunkte des DLR.

Von emh

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