Christian Lange initiierte die Tutzinger Brahmstage, die ab 12. Oktober wieder stattfinden

Tutzinger Brahmstage

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Christian Lange kennt sein Metier. Ob populäre Sänger oder junge Nachwuchskünstler. Die Tutzinger Brahmstage überraschen wieder mit einem vielfältigen Programm.

Ein hochinteressantes, unterhaltsames Musikprogramm erwartet die Besucher aus allen Ecken der Region und darüber hinaus zu den „Tutzinger Brahmstagen“. Der künstlerische Leiter Christian Lange hat diese Musikreihe ins Leben gerufen. Er profitiert von seinen zahlreichen direkten Kontakten in der Musikwelt. Kreisboten-Volontärin Mirjam Mögele hat ihn in Eberfing besucht.

Können Sie uns erzählen, was Sie bisher in Ihrem Leben in Verbindung mit der Musik erlebt haben? 

Christian Lange: „Ich bin mit der Musik aufgewachsen. Meine Eltern und Großeltern waren Musikliebhaber, die aktiv Veranstaltungen besucht haben, darunter die Festivals in Bayreuth und Salzburg. Nach dem Studium der Musikwissenschaft und Kunstgeschichte in Hamburg war ich vier Jahre an der Musikhochschule Wien in der Dirigentenklasse von Hans Swarowsky, und nach der Abschlussprüfung bis 1972 Klassikproduzent bei Philipps in Holland. Danach habe ich mich selbstständig gemacht und 1972 mit einer Künstlervertretung begonnen. Bis 1998 habe ich unter anderem mit dem Bariton Hermann Prey zusammengearbeitet. Jetzt habe ich eine gemeinsame Agentur mit einem spanischen Kollegen. Wir vertreten viele Sänger und Dirigenten weltweit.“ 

Wann und mit welcher Intention wurden die Tutzinger Brahmstage gegründet? 

Lange: „Ursprünglich hat die berühmte Pianistin Elly Ney die ‘Tutzinger Musiktage’ gegründet. Jedoch wurden diese eingestellt. Seit 1978 habe ich in Tutzing gelebt und im Kirchenchor gesungen. Mit dem damaligen Kirchenmusiker Franz Reißner kam ich auf die Idee, etwas für Johannes Brahms zu organisieren. Brahms verlebte 1873 einen ‘glücklichen Sommer’ in Tutzing. Der See und die Landschaft haben ihn inspiriert. So hat er dort einige bedeutende Werke komponiert. Den 100. Todestag von Johannes Brahms (Anm. d. Red.: Brahms starb am 3. April 1897) haben wir 1997 zum Anlass genommen, die Brahmstage ins Leben zu rufen. Ich habe mich stets bemüht, gute und bekannte Künstler nach Tutzing zu bringen. Mein Beruf bringt es mit sich, dass ich viele Künstler kenne, auch junge, die noch nicht so bekannt und daher bezahlbar sind. Nachdem ich die künstlerische Leitung übernommen habe, sind die Brahmstage ‘mein Kind’ geworden. In Absprache mit dem Verein gestalte ich das Programm und verpflichte die Künstler.“ 

Wie sieht das Programm der Tutzinger Brahmstage aus? 

Lange: „Die drei Sonntage im Oktober sind dem großen instrumentalen Kammerkonzert, einem Klaviersoloabend und dem Gesang gewidmet. Jedes Jahr kommt ein prominenter Künstler. Dieses Jahr der Bass Franz Hawlata, der begleitet von Fritz Schwinghammer Lieder von Brahms, Reutter, Eisler und Richard Strauss singen wird. Im ‘Galeriekonzert’ werden neue Künstler vorgestellt. Unter anderem in diesem Jahr der Klarinettist Roman Gerber aus Tutzing. Die Kombination von Brahms und Jazz kommt gut an – an einem Samstag in der Aula des Gymnasiums gibt es ‘Brahms meets Jazz’ mit dem Diogenes-Quartett und dem Jazz-Quartett von Max Grosch. Eröffnen wird die Brahmstage das prominente Trio mit Linus Roth, Violine; Daniel Ishizaka, Cello und José Gallardo am Klavier mit Werken von Brahms, Schumann und Weinberg.“ 

Wie wählen Sie die Musiker für die Brahmstage aus? 

Lange: „Ich versuche vor allem jüngere Künstler aus der Region zu verpflichten und möglichst immer eine ‘Berühmtheit’. Es kehren auch oft Künstler der ersten Stunde zurück: So ist das inzwischen weltweit bekannte Henschel-Quar- tett aus München seit 1997 häufig bei uns zu Gast. Natürlich kennen viele Franz Hawlata, den berühmten Bass der Bayerischen Staatsoper. Dieser Abend wird sicher ein Höhepunkt sein. Der gerade mal 20-jährige spanische Pianist Juan Pérez Floristán ist auf dem Sprung zur Weltkarriere und spielt ein virtuoses Programm, das der BR aufzeichnen wird.“ 

Haben Sie noch andere Projekte ins Leben gerufen? 

Lange: „Ich war unterwegs auf vielen Festivals. 1976 gründete ich mit Hermann Prey die Schubertiade Hohenems im Vorarlberg. Dazu kamen 1981 die Herbstlichen Musiktage Bad Urach. Auch hier war Hermann Prey bis zu seinem Tod 1998 der künstlerische Leiter, bis 2004 habe ich diese Aufgabe übernommen und dann an seinen Sohn Florian Prey übergeben, der diese Musiktage seitdem erfolgreich weiterführt. Schließlich war ich 1989 einer der Gründer der Richard-Strauss-Festspiele in Garmisch und bis 2005 künstlerischer Leiter. Jetzt bin ich nur noch Ehrengast und habe mich auf Tutzing beschränkt.“ 

Vielen Dank für das Gespräch.

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