Brücke Oberland leistet seit 25 Jahren Hilfe zur Selbsthilfe

Kein Schulabschluss, keine Arbeit, keine Perspektive. Dafür einige Straftaten auf dem Kerbholz. Für solche Jugendliche findet sich oft nur am Rand der Gesellschaft ein Platz. Mit dem ehrgeizigen Ziel, das zu ändern, gründeten vor 25 Jahren vier Pädagogen in Weilheim den Verein Brücke Weilheim-Schongau. Bei einem Stehempfang feierten die Verantwortlichen im Weilheimer Stadttheater das Jubiläum und die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre.

„Ohne euch hätte ich das nie geschafft“, habe sich ein von der im Jahr 2008 in Brücke Oberland umbenannter betreuter Jugendlicher bedankt, sagte Geschäftsführerin Miriam Folda. Ohne die nun 27 auf Honorarbasis arbeitenden Diplom-Sozialpädagogen und Diplom-Pädagogen habe er keine Familie gründen und sich nicht in die Gesellschaft integrieren können. „Die Jugendlichen nicht mehr bestrafen, ihnen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten“, fasst Folda den Gründungsgedanken zusammen. Durch erzieherische und thematische Projekte konnten zahlreiche Jugendliche neue Ziele setzen und auch erreichen. Mit in Kraft treten des Kinder- und Jugendhilfegesetzes im Jahr 1991 übernimmt der Verein weitere Aufgaben der öffentlichen Jugendhilfen und wird zum festen Partner von Gemeinden und Landkreisen. So trägt die Agentur für Arbeit 50 Prozent der Kosten für das Projekt „Comeback – joa to job“, bei dem Jugendliche ohne Job (joa) ihren Hauptschulabschluss nachholen können. „Wenn es die Brücke noch nicht gebe, dann müsste man sie erfinden“, lobte CSU-Landtagsabgeordnete Renate Dodell. Der Verein sei ein wichtiger Partner für den Freistaat, zumal die Aufgaben nicht weniger werden. Jugendlichen Straftätern zwischen 15 und 21 Jahren helfen die Pädagogen mit dem Projekt „Tagwerk“. „Sie können den Arrest vermeiden, indem sie eine Woche im Zentrum für Umwelt und Kultur verbringen und etwas Sinnvolles leisten“, erklärt Folda. So hätten Jugendliche im Kochelseemoor Dämme gebaut und könnten auch den Baggerführerschein bekommen. In nachträglichen Gesprä- chen wird die Woche reflektiert. „Die Jugendlichen sollen sich als Teil eines Ganzen verstehen“, ergänzt Folda, die seit zehn Jahren Geschäftsführerin bei der Brücke Oberland ist. Nahmen im Gründungsjahr etwa zehn Jugendliche die Hilfe der Brücke Oberland in Anspruch, sind es mittlerweile etwa 300 jährlich. „Dank der professionellen Helfer können Kinder und Jugendliche zufrieden leben und sich in der Gesellschaft etwas aufbauen“, dankte Weilheims Bürgermeister Markus Loth und überreichte Vereinsvorsitzender Lunz-Schmieder ein kleines Geldgeschenk. Trotz der Erfolge der vergangenen Jahre ruhte sich das Brücke-Team auch bei der 25-Jahr-Feier nicht auf seinen Lorbeeren aus und informierte sich über neueste Möglichkeiten in der Jugendhilfe. So sprach Dr. Johannes Kaspar, Kriminologische Forschung der Münchener Universität, über „Was wirkt? Vom richtigen Umgang mit Jugenddelinquenz“. Über „Welche Werte machen Stark? Impulse für die Jugendhilfe heute“ sprach Diplom- pädagogin Michaela Schmid vom Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität in Augsburg.

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