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Bilder mit lauten Botschaften

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Durch die Gegenüberstellung der Werke von Max Pechstein und Otto Dix zeigt sich die unterschiedliche künstlerische Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse beider Künstler besonders deutlich. © Maria Hofstetter

Bernried – Das Kriegsende vor 100 Jahren war und ist Anlass für Gedenkfeiern im In- und Ausland, vielfach sind sie von dem Wunsch „Nie wieder Krieg“ geprägt. Einen beeindruckenden Beitrag leistet das Buchheim-Museum mit einer Ausstellung aus eigenem Bestand. Sie zeigt zwei Bilderzyklen der Zeitgenossen Otto Dix und Max Pechstein. Beide erlebten die Grauen des Krieges hautnah und verarbeiteten sie in ihrem künstlerischen Werk.

Daniel J. Schreiber, Direktor des Buchheim-Museums, gab anlässlich der Eröffnung Einblick in die von seinem Haus durchgeführte Provenienzforschung, mit der geklärt werden soll, ob sich in den Beständen der Buchheim-Sammlung Bilder befinden, die als Raubkunst aus der NS-Zeit anzusehen sind. Während staatliche Einrichtungen verpflichtet seien, auf der Grundlage der vor 20 Jahren vereinbarten Washingtoner Erklärung die Herkunft ihrer Bestände aufzuklären, gelte dies für die Buchheim-Stiftung als private Trägerin des Museums nicht. Sein Haus erkenne jedoch die Prinzipien der Wiedergutmachung an, erwarte aber die Übernahme der Kosten für die notwendige Forschungsarbeit durch staatliche Stellen, da die Bundesrepublik Rechtsnachfolgerin des NS-Regimes sei. Letztlich hätten das Deutsche Zentrum Kulturverluste und die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern 77 Prozent der anfallenden Kosten übernommen, so dass seit 1. Oktober 2017 im Buchheim-Museum systematische Provenienzforschung betrieben wird, berichtete Schreiber.

Da Lothar-Günther Buchheim als Privatsammler keine Inventarbücher geführt habe, sei die Recherche schwierig und nur unter Einbeziehung externer Quellen möglich gewesen. Für die in der Ausstellung „Der Erste Weltkrieg in Bildern“ gezeigten Werke von Dix und Pechstein haben sich bisher keine Hinweise ergeben, „dass es sich dabei um geraubte Kunstwerke handelt“, so Schreiber.

Josef Erhard, Mitglied des Vorstandes der Buchheim-Stiftung, würdigte die Künstler als bedeutende Vertreter ihrer jeweiligen Kunstrichtungen. „Der 1881 geborene Pechstein gilt als einer der wichtigsten deutschen Vertreter des Expressionismus, während der zehn Jahre jüngere Dix sich im Laufe seines künstlerischen Schaffens vom Expressionismus hin zur neuen Sachlichkeit entwickelte“, wies Erhard auf unterschiedliche Ausdrucksformen der Bilderzyklen hin.

Beide Maler hatten als aktive Soldaten an der Somme-Schlacht 1916 in Frankreich teilgenommen, die als eine der verlustreichsten des ganzen Krieges in die Geschichte einging. Pechstein verarbeitete seine Erlebnisse in einer Aquarell-Serie, von der 25 Werke gezeigt werden. Während diese Arbeiten 1917, also noch während des Kriegs entstanden, schuf Dix seinen Radierzyklus von 50 Werken mit zeitlichem Abstand erst 1924.

In der Ausstellung sind die Bilder so gehängt, dass sich ein direkter Vergleich der Sichtweise beider Künstler ergibt. Pechstein malte seine Bilder zu einem Zeitpunkt, als das Ende des Krieges noch keinesfalls absehbar und die Schlacht in vollem Gange war. In seinem expressiven und reduzierten Malstil kommt daher die dramatische Wucht der Ereignisse besonders zum Ausdruck. Bei Dix hingegen drängt sich das Grauen des Krieges in den Vordergrund. Er zeigt das Leiden, Sterben und Verwesen in kaum zu ertragender Deutlichkeit. „Dix hat die bedeutendste Beschreibung des Krieges im 20. Jahrhundert geschaffen“, würdigte Erhard die dargestellten Exponate und stellte sie in eine Linie mit den Werken von Francisco de Goya, der seine Werke über den Krieg 100 Jahre vorher geschaffen hatte.

Das Buchheim-Museum zeigt die Ausstellung „Dix & Pechstein, der Erste Weltkrieg in Bildern“ bis 24. März 2019.

Von Maria Hofstetter 

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