Von der Tigerente bis zur künstlichen Intelligenz in der Kunst ist im diesjährigen Programm alles vertreten

Spannendes Jahr im Buchheim Museum

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V. li. Maler Erwin Pfrang mit Daniel J. Schreiber vor dem Gemälde „Das Leben der Gespenster“. Im Vordergrund Pfrangs Sohn Jacopo und auf der Couch sitzend Pfrang und seine Frau Ester Chines, eine bekannte Puppenmacherin.

Bernried – Das Jahr 2019 könnte dem Buchheim Museum der Phantasie einen neuen Besucherrekord bescheren. Denn Direktor Daniel J. Schreiber und sein Team haben ein so attraktives Programm zusammengestellt, das viele große und auch speziell kleine Kunstliebhaber verschiedenster Stilrichtungen wieder an den Starnberger See führen sollte. Bei einem Medienempfang stellte Schreiber die Highlights und ihre Protagonisten vor und machte Appetit auf mehr.

Als Schreiber im Jahr 2013 die Leitung des Museums übernahm, galt noch „das Gesetz“, dass in dem futuristischen Bau nur Werke aus der Sammlung Buchheim gezeigt werden dürfen. Das änderte der Kunsthistoriker kurzerhand. Er revidierte das ursprüngliche Konzept und öffnete das Haus für andere Künstler und Sammlungen. Er berief sich dabei auf den großen Meister Buchheim, der sich stets über die „Museen der Trägheit“ oder die „starren Präsentationen von Kunstschätzen“ ereifert hatte. Buchheim wollte vielmehr ein „lebendiges Museum“. Dass dies Schreiber mit prominenten Sonderausstellungen und Aktionen mehr als gelungen ist, beweisen die von Jahr zu Jahr steigenden Besucherzahlen, die sich bereits kurz nach seinem Amtsantritt verdoppelt hatten.

Pfrang in New York und Bernried

Ehrengast beim Medienempfang war der malende „Münchner Wahlberliner“ Erwin Pfrang (67), der mit seiner Frau Ester Chines die Gäste persönlich durch den großen Sonderausstellungssaal mit seinen Gemälden der vergangenen zehn Jahre führte. Der Maler wurde berühmt, als ihm die New York Times 1992 ein „brillantes Solodebüt“ für seine Zeichnungen zum Roman „Ulysses“ des irischen Schriftstellers James Joyce bescheinigte. 1994 stellte Pfrang in der Neuen Pinakothek München seinen Zyklus „Odysseus und kein Ende“ aus. Das New Yorker Museum of Modern Art MoMA erwarb 2002 seine Reihe „Colazione con Sant‘Agata“ und 2007 wurden in der Münchner Pinakothek der Moderne seine mit Tusche bezeichneten Ziegenhäute zu „Hades“ bestaunt. Pfrang-Werke findet man in den bedeutendsten Sammlungen und Galerien der Kunstwelt und jetzt bis zum 23. Juni im Buchheim Museum. Mit dem Motto „Gedacht durch meine Augen“ ist Pfrang seinem Joyce treu geblieben. Er sammelt in seinen wuchtigen Bildern Eindrücke aus der alltäglichen Anschauung, dem unmittelbar Erlebten, bei einem Blick aus dem Fenster oder in den Spiegel. Die lässt er dann in seine pompösen kompositorischen Muster einfließen.

Janosch und die Tigerente

Gemeinsam mit der Filmproduzentin Irina Probost stellte Schreiber die familienfreundliche Ausstellung „Janosch und seine glücklichen Kinder“ vor, die vom 13. Juli bis zum 3. November nach Bernried einlädt. In der Schau wird das Lebenswerk des beliebtesten deutschen Kinderbuchautors und Illustrators Horst Eckert alias Janosch (88) erlebbar gemacht, der ab 1960 zwanzig Jahre lang in Greifenberg am Ammersee gewirkt hat. Gezeigt wird der Werdegang von seinen Aquarellen bis zu den von Probost produzierten Kino- und Fernsehfilmen sowie natürlich alle Janosch-Schöpfungen vom knurrigen Herrn Wondrak über Papa Löwe, Schmuddel und natürlich der Tigerente.

Kunst und künstliche Intelligenz

Wie passen künstliche Intelligenz und Kunst zusammen? Wolfgang Reuter von UnternehmerTUM erläuterte, wie das die Buchheim-Besucher vom 6. April bis zum 7. Juli selbst ausprobieren können. Mit einem Computerprogramm duelliert man sich in der Künstlererkennung. Der Algorithmus kann dabei unbekannte Bilder mit einer Genauigkeit von 90 Prozent dem jeweils richtigen Maler zuordnen. Eine weitere Station beschäftigt sich mit dem kreativen Akt des Malens. Hier können die Besucher eigene Handyporträts in Gemälde im Stil berühmter Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner oder Pablo Picasso verwandeln.

Wunderwelt Bernried kann starten

Bernrieds Bürgermeister Josef Steigenberger konnte Erfreuliches bekannt geben. Die Zuschüsse aus dem EU-LEADERprogramm seien bewilligt worden und „jetzt können das Buchheim Museum und die Gemeinde Bernried zu einer Wunderwelt zusammenwachsen.“ Das einzigartige Kunst-Infrastrukturprogramm soll die Besucher auch in das nahe Dorf locken und umgekehrt soll die örtliche Bevölkerung das Museum mehr wahrnehmen. Steigenberger betonte ausdrücklich, dass dazu der Schilderwald nicht „aufgeforstet“ wird. Vielmehr werden die Besucher durch künstlerische Attraktionen geleitet. Die Region soll durch einen neuen, sanften „Kulturtourismus“ gestärkt und durch die neue Freizeitinfrastruktur auch für die Bewohner attraktiver werden. Das Museum müsse noch mehr mit dem Ort Bernried und der Umgebung zusammenwachsen. Steigenberger und Schreiber hoffen auf die Fertigstellung in zwei Jahren.

Tanz in den Mai

Stilbruch oder Öffnung für ein neues Publikum? In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai verwandelt sich das Buchheim Museum in eine Großdiskothek. Die Besucher können bei einem kreativen Musikmix von DJ Ruben mit Bossa Nova, Oriental, Sirtaki, Hip Hop, Electro Swing und „Folxmusik“ die Tanzbeine schwingen. Schlussendlich muss noch erwähnt werden, dass neben den vorgestellten Sonderthemen die Gemälde der „Brücke“-Sammlungen Gerlinger und Buchheim weiterhin zu sehen sind – ebenso wie die anderen Ausstellungen.

Von Dieter Roettig

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