Das weite Feld der Unvernunft

Großmeister der Komischen Kunst im Buchheimmuseum

Buchheim-Museum Gemälde Rudi Hurzlmeier
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Vor einem seiner skurrilen Monumentalgemälden diskutieren hier Rudi Hurzlmeier, Kurator Reinhard G. Wittmann und Daniel J. Schreiber, der Direktor des Bernrieder Buchheim-Museums (von links).
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Bernried – Lothar-Günther Buchheim war einerseits ein streitsamer Poltergeist, andererseits ein humorvoller Zeitgenosse, der zum Lachen nicht unbedingt in den Keller ging. Für sein „Museum der Phantasie“ wünschte er sich ausdrücklich „sehr verrückte Ausstellungen“ neben seinen geliebten Expressionisten. Direktor Daniel J. Schreiber hat ihm den Wunsch posthum erfüllt mit umfangreichen Werkschauen von Janosch oder Gaymann und jetzt aktuell mit Rudi Hurzlmeier, dem Großmeister der Komischen Kunst.

Bis zum 25. September sind über 200 seiner Arbeiten zu sehen, darunter Cartoons, satirische Zeichnungen und vor allem Gemälde. Dabei überrascht seine an die Münchner Schule des 19. Jahrhunderts anknüpfende, jedoch ins Surreale spielende Landschafts- und Genremalerei mit sehr subtilen Pointen. Dieser altmeisterliche Stil steht in wundervollem Kontrast zum lässigen Witz der Bildinhalte. Man nennt Hurzlmeier zu Recht den Begründer der Komischen Malerei.

Bekannt wurde Hurzlmeier freilich durch seine frechen Porträts von Thomas Gottschalk, Mick Jagger oder diversen Diven und lebenden Legenden. Und natürlich auch durch seine vielen Titel und Cartoons, die er für namhafte Zeitschriften zeichnete: Unter anderem für BUNTE, Penthouse, P.M.-Magazin, HÖRZU und immer wieder für das Satiremagazin TITANIC. Daneben entstanden über vierzig Bücher und Kataloge. Er erhielt mehrmals den deutschen Karikaturenpreis, dazu den Sondermann-Preis für Komische Kunst, den Göttinger Elch und den Ernst-Hofrichter-Preis. In mehr als hundert Ausstellungen im In- und Ausland konnte man bislang seine Werke bewundern.

Wie jetzt im Buchheim-Museum. Hier sind seine Bilder weder chronologisch noch nach Gattungen gegliedert, sondern nach thematischen Aspekten des weiten Felds seiner Absurditäten. Die sehenswerte Bilderschau wurde kuratiert von Reinhard G. Wittmann und entstand in Kooperation mit dem Forum „Humor und komische Kunst“. Sie gilt als Auftakt des Bernrieder Humorfestivals vom 1. Juli bis zum 18. September. Buchheim-Direktor Schreiber erinnerte sich bei der Vorbesichtigung der Ausstellung, wie er Rudi Hurzlmeier kennengelernt hat: Bei den Live-Aktionen des Karikaturisten Gaymann stand stets unauffällig ein sehr interessierter Mann mit wirrem Haarschopf im Publikum, nämlich Rudi Hurzlmeier. Da Haare laut Schreiber eine „Signalfunktion“ haben, kam er mit ihm ins Gespräch. Schnell entpuppte sich die neue Bekanntschaft als ein Glücksfall für das Museum.

Mit humorvollen Porträts wie hier von Thomas Gottschalk wurde Rudi Hurzlmeier bekannt. Diese und weitere Karikaturen sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Hurzlmeier lobt die „unglaublich harmonische Zusammenarbeit“ mit Daniel J. Schreiber, der ihm alle Freiheiten für die Ausstellung gewährt hat. In der Ausstellung hängt übrigens auch ein unvollendetes Werk Hurzlmeiers. Immer wieder wird er dort arbeiten. Wer ihm dabei zuschauen will, kann die Termine auf der Webseite des Buchheim-Museums erfahren.

Rudi Hurzlmeier, Jahrgang 1952, war nach dem Abbruch seiner „Schullaufbahn“ unter anderem als Dekorateur, Krankenpfleger, Koch, Kulissenbauer, Antiquitätenhändler und als Gagschreiber für bekannte Comedians tätig. Nebenbei studierte er autodidaktisch Komische Künste und zeichnete ab 1980 erste Cartoons für die „Münchner Stadtzeitung“. Ab da ging seine Karriere steil nach oben.

Hurzlmeier lebt und arbeitet überwiegend in München. Mit seiner Frau Gabriella Watenphul hat er zwei Söhne, die ebenfalls Künstler sind. In der Buchheim-Ausstellung klingt seine Vita unter einem Selbstporträt viel knackiger: „Anfangs das Übliche – Geburt, Kindheit, schön war die Jugendzeit – und so fort… Danach weiter am Ball – mal hier, mal da. Ansonsten keine seltsamen Vorkommnisse.“

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