Nur noch Onlineverkauf

Buchmarkt der Weilheimer Rotarier schließt für immer

Peter Handel, Helmut Hornung sowie Ursula und Dr. Gerhard Hauer von den Weilheimer Rotariern.
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Die letzten Bücher werden aus den Regalen geholt. Peter Handel (v.li.), Helmut Hornung sowie Ursula und Dr. Gerhard Hauer bedauern das Ende des Buchmarkts in Weilheim.
  • vonStephanie Novy
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Weilheim – „Uns blutet das Herz.“ So äußern sich die Beteiligten zum Ende des Buchmarkts am Standort Am Weidenbach. Geschmökert werden kann nicht mehr. Buchspenden nimmt der Rotary Club Weilheim aber dennoch an.

Trostlos wirkt der rund 170 m2 große Raum. Die Regale sind leer. Kein einziges Buch findet sich mehr. Vor Corona haben sich hier noch bis zu 300 Menschen an den Verkaufstagen eingefunden, sind die Regale abgelaufen. Krimis, Naturwissenschaft, Antiquitäten. Hier konnte wirklich jeder etwas finden. Und das zu einem kleinen Preis. „Das war das große Ziel des Buchmarkts. Dass jeder die Möglichkeit hat, ein Buch zu kaufen“, erinnert sich Ursula Hauer, die zusammen mit ihrem Ehemann Dr. Gerhard Hauer unzählige ehrenamtliche Stunden in den Buchmarkt investiert hat und dies immer noch tut. Denn die Bücher werden noch auf verschiedenen Portalen online verkauft.

Das vergangene Jahr mussten erhebliche Kosten gestemmt werden, erklärt Peter Handel, Vorstandsmitglied des Sozialfonds der Rotarier. Die Miete musste weiter gezahlt werden. Die Einnahmen fehlten. „Und es gibt keine Perspektive, wann wir wieder öffnen können“, sagt Handel. Denn Abstand halten sei in den Räumlichkeiten nur schwer möglich. Und so schließt der Buchmarkt nach 16 Jahren für immer seine Türen. Dabei war die Aktion nicht nur für Bücherhungrige ein Gewinn. Mit den Einnahmen wurden über die Jahre unzählige soziale und kulturelle Projekte gefördert. Sowohl lokal als auch weltweit. So wurden unter anderem das Netz gegen sexuelle Gewalt in Weilheim, das Pollinger Hospiz, der Gmünder Hof oder auch der Bau der ersten Behindertenwerkstätte in der Türkei unterstützt.

Doch obwohl der Buchmarkt in seiner bisherigen Form nicht mehr existiert, nehmen die Rotarier weiterhin Bücher an. Schon seit 2016 verkaufen sie auch auf diversen Onlineportalen. Und das werden sie beibehalten. Nach wie vor können Bücher, Schallplatten, CDs und DVDs abgegeben werden. „Bücher wegwerfen geht einem an die Nieren“, sagt Gerhard Hauer. Die Rotarier würden sich bemühen, die Bücher sinnvoll weiter zu verwenden. Wobei nicht alle gespendeten Schmöker verkauft werden können. Manche seien in einem so schlechten Zustand, dass sie nur noch als Altpapier taugen. Doch auch durch das Recyceln nehmen die Rotarier Geld ein.

Wer den Club unterstützen möchte, kann Montag bis Samstag von jeweils 8 bis 18 Uhr seine ausgemisteten Medien kontaktlos in der Johann-Baur-Straße 24 abgeben. Dafür einfach die Kiste im offenen Raum auf der rechten Seite abstellen. Weitere Infos auf der Webseite des Sozialfonds.

Der Buchmarkt in Zahlen:

  • 2004: Gründung des Buchmarkts in der Waisenhausstraße in Kooperation mit der Weilheimer Caritas.
  • 2012: Umzug in das Gebäude der Arbeitsagentur.
  • 2016: Der Buchmarkt findet seine Bleibe Am Weidenbach und verkauft auch an diverse Onlineportale.
  • 25 000 Medien umfasst das Sammelsurium derzeit etwa.
  • 300 Personen aus Weilheim und dem Umland kamen an den einzelnen Verkaufstagen.
  • 100 000 Bücher wurden 2019 gespendet. Diese wurden teilweise als Altpapier recycelt.
  • 8 000 Bücher wurden 2019 über den Buchmarkt verkauft, 18 000 auf Onlineportalen.
  • 40 000 Euro haben die Rotarier damit 2019 eingenommen. Die Hälfte davon wurde für Miete und Steuern verwendet.
  • 300 Tage hat das Ehepaar Hauer 2019 in den Buchmarkt ehrenamtlich investiert.

Von Stephanie Novy

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