Abend im Zeichen der Geschichte

Markt Murnau stellt das Buch »Es kommen kalte Zeiten. Murnau 1919-1950« vor

Menschen im Saal
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Das Publikum lauschte aufmerksam dem Bericht des Zeitzeugen Werner Kraus (im Video auf der Leinwand), den Dr. Edith Raim (auf der Bühne rechts) während ihrer Buchpräsentation zu Wort kommen ließ.

Murnau – Der Abend der Buchvorstellung war geprägt von bewegenden Wortbeiträgen, einem aufmerksamen Publikum und Zeugnissen aus der Zeit zwischen 1919 und 1950 in Murnau.

„Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Werner Kraus, Zeitzeuge aus Murnau, in einem Interview mit dem Marktarchiv zur Zwischenkriegszeit in Murnau 2004. Bittere Armut in Murnau, nagender Hunger und die Sympathie der Presse mit den Nationalsozialisten beschreibt er eindringlich. Ausschnitte aus diesem Zeitzeugen-

interview zeigte Dr. Edith Raim während der Vorstellung ihres Buches „Es kommen kalte Zeiten“.

„Die Demokratie zu verteidigen, dazu gibt es keine Alternative!“, sagte Bürgermeister Rolf Beuting in seiner Rede, in der er darlegte, wie bestürzt er war, bei der Lektüre des Buches zu erkennen, „dass sich bereits kurz nach der Gründung der Republik eine rechtsextreme Szene in Murnau festsetzen konnte.“ Weiter sagte er: „Ich halte es für fundamental, sich seiner Vergangenheit zu stellen und sich damit auseinanderzusetzen.“ Dr. Ulrike Haerendel, Wissenschaftliche Referentin an der Universität der Bundeswehr München, lobte „den echten Willen der Gemeinde, die eigene Geschichte aufzuarbeiten“ sowie Dr. Raims detaillierte Forschungsarbeit. „Hier wurde nicht einfach nur ein Auftrag ausgeführt, dieses Buch ist mit Herzblut und Courage geschrieben“, so Dr. Haerendel in ihrer Laudatio. Wie zuvor Bürgermeister Beuting zog auch sie aus dem Buch Parallelen zur Gegenwart und ermahnte: „Lassen wir nicht zu, dass die Zeiten wieder kalt werden!“

Die Autorin und Historikerin Dr. Raim gab einen Überblick über ihre dreijährige Forschungsarbeit sowie über die Inhalte der Publikation und der gleichnamigen Sonderausstellung im Murnauer Schloßmuseum (verlängert bis November 2021). In ihrem Vortrag legte sie eindrücklich und leicht verständlich dar, was sich in Murnau und dem Oberland in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg bis 1950 abspielte. Das Publikum lauschte aufmerksam und interessiert. Coronabedingt konnten nur 80 Personen im großen Saal des Kultur- und Tagungszentrums sowie auf der Empore teilnehmen, doch sie sorgten für einen tosenden Applaus am Ende der Veranstaltung.

Der Markt Murnau ist mit der Aufarbeitung der NS-Zeit in Murnau nun einen großen Schritt weiter, diese ist aber „noch nicht abgeschlossen“, so Bürgermeister Beuting. „Als nächstes wollen wir uns mit unseren Ehrenbürgern und den Trägern der Bürgermedaille kritisch auseinandersetzen.“

Von Kreisbote

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