Seenotrettung als Pflicht

Bündnis für Menschlichkeit Starnberg Weilheim-Schongau stellt sich vor

Menschen, Podium
+
Kapitän Benedikt Funke bei seinem Vortrag.

Region – Im evangelischen Gemeindesaal in Starnberg stellte sich kürzlich das landkreisübergreifende „Bündnis für Menschlichkeit Starnberg Weilheim-Schongau“ vor. 

Aufgrund der Coronabeschränkungen waren nur 50 BesucherInnen zugelassen. Dr. Stefan Koch, evangelischer Pfarrer in Starnberg und Gründungsmitglied, erläuterte zu Beginn des Abends die Entstehungsgeschichte des Bündnisses.

Auf Initiative von Petra Fontana aus Starnberg trafen sich Anfang des Jahres engagierte Menschen aus den Landkreisen Starnberg und Weilheim-Schongau, die schon lange mit großem Unbehagen das Sterben im Mittelmeer und die Politik der Europäischen Union an den europäischen Außengrenzen verfolgen. Schnell war ein Name gefunden: „Bündnis für Menschlichkeit Starnberg Weilheim-Schongau.“ Das Bündnis entschloss sich, Partner des Aktionsbündnisses der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) united4rescue zu werden.

Fontana erläuterte: Eine beim evangelischen Kirchentag in Dortmund im Juni 2019 verabschiedete Resolution hatte die Evangelische Kirche in Deutschland aufgefordert: Schickt selbst ein Schiff! Der Forderung hatten sich in der Folge mehr als 40 000 Menschen angeschlossen. Rat und Synode der EKD hatten dann Anfang November 2019 beschlossen, sich dieser Aufgabe im Rahmen eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses zu stellen: united4rescue. Ihm gehören Kirchen, Vereine, Hilfsorganisationen, Firmen und politische Initiativen an. Im Januar 2020 wurde durch Spenden der Kauf des Bündnisschiffes ermöglicht. Dieses Schiff, die „Seawatch 4“, konnte coronabedingt erst im August auslaufen und hat aber schon in ihrem ersten Rettungseinsatz über 300 Menschen aus Seenot retten können.

Zu diesem ersten öffentlichen Abend hatten Fontana und ihre Mitstreiter Benedikt Funke aus Bad Tölz und Sandra Gassert aus Penzberg eingeladen. Funke als Kapitän verschiedener Rettungsschiffe, zuletzt der Iuventa, und Gassert als evangelische Seelsorgerin für die Crewmitglieder der Schiffe. Beide schilderten, wie ihre Arbeit in der privaten Seenotrettung aussieht. Gassert betonte, dass nicht nur die Geretteten Hilfe brauchen, sondern auch die Menschen, die auf den Rettungsschiffen arbeiten. Sie sind höchsten psychischen sowie physischen Belastungen ausgesetzt.

Funke studierte Nautik in Bremen. Er hat bereits die ganze Welt umschifft – als Offizier auf Container- und Kreuzfahrtschiffen sowie in verschiedenen privaten Projekten – bevor er Kapitän auf dem Rettungsschiff Iuventa wurde. Sehr nachdenklich stimmte sein Rückblick, wie es überhaupt zu der heutigen Situation der Seenotrettung gekommen ist. Die EU komme ihrer humanitären Verpflichtung der staatlichen Seenotrettung nicht nach. Auch die Bundesrepublik Deutschland trage eine große Verantwortung dafür. „Wir schaden uns doch selbst, wenn wir es zulassen, wie die Werte Europas im Mittelmeer verraten werden“ so Funke. Außerdem fordert er, dass die EU sofort die Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache beenden müsse. Seenotrettung sei eine Pflicht und kein Verbrechen. Die Bilder, die im Laufe der Vorträge gezeigt wurden, verdeutlichten die Dramatik und die Dimension menschlichen Leids auf dem Mittelmeer. Musikalisch begleitet wurde der Abend von Jo Jasper aus Nürnberg. Das landkreisübergreifende „Bündnis für Menschlichkeit Weilheim-Schongau“ wird weiter für die Entkriminalisierung der privaten Seenotrettung kämpfen und sich dafür einsetzen, dass sich beide Landkreise zu sogenannten sicheren Häfen erklären. Aktuell konnten die Veranstalter berichten, dass sich die Gemeinde Tutzing (Starnberg) zum Sicheren Hafen erklärt hat – sogar mit einstimmigem Votum im Gemeinderat.

Von Kreisbote

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Feldscheune in Weilheim komplett niedergebrannt
Feldscheune in Weilheim komplett niedergebrannt
BRK in Weilheim startet mit Angebot von Corona-Schnelltests
BRK in Weilheim startet mit Angebot von Corona-Schnelltests

Kommentare