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Bürgerbegehren gegen Energiezentrale am Standort Kranlöchl

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Von: Stephanie Novy

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Kranlöchl Energiezentrale
Das neu gegründete Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim hält den aktuell geplanten Standort für die Energiezentrale für ungeeignet. © Stadtwerke Weilheim

Weilheim – Einige Weilheimer Bürgerinnen und Bürger haben das Aktionsbündnis Grüngürtel Weilheim gegründet und treten direkt mit einem Bürgerbegehren zum geplanten Heizkraftwerk im Kranlöchl an die Öffentlichkeit. Man will erreichen, dass die Energiezentrale an einem anderen Standort realisiert wird. Ab sofort können alle Wahlberechtigten aus Weilheim unterschreiben.

Der Kreisbote hatte bereits über einen Offenen Brief berichtet, der an den Stadtrat ging. Darin brachten Karin Knöthig und Stefan Schwaller, die beide bei der Bürgerinitiative Heimat 2030 aktiv sind, Kritik am geplanten Standort für die Energiezentrale Kranlöchl an. Jetzt kam die Meldung: Es hat sich ein neues Aktionsbündnis gegründet, das nun Unterschriften für die Suche nach einem Alternativstandort sammeln möchte.

Wie berichtet, soll die Energiezentrale auf dem Gelände der Gärtnerei Lotter, an der Kranlöchlallee, entstehen. Das Aktionsbündnis spricht in einer Pressemitteilung von einem „Hackschnitzel-Heizkraftwerk mitten im Naherholungsgebiet um den Dietlhofer See“. Und weiter heißt es: „Dieser Standort würde nicht nur über 500 Meter zusätzliche Fernwärmeleitungen erfordern, sondern auch den Transport von Hackschnitzeln und Asche mit LKW über beliebte Spazierwege: die Kranlöchlallee und den Weg am Skaterplatz und Tennisclub vorbei bis in den Wald. Auch könnte die Lage in einer Senke am Westhang des Landschaftsschutzgebietes Hardt bei Inversionswetterlagen problematisch werden.“

Allerdings ist es dem Aktionsbündnis wichtig zu sagen, dass es nicht grundsätzlich gegen „eine Wärmeversorgung mit erneuerbaren Energien“ sei. Man plädiere „aber für einen Standort, der an bestehende Straßen und das Stadtgebiet angebunden ist“. Als besser geeignet sieht das Aktionsbündnis den Glascontainer- und Bolzplatz am Narbonner Ring. Diese seien „ohne stichhaltige Begründung bereits im Vorfeld ausgeschlossen“ worden.

Das Aktionsbündnis sieht in dem aktuell vorgesehen Standort auch Gefahren für Menschen. „Der Hackschnitzeltransport soll mit großen LKWs direkt neben dem Schlittenhügel, am Skaterplatz und Tennisstüberl vorbei, über den schmalen Waldweg erfolgen. Hier sind nicht nur viele Spaziergänger unterwegs, sondern auch spielende Kinder, die gefährdet werden“, merkt Eva Maria Engel, Sprecherin des neuen Aktionsbündnisses, an. Außerdem müssten für diese Planung nicht nur das dortige Biotop und die bewirtschafteten Gemüsegärten vernichtet, sondern auch das Wohnhaus der Gärtnerei abgerissen werden. „Das Ehepaar hat von der Planung aus der Zeitung erfahren, sie sind seit einem Jahr im Unklaren über ihre Zukunft“, so Engel. Den Mietern sei nach 34 Jahren zum 31. Juli gekündigt worden.

Konkrete Forderung

Die Fragestellung des Bürgerbegehrens lautet deshalb: „Sind Sie dafür, dass die Stadt Weilheim alle rechtlich zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreift, um die 26. Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes für eine Sonderbaufläche ‚Energiezentrale Kranlöchl‘ zu verhindern und darauf hinwirkt, dass das geplante Bauvorhaben der Stadtwerke Weilheim an einem Standort auf einem anderen städtischen Grundstück unmittelbar am Narbonner Ring vorangetrieben wird?“

Langfristiges Ziel des Aktionsbündnisses ist es nach eigener Aussage, die Naherholungsgebiete rund um Weilheim zu erhalten. „Schnell und ohne Auto erreichbare Natur, die Raum bietet zum Erholen und Sport treiben, bedeutet einfach Lebensqualität“, meint Mitstreiterin Knöthig. Diese Gebiete sollen durch einen im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Grüngürtel geschützt und der Flächenfraß eingedämmt werden. Das Aktionsbündnis sieht darin einen Beitrag zum Gesundheits- und Klimaschutz, zur Verkehrsvermeidung und zum Erhalt der Artenvielfalt. Weitere Infos gibt es online unter www.gruenguertel-weilheim.de.

Zu dem neuen Aktionsbündnis haben sich auch die Stadtwerke als Vorhabensträger der Energiezentrale geäußert. Vorstand Peter Müller erklärte gegenüber dem Kreisboten: „Ich finde es schade, dass durch die geforderte Standortverschiebung Richtung Narbonner Ring versucht wird, das gesamte Fernwärmeprojekt zu Fall zu bringen, denn die betroffenen Anwohner unmittelbar südlich des Narbonner Rings werden einen zu ihnen hin verschobenen Standort nicht hinnehmen, wenn es einen besseren Standort weiter nördlich gibt. Das dürfte zwangsläufig zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen führen, was die Wärmezukunft in Weilheim mit günstiger regionaler Wärme jedenfalls keinen Millimeter weiter bringen wird.“

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