Bürgerheim mit oder ohne Balkone? – Energetische Sanierung der Fassade steht an: Stadtrat vertagt Entscheidung

Balkone erhöhen den Wohnwert, haben aber auch ihren Preis. Im Zuge der energetischen Fassadensanierung kommen jetzt die Loggien im städtischen Bürgerheim auf den Prüfstand. Zwei Umbauvarianten waren in der Diskussion, eine dritte soll nun bis zur nächsten Stadtratssitzung Ende Juli vom Architekten überprüft werden.

Die bestehenden Loggien (teilweise) erhalten, durch „französische Balkone“ ersetzen oder an der neuen Holzfassade vorgelagerte Balkone anbringen? Diese Frage stellt sich beim Bürgerheim, wo die Holzfenster an den Loggien ausgetauscht werden müssen, weil sie den energetischen Anforderungen längst nicht mehr gerecht werden. Die Elemente sind teils isolierverglast. Ein weiteres Problem: Zwischen Wohnraum und Balkon befindet sich jeweils eine 15 Zentimeter hohe Schwelle, die für Senioren mit Gehproblemen kaum passierbar ist. Nach Aussage von Heimleiter Rainer Schlosser können deshalb nur 40 Prozent der Bewohner ihre Balkone tatsächlich nutzen. Anstatt die 110 Loggien zu belassen, die Fenster auszutauschen und einen Vollwärmeschutz anzubringen (Variante A), hatte sich der Bauausschuss für Variante B ausgesprochen. Sie sieht eine neue gedämmte Fassade in Holzkonstruktion mit französischen Balkonen vor. Der Vorteil: Größere Zimmer. Architekt Reiner Klier hält diese Lösung aus energetischen Gesichtspunkten für effektiver. Zunächst, so die einhellige Meinung des Bauausschusses, sollte Bauteil D mit französischen Balkonen ausgestattet und später über einen möglichen Umbau in den Gebäudetrakten C und E abgestimmt werden. Als das Thema am 2. Juli im Stadtrat zur Entscheidung anstand, konnte sich das Plenum auf keine der beiden Varianten einigen. Als dritte Option wurden noch der neuen Holzfassade vorgehängte Balkone – laut Architekt Klier technisch grundsätzlich machbar, aber entsprechend teuer – ins Gespräch gebracht. Die Investitionskosten müssen auf alle Heimbewohner umgelegt werden, auch wenn beim Umbau nicht jedes Zimmer einen Balkon erhält, erklärte Heimleiter Schlosser den Stadträten. Variante B mit den französischen Balkonen käme zwar zunächst teurer, sei für die Zukunft aber wirtschaftlicher, ist Schlosser überzeugt. Ein Mischmodell (Zimmer mit und ohne Balkon) sei bei der Vergabe der Zimmer nicht steuerbar, gab Bürgermeister Markus Loth (BfW) zu bedenken. Dr. Peter Ertl (CSU), der regelmäßig Visite im Bürgerheim macht, hält ein solches Modell aber durchaus für möglich und findet, dass die Balkone von den Senioren sehr wohl genutzt werden. „Wir haben uns die Entscheidung im Ausschuss bestimmt nicht leicht gemacht“, meldete sich Bürgerheim-Referent Anton Schreitt (CSU) in der Debatte zu Wort. Viele Bewohner müssten „mit jedem Cent rechnen“ und könnten die Balkone oft gar nicht mehr nutzen. „Die Leute gehen immer später ins Bürgerheim“, hat Schreitt festgestellt. Für ihn sind deshalb französische Balkone am gesamten Gebäude der beste Kompromiss. Schreitts Parteikollegin Uta Orawetz forderte eindringlich, die Entscheidung noch einmal gründlich zu überdenken. „Wenn es die Möglichkeit gibt, sollten wir die Wünsche der Bewohner berücksichtigen und Mehrkosten in Kauf nehmen“, plädierte sie. In die Zukunft gedacht könne sich die Stadt mit den Balkonen gegenüber anderen Heimen auch noch einen Wettbewerbsvorteil sichern. Von den BfW-Stadträten Jochen Knittel und Dr. Norbert Vidal kam der Einwand, dass die Balkone in der Diskussion „überbewertet“ werden. Die kurze Sitzungsunterbrechung reichte den Stadträten nicht zur Meinungsbildung. Das Ingenieurbüro soll jetzt die Kosten für Variante C berechnen. Ende Juli, drängte der Bürgermeister, müsse die Entscheidung fallen. Nach den Ausführungen des Energieberaters Reinhard Ryba kann die Stadt nur dann mit günstigen KfW-Krediten rechnen, wenn der gesamte Gebäudekomplex saniert wird.

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