Bürgermeister gedenken Luise Rinsers 100. Geburtstag

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ROLAND HALMEL; Wessobrunn – Mit einer Kranzniederlegung gedachten Landsbergs Bürgermeister Ingo Lehmann (mi.), sein Stellvertreter Norbert Kreuzer und sein Wessobrunner Amtskollege Helmut Dinter (re.) dem 100. Geburtstag von Luise Rinser. Die am 30. April 1911 im Landsberger Ortsteil Pitzling geborene Schriftstellerin ist im Klosterdorf begraben. Am Sonntag, 15. Mai, wird in Wessobrunn im Rahmen eines Jubiläumswochenendes ein Denkmal für die Literatin im Rathausgarten eingeweiht. Daneben gibt es im Seminarhaus in Schönwag verschiedene Veranstaltungen, die sich vom 13. bis 15. Mai dem Werk der Schriftstellerin widmen. Unter anderem wird dabei José Sanchez de Murillo, der vor kurzem eine neue Rinser-Biografie vorstellte, zugegen sein. Nach der Kranzniederlegung gab es bereits eine Feierstunde in Landsberg für die erste Kulturpreisträgerin der Lechstadt, die sich zudem für die Städtepartnerschaft mit ihrer italienischen Wahlheimat in Rocca di Papa stark gemacht hatte. Von UOS; Landsberg – Am vergangenen Samstag wäre Luise Rinser 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass würdigte das Kulturamt der Stadt Leben und Werk der in Pitzling geborenen Schriftstellerin mit einer Feierstunde im Historischen Rathausfestsaal. Vor rund 50 Besuchern referierte der ehemalige Oberbürgermeister Franz Xaver Rößle in sehr persönlichen Worten über die durchaus schwierige Tochter der Stadt – „eine Person mit viel Licht und Schatten, mit großem Können und überraschenden Grenzen, mit großer Kraft und manchen Schwächen“. Rinser, die ab 1959 hauptsächlich in Italien lebte, unterhielt rege Kontakte nach Landsberg, fühlte jedoch keine intensive Verbundenheit mit ihrem Geburtsort Pitzling. Rößle zitierte aus einem Brief, in dem Rinser eine Einladung zum Pitzlinger Kirchenjubiläum ablehnte. Sie habe keine Erinnerungen an das Dorf und wisse nicht einmal, ob sie in der örtlichen Kirche getauft worden sei, schrieb sie damals Pitzlings Pfarrer. Dafür initiierte Rinser die 1985 geschlossene Städtepartnerschaft Landsbergs mit ihrer Wahlheimat Rocca di Papa bei Rom. „Sie hoffte wohl, Landsberg würde auf das damals etwas rückständige Rocca di Papa einen positiven Einfluss ausüben“, so Rößle, den eine Duz-Freundschaft mit der Schriftstellerin verband. Befremdet habe ihn, dass Rinser sich selbst, nachdem sie zur Ehrenbürgerin von Rocca di Papa ernannt worden war, auch als Ehrenbürgerin Landsbergs ins Gespräch brachte. Berühmtheit allein qualifiziere nicht für diese Würde, „dazu hätte ich mir mehr Engagement für die Stadt gewünscht“. Gelöst wurde das Dilemma mit der Verleihung des Landsberger Kunst- und Kulturpreises, dessen erste Trägerin Rinser 1991 wurde. „Mit ihrem Gesamtwerk hat sie einen hohen Maßstab für den Kulturpreis gesetzt“, so Rößle. Jedem, der tiefer in Rinsers Leben eintauchen möchte, legte er die jüngst erschienene Biographie „Luise Rinser – ein Leben in Widersprüchen“ des Philosophen und Dichters José Sànchez de Murillo ans Herz. „Was sie aus den ersten Jahren des Dritten Reiches mitschleppte, das teilte sie mit dem ganzen Land und auch mit unserer Stadt“, befand der Alt-OB versöhnlich. „Später war sie eine unerschrockene Frau, die für Frieden und die Rechte der Frau eintrat. Nach dem Krieg war sie eine der großen Hoffnungsträgerinnen unseres Landes.“ Helbert Häberlin begeisterte mit einer Lesung der Erzählung „Jakobs Kampf“. Ins Gespräch kam auch, an Rinsers Geburtshaus in Pitzling eine Gedenktafel anbringen zu lassen – oder auch an der Kastanie, die die Autorin am Lechsteg in Landsberg gepfanzt hat.

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