Bürgermeister Pfeiffer kehrt Pähl den Rücken – Scharfe Kritik aus eigenem Lager

Pähl – Klaus Pfeiffer (CSU) galt als großer Hoffnungsträger, als er nach den Kommunalwahlen im März 2008 in Pähl das Bürgermeisteramt übernahm. Nach drei Jahren „aufreibender Arbeit“ ist jetzt Schluss, zieht Pfeiffer ernüchtert Bilanz. Zum 1. März gibt er sein Amt frustriert zurück.

Der „enorme Widerstand“ im Gemeinderat habe ihm ein konstruktives Arbeiten unmöglich gemacht, argumentiert Pfeiffer, der den Gemeinderat am vergangenen Donnerstag über seinen Entschluss informierte. Die psychische Belastung sei für ihn und seine Familie zu hoch geworden, erklärte er unserer Zeitung. Der fünffache Familienvater ist noch bis Ende dieser Woche im Pähler Rathaus tätig, wird dann Elternzeit nehmen und wieder in den Realschuldienst zurückkehren. Bis Ende Mai müssen die Pähler einen Nachfolger wählen. Solange werden der zweite und dritte Bürgermeister, Johann Weber (CSU) und Alfons Keller (Freie Wähler Pähl), kommissarisch die Amtsgeschäfte führen. Dass die jüngsten Vorkommnisse wieder „tiefe persönliche Gräben“ zwischen den Pähler und  Fischener Bürgern aufreißen, befürchtet Vizelandrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU). In einem Telefongespräch mit dem KREISBOTEN zeigte sie sich „erschüttert“ darüber, dass Pfeiffer in Pähl „zwischen den Fronten zerrieben“ worden sei. Pfeiffers Entschluss stand fest. Wenige Stunden vor Sitzungsbeginn ließ er seinen Stellvertreter Johann Weber wissen, dass er als Pähler Gemeindechef zurücktreten wird. „Ich habe gut mit ihm zusammengearbeitet und finde es schade“, kommentierte Weber Pfeiffers Rückzug. Die 14 Gemeinderäte seien von der Nachricht überrascht worden. „Er hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt.“ Nach zermürbenden Querelen könne er Pfeiffers Schritt „menschlich nachvollziehen“. Der Zeitpunkt sei aber ungünstig. „Wir haben viele Projekte am Laufen wie den Turnhallenneubau“, sagte Weber dem KREISBOTEN. Während „ein Großteil des Gemeinderates“ den Bürgermeister unterstützt habe, hätten einige „gegen ihn Stimmung gemacht“. Welche Kandidaten werden in den nächsten Wochen ihren Hut in den Ring werfen? „Alles ist offen“, hält sich Weber von Spekulationen fern. „Zwischen die Mühlensteine geraten“ ist Pfeiffer nach Ansicht von Alfons Keller. Einige Gemeinderäte, Gegner des Turnhallenneubaues, hätten „jede Kleinigkeit bemängelt“. „Nicht tolerierbar“ findet der 3. Bürgermeister in dieser Sache das Verhalten der Kommunalaufsicht im Landratsamt. „Mehrmals“, so Keller, sei Pfeiffer klargemacht worden, dass er „für die Förderung des Turnhallenneubaues persönlich haftbar gemacht“ werden könne. CSU-Gemeinderat Daniel Bittscheidt wertet Pfeiffers Rückzug als „Konsequenz falscher Politik“. Der Pähler Gemeindechef habe in seiner Amtzeit zu wenig gestaltet und sich „leider vor den falschen Karren spannen lassen“. Vizelandrätin Andrea Jochner-Weiß findet, dass Pfeiffer beim Ausüben seines Amtes, das er ohne Erfahrung angetreten hatte, „in hohem Maße im Stich gelassen“ worden sei. Für Pähl „tut es mir wahnsinnig leid“. Pfeiffer beabsichtigt wieder ins Allgäu zurückzukehren. Die Widerstände im Gemeinderat, stellt er rückblickend fest, hätten sich über Monate aufgestaut. „Einige Einzelkämpfer“, die nur für ihre eigenen Interessen eingetreten wären, hätten ihm das Arbeiten massiv erschwert. Mit politischen Lagern habe das nichts zu tun, „zwischen den Ortsteilen Pähl und Fischen hat es schon immer Scharmützel gegeben“. Schwer getroffen habe ihn auch, dass der Verwaltung die Entlastung der Jahresrechnung 2009 versagt worden sei. Der Rückzug ist Pfeiffer schwer gefallen. „Es war ein Riesenaufwand, mit siebenköpfiger Familie hierher umzuziehen.“ Auf der Pähler Internetseite wird Pfeiffer in seinem Abschiedsschreiben deutlich: Er verspricht, die Gemeinde „wesentlich geordneter zu verlassen“, als er sie vorgefunden habe. Auch sei „in den letzten drei Jahren so viel bewegt worden, wie noch nie in der Geschichte der Gemeinde“. Verantwortliche bräuchten in der Politik „ein dickes Fell“, äußerte sich CSU-Kreisvorsitzender MdB Alexander Dobrindt, der Pfeiffer als „fachlich kompetenten und menschlich äußerst angenehmen Kollegen“ kennen gelernt hat. Den Pähler Gemeindevertretern rät der CSU-Generalsekretär, angestoßene Projekte „gemeinschaftlich weiterzuführen und „alte Auseinandersetzungen zu begraben“.

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